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von Astrid Dose

Dieser Beitrag ist dem Buch „Flüssiggas und BioLPG in der Energiewende“, erschienen im März 2020 im VDE VERLAG entlehnt.

Flüssiggas (LPG für Liquified Petroleum Gas – ein Gemisch aus Propan und Butan, nicht zu verwechseln mit LNG für verflüssigtes Erdgas) wird in der Energiewendediskussion kaum beachtet. Dabei weist es ähnliche Verbrennungseigenschaften wie Erdgas auf, das insbesondere von Lobbyverbänden, aber auch großen Teilen der Regierung, als Brückentechnologie hin zu einer postfossilen Energiezukunft gepuscht wird.

Im Vergleich zu Heizöl erzeugt es 30 % weniger CO2, 20 % weniger Stickoxide und 45 % weniger Feinstaub. Will es aber auch weiterhin im zukünftigen Energiemix einen Platz haben, geht das nur über nicht-fossiles Flüssiggas. Und daran wird in mehreren Projekten europaweit geforscht.

Biogenes Flüssiggas aus Finnland, Italien und Frankreich

Ein europäischer Vorreiter bei der Produktion von BioLPG ist das finnische Mineralölunternehmen Neste Oyj, das ein Verfahren zur Herstellung von Biokraftstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen sowie biogenen Abfallstoffen entwickelt hat. Dabei werden Pflanzenöle durch eine katalytische Reaktion mit Wasserstoff in Kohlenstoffe umgewandelt. Bei diesem als Hydrierung bezeichneten Prozess entsteht neben hydriertem Pflanzenöl (HVO für Hydrotreated Vegetable Oil) auch CO2-freies BioLPG. Heute ist Neste der weltweit größte Produzent von Biodiesel und BioLPG. Während das Unternehmen ursprünglich Pflanzenöle für die Generierung seiner Biokraftstoffe nutzte, werden mittlerweile zunehmend Abfall- und Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie, der Fischerei und Fleischerei verwendet, die laut eigener Aussage nicht mit der Nahrungsmittelherstellung in Konkurrenz stehen.

Bei der HVO-Produktion handelt es sich bereits um ein industriell erprobtes und in großem Maßstab eingesetztes Verfahren. Die Produktionskapazitäten der vier Produktionsstätten in Finnland, Rotterdam und Singapur lagen bereits im Jahr 2017 bei 2,5 Mio. t Biokraftstoffen pro Jahr und steigen seitdem stetig an. Damit entstehen zunehmend größere Mengen an BioLPG, welches seit dem Sommer 2018 auch auf dem deutschen Markt verfügbar ist.

Der italienische Mineralölkonzern Eni S.p.A. setzt ebenso auf das HVO-Verfahren zur Herstellung von Biokraftstoffen. In Venedig wurde hierzu erstmals eine konventionelle Raffinerie in eine Bioraffinerie umgewandelt, in welcher neben Biodiesel auch biogenes LPG und Naphtha (Leichtbenzin) produziert wird. Eine weitere Bioraffinerie in Gela soll ebenfalls bald ihren Betrieb aufnehmen. Auch das französische Mineralölunternehmen Total S.A. arbeitet seit 2015 an der Errichtung einer Bioraffinerie in Mède, in welcher jährlich 500.000 t Biodiesel entsprechend des HVO-Verfahrens produziert werden sollen. Im Rahmen dieses Herstellungsprozesses wird wiederum BioLPG anfallen.

Entsprechend der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) lassen sich die Treibhausgasemissionen von Flüssiggas durch die Anwendung von BioLPG um bis zu 90 % senken. Schon heute erfüllen Kraftstoffe aus HVO-Prozessen alle Nachhaltigkeitskriterien der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU, wenn Rest- oder Abfallstoffe eingesetzt werden.

Biomass-to-Liquid: BioTfuel aus Frankreich

Die Total S.A. forscht bereits seit geraumer Zeit an der Entwicklung alternativer Brenn- und Kraftstoffe mittels nachhaltiger Verfahren. Im Rahmen des europäischen Konsortialprojekts BioTfuel wird regionale Biomasse zunächst entwässert und geröstet, dann zu einer zentralen Verarbeitungsanlage transportiert und mittels hoher Temperaturen zu Synthesegas verarbeitet. Daran anschließend wird dieses Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenstoffmonoxid durch Fischer-Tropsch-Synthese zu flüssigen Kraftstoffen verarbeitet, die als Ausgangsstoff für Diesel- und Flugkraftstoffe mit sehr geringen Schadstoffemissionen dienen.

EU-Konsortialprojekt BioMates

Das von der EU geförderte Pilotprojekt BioMates untersucht die gemeinsame Raffinierung von biogenen und mineralischen Kohlenwasserstoffen im herkömmlichen Raffinerieprozess. Dabei entsteht auch biogenes Flüssiggas. Der Vorteil des Projekts besteht darin, dass Pflanzenreststoffe und Gräser, wie Miscanthus, zum Einsatz kommen, die nicht zur Nahrungsmittelherstellung dienen und damit nicht mit ihr in Konkurrenz stehen. Unter Koordination des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen zielt das Konsortialprojekt mit acht Partnern aus fünf EU-Ländern darauf ab, erneuerbare Rohstoffe in Raffinerien zu verarbeiten und dadurch umweltschädliches fossiles Rohöl zu ersetzen. Bis 2022 soll das Verfahren in die industrielle Produktion einer Anlage in Griechenland überführt werden.

Bestellung: https://www.vde-verlag.de/buecher/664868/fluessiggas-und-biolpg-in-der-energiewende.html

Mehr zum Buch hier: https://fluessiggas-energiewende.de/

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