Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur

News-Details Editorial Juni

von Astrid Dose
Jörg Spitzner, Spitzner Engineers, Sieger beim Innovation-Pitch auf dem EEHH-Sommerfest 2019 (EEHH GmbH)
Jörg Spitzner, Spitzner Engineers, Sieger beim Innovation-Pitch auf dem EEHH-Sommerfest 2019 (EEHH GmbH)

Im Mai wurden ganze neun Windenergieanlagen auf dem deutschen Festland installiert. Bei der letzten Ausschreibungsrunde für Wind an Land wurde eine Leistung von 650 Megawatt ausgeschrieben; es wurde aber nur eine Leistung von 270 MW bezuschlagt. Wettbewerb Fehlanzeige: alle bezuschlagten Projekte lagen logischerweise ganz nah beim Höchstpreis der Ausschreibungsrunde. Wenn es so weitergeht, werden im Jahr 2019 vielleicht nur etwa 1.000 MW Leistung installiert, vielleicht auch weniger. Das wäre weniger als in allen anderen Jahren seit 1998. Der Anlagenhersteller Senvion, das Serviceunternehmen SSC Wind und der Turmhersteller Ambau sind seit Jahresanfang insolvent geworden. Fällt Ihnen etwas auf?

Nachdem in Deutschland und Dänemark seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Windenergie-Industrie entstand, hat die Branche nicht nur eine energiewirtschaftliche Bedeutung – die Windenergie an Land und auf See sicherten 19% der Stromversorgung 2018 – sondern hat auch etwa 150.000 Arbeitsplätzen in Deutschland geschaffen.

Der damalige Umweltminister Klaus Töpfer hatte das Stromeinspeisegesetz ganz bewusst als wichtig für die Energiewende und für den Arbeitsmarkt konstruiert. Kluge Industriepolitik eben. Mittlerweile durften aber in der deutschen Windbranche schon einige 10.000 Arbeitsplätze wieder abgebaut sein. Diskutiert wird aber über den Verlust von 20.000 Arbeitsplätzen in der Braunkohle, der mit dutzenden Milliarden Euro Jahrzehntelang abgefedert werden soll. Hilfe für die vom Strukturwandel betroffenen Regionen ist angebracht. Aber: ist das krasse Missverhältnis der Arbeitsplatzgewichtung hier und dort nicht auffällig?

Der verheerender Rückgang beim Windenergieausbau an Land in Deutschland hat viele Ursachen: darunter ein Teil Akzeptanzverlust, bedeutende Fehler in der Umstellung auf Ausschreibungen und auch (zum Teil selbst verursachte) Probleme in einigen Bundesländern mit der Raumordnung. Statt weiter abzuwarten, wäre ein Krisentreffen von Bundesregierung und Bundesländern angebracht, da die Windenergie an Land seit 30 Jahren das Rückgrat der Energiewende in Deutschland war und auch in den kommenden Jahrzehnten bleiben muss, damit die Ausbauziele für Erneuerbare Energien überhaupt erreichbar sein können. Wer sich in der Bundes- und Landespolitik für eine Abmilderung des  Strukturwandels in den Braunkohleregionen, aber nicht gleichzeitig energisch für den weiteren Ausbau der Windenergie an Land einsetzt, ist mitverantwortlich, wenn die Energiewende scheitert. Die Schülerinnen und Schüler erkennen das und prangern es jeden Freitag zurecht an.

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