Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur

News-Details Editorial April 2020

von Astrid Dose
Hamburg Media Server
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Die Hamburg Offshore Wind 2020 Konferenz sollte eigentlich am 7. und 8. April 2020 stattfinden, was aber durch die COVID-19-Pandemie leider nicht möglich war. Stattdessen haben wir in der letzten Woche Videos von zwei wichtigen Keynote-Vorträgen der Konferenz veröffentlicht. Eindrucksvoll zeigen die Vorträge von Gunnar Groebler, Leiter des Windbereiches bei Vattenfall, und von Henrik Stiesdal, wichtiger Windpionier der ersten Stunde aus Dänemark, zwei wichtige Aspekte der Offshore-Windenergie.

Einerseits geht es darum, dass die Offshore-Windenergie in der EU in den flacheren Küstengewässern noch ein ungeheuer großes Potenzial hat. Derzeit sind etwa 22 Gigawatt Offshore-Windparkleistung am Netz. In der Offshore-Strategie der EU sollen – als Teil des Europäischen „Green Deal“ – bis 2050 etwa 450 Gigawatt Leistung installiert werden. Hier ist noch eine Verzwanzigfachung möglich. Zumindest, wenn die Rahmenbedingungen in den EU- Staaten stimmen. Gunnar Groebler hat darauf hingewiesen, dass die Regierungen der EU-Länder aber in und nach der Pandemie die Ausschreibungsrunden flexibel und klug gestalten sollten, damit die Branche die Potenziale hier auch realisieren kann. Vor Allem hat er in Richtung der deutschen Regierung darauf hingewiesen, dass die bereits im Herbst 2019 angekündigte Erhöhung des Ausbauziels für Offshore-Windenergie von 15 auf 20 GW in 2030 in der gesetzlichen Umsetzung  längst überfällig ist.

Henrik Stiesdal, Windpionier seit mehr als 40 Jahren und jahrzehntelang Technologiechef bei Bonus A/S und später bei der Siemens-Windsparte, arbeitet aktuell intensiv an der Realisierung von kostengünstigen schwimmenden Windkraftanlagen. Im Kern seiner Konzepte steht eine industrielle Produktion von standardisierten Komponenten für schwimmenden Fundamente. Damit könnten nicht nur die seichten Küstengewässer der EU in Nord- und Ostsee erschlossen werden: auch ein Großteil der Länder mit steil abfallenden Küsten, wie Japan, Norwegen oder die US-Westküste, wäre damit kostengünstig mit Offshore-Windstrom zu versorgen.

Beide sehenswerten Keynotes machen Mut, dass die Offshore-Windenergie – aber auch viele andere Bereiche einer klimafreundlichen Energieversorgung – ein großes Potenzial haben, der Wirtschaft in der EU nach der COVID-19-Pandemie wichtige neue Impulse zu geben. Der Klimaschutz ist nicht eine Belastung der Wirtschaft, die im Nachgang der Pandemie gelockert werden muss, wie es manche fordern. Klimaschutz kann und muss wichtige Impulse liefern für die Überwindung der Krise.

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