Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur

News-Details Blockchain in der Energiewirtschaft

von Astrid Dose
Dr. Carmen Schneider, Chatham Partners
Dr. Carmen Schneider, Chatham Partners

Das Thema Blockchain wird in der Energiewirtschaft unverändert positiv betrachtet. Sicher auch, weil es eine Vielzahl deckungsgleicher Elemente zwischen der Grundidee der Blockchain-Technologie und dem Energiemarkt der Zukunft gibt, etwa die Dezentralität oder die Fähigkeit, Kleinstmengen zeit- und kosteneffizient zu handeln. Eine jüngst veröffentlichte Studie der FfE benennt 91 potenzielle use cases für Blockchain-Anwendungen in der Energiewirtschaft, angefangen vom Labeling über den P2P-Stromhandel bis zum Asset Management. Zuletzt wurden viele Anwendungsfälle erprobt und es hat sich gezeigt: Anwender bewegen sich aktuell mindestens in einer Grauzone. Denn die regulatorischen Vorgaben – seien sie sektorspezifisch oder allgemeiner Natur – gelten in Ermangelung besonderer Vorschriften grundsätzlich auch für Blockchain-Anwendungen – von der DSGVO bis hin zum EEG-Doppelvermarktungsverbot. In Abhängigkeit von dem konkreten use case riskieren Unternehmen daher den Verlust des Förderanspruchs nach dem EEG, ein Bußgeld der BNetzA sowie ggf. eine Abmahnung nach dem UWG, um einige Fallstricke zu nennen. Eine frühzeitige rechtliche Prüfung des betreffenden Blockchain-Projektes und die Berücksichtigung der regulatorischen Anforderungen sind daher unerlässlich.

Fest steht: Die Blockchain muss ihr Wertversprechen erst noch einlösen. Aktuell müssen fundamentale technische Fragen geklärt und bestehende regulatorische Unsicherheiten beseitigt werden. Letztlich ist es Aufgabe des Gesetzgebers, die in den Reallaboren gewonnenen Erkenntnisse bei der Schaffung klarer rechtlicher Rahmenbedingungen für Blockchain-Anwendungen zu berücksichtigen. Die Bundesregierung möchte bis zum Sommer 2019 eine Blockchain-Strategie erarbeiten, die als wichtiger Treiber für die weitere Entwicklung des Themas gilt. Mit Spannung erwartet werden auch die Ergebnisse Studie „Blockchain in der integrierten Energiewende“ der dena, die sie am 26. Februar 2019 vorstellt. Zusätzlichen Rückenwind dürfte die Blockchain-Technologie, der gerade im Zusammenhang mit der Entwicklung lokaler Energiemärkte großes Potenzial zugeschrieben wird, durch die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie („RED II“) erfahren, die eine vereinfachte Abwicklung von Peer-to-Peer-Geschäften ermöglicht. Die Blockchain-Technologie hat zweifellos großes Innovations- und Veränderungspotenzial; die nächsten Jahre werden zeigen, ob sie eine tragende Säule der Energiewende werden kann oder ob sich andere Technologien durchsetzen.

Autorin: Dr. Carmen Schneider, Partnerin bei Chatham Partners
https://chatham.partners/

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