Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur

News-Details Editorial Juni

von Astrid Dose
Elektrobus vor dem Hamburger Rathaus (Hamburg Media Server/Roberto Kai Hegeler)
Elektrobus vor dem Hamburger Rathaus (Hamburg Media Server/Roberto Kai Hegeler)

Das Problemkind der Energiewende ist derzeit der Verkehrsbereich. Nach der „Tank statt Teller“-Diskussion war die Beimischung von Bioanteilen im Sprit und die Produktion von Biodiesel stark rückläufig. Damit ist der Anteil der erneuerbaren Energien im Mobilitätsbereich in den letzten Jahren erheblich zurück gegangen, bei gleichzeitig zunehmenden Fahrleistungen. Der Verkehrsanteil an den deutschen Treihausgasemissionen ist immer größer geworden und keine Trendwende in Sicht.

Auch wenn die Elektro- und Wasserstoffmobilität schon seit Jahren erwartet werden und eine (nahezu) emissionsfreie Mobilität ermöglichen sollen, müssen wir uns heute eingestehen, dass die Entwicklung nicht so schnell ging wie erwartet. Aber es ist zu früh, die Elektro- und Wasserstoffmobilität dauerhaft abzuschreiben. Derzeit findet insbesonders in den gewerblichen Flotten und bei Kurierunternehmen eine Umstellung auf elektrische Verteilfahrzeuge in den Ballungsräumen statt. Auch wenn die Fantasie vielleicht mehr durch schnelle Sportfahrzeuge angeregt wird, werden die wichtigsten Marktimpulse vermutlich von gewerblichen und öffentlichen Fahrzeugflotten in den Ballungsräumen ausgehen, wie es beispielsweise die Deutsche Post mit dem Streetscooter derzeit zeigt. Die Geschwindigkeit des Wandels im diesem Segment ist nicht zu unterschätzen. Hamburg wird nach 2020 nur noch emissionsfreie Busse beschaffen. In der niederländischen Stadt Eindhoven werden seit Ende 2016 nur noch elektrische Busse eingesetzt. Diese Fahrzeuge sind 16 oder 20 Stunden am Tag auf der Strasse unterwegs und parken nicht 23 Stunden wie Privatfahrzeuge.

Aber auch die Stromnetze müssen hierfür rechtzeitig fittgemacht werden. Wenn Hunderte von Bussen oder Lieferfahrzeugen abends um 18 oder 23 Uhr auf dem Busbetriebshof oder Firmengelände stehen, müssen die Stromnetze dort auch so stark sein, dass die Fahrzeuge bis zum nächsten Morgen wieder fahrbereit sind. Wenn in den Vororten in einer Strasse plötzlich zehn Haushalte eine private Schnelladestation für ihr Auto wollen, wird das Niederspannungsnetz schon bald an seine Grenzen stoßen.

Für Privatfahrzeuge sollten über die Stadt verteilte Stromtankstellen in der Nähe von starken Stromnetzknoten errichtet werden. Vielleicht sind sogar die derzeitigen Tankstellen geeignet? Auch wenn die insgesamt für die Mobilität genutzten Strommengen durchaus realistisch sind: die vom Stromnetz geforderten kurzfristigen Leistungen können sehr hoch sein. Diese Infrastrukturherausforderung wird uns in den nächsten Jahren noch beschäftigen und muss früh und mit Weitsicht angegangen werden!

 

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