Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur

News-Details Editorial

von Astrid Dose
Netzwerken auf dem EEHH-Gemeinschaftsstand auf der WindEnergy Hamburg 2016 (Jan Brandes/EEHH GmbH)
Netzwerken auf dem EEHH-Gemeinschaftsstand auf der WindEnergy Hamburg 2016 (Jan Brandes/EEHH GmbH)

Würde man wie das Jugendwort des Jahres 2016 „fly sein“ auch ein Energiewort des Jahres wählen, wäre es in diesem Jahr sicher „Sektorenkopplung“. Ob im Klimaschutzplan der Bundesregierung, in Gesetzen oder bei vielen Projekten und Veranstaltungen: die Sektorenkopplung ist in aller Munde. Gemeinhin wird darunter verstanden, dass die drei Sektoren der Energiewirtschaft, Stromversorgung, Wärmeversorgung und Verkehr gekoppelt und optimiert werden. Ziel ist, eine möglichst geringe Umwelt- und Klimabelastung bei einer gleichzeitig betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen sinnvollen Energieverwendung.

Wenn die Häufigkeit der Nutzung des Begriffes „Sektorenkopplung“ das Maß der Dinge wäre, müssten wir bereits flächendeckend unseren Stromsektor, die Wärmeversorgung und den Verkehrssektor mit einander verbunden haben. Dies ist definitiv noch nicht der Fall: wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die letzten Endes aus einer bisher erfolgreichen Stromwende auch eine erfolgreiche Energiewende im Bereich Wärme und Verkehr machen wird.

Derzeit werden erste Pilotprojekte umgesetzt, durch die erste wichtige Erfahrungen gesammelt werden. Aber in vielen Bereichen stellen Verordnungen und Regelungen für den Energiemarkt noch erhebliche Hürden dar, die abgebaut werden müssen. Diese Regeln waren früher durchaus sinnvoll, als wenige steuerbare Großkraftwerke im Grunde die Energieverbrauchskurve der Gesellschaft „nachfahren“ mussten. Heute verhindern diese Regeln viele Projekte.

Um die Sektorenkopplung in der Breite umzusetzen, müssen einige wichtige Aspekte berücksichtigt werden. Erstens: die derzeitige Annahme, die auch bei der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz zu Grunde lag, dass der Stromverbrauch in Deutschland in den kommenden Jahren stabil bis leicht steigend ist, ist falsch. Die meisten Energiefachleute und – szenarien gehen davon aus, dass der Stromverbrauch in Deutschland ganz erheblich steigen wird, da größere Strommengen in den Bereichen Wärmeversorgung und Verkehr fließen werden.

Zweitens: Wir brauchen, um der Sektorenkopplung Schwung zu geben, größere, zusammenhängende Projekte, in denen Akteure aus den verschiedenen Sektoren Möglichkeiten bekommen, technisch machbare Lösungen auch in der (betriebswirtschaftlichen) Praxis auszuprobieren. Es ist ausgesprochen erfreulich, dass ein große Akteursgruppe im Konsortium „Norddeutsche Energiewende 4.0 – NEW4.0“ in Schleswig-Holstein und Hamburg die Sektorenkopplung erproben will. Aber: dafür wird die „Experimentierklausel“ benötigt, die die Bundesregierung für das kommende Jahr angekündigt hat. Wir freuen uns darauf, dass NEW4.0 einen wichtigen Impuls für die Sektorenkopplung geben wird. Wir freuen uns noch mehr, wenn anschließend die Gesetze so geändert werden, dass keine „Experimentierklausel“ mehr nötig ist!

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