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Wohnquartiere wichtiges Element der Wärmewende Digitale Konferenz des EEHH-Clusters zu innovativen Energiekonzepten in der Wohnungswirtschaft

Wohnquartiere wichtiges Element der Wärmewende
Rainer Sturm/pixelio

Für die Freie Hansestadt Hamburg sieht der Hamburger Klimaplan bis 2030 eine Reduzierung der CO2-Emissionen von insgesamt 7,1 Millionen t vor. Davon entfallen auf den Bereich der privaten Haushalte knapp 2 Millionen t CO2.

Dekarbonisierung der Fern-Wärmeversorgung

Die „Stellschrauben“, die der Hamburger Klimaplan benennt, reichen von der Dekarbonisierung der (Fern)-Wärmeversorgung mittels klimaneutraler Fernwärme oder eines Ölheizungsverbots über die Steigerung der Gebäudeeffizienz im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien bis hin zum energetischen Quartiersansatz, beispielsweise durch Energiefachpläne und Energetische Quartierskonzepte. Dabei liegt auf der Hand, dass der Fokus zur Erreichung der Klimaziele im Bereich der Sanierung von Bestandsgebäuden liegen muss, da in Hamburg 2020 von rund 1 Millionen existierenden Wohneinheiten „nur“ rund 11.000 neue Wohneinheiten mit hohen Effizienzstandards hinzugekommen sind. Das Ziel ist eine Sanierungsquote von 2 Prozent jährlich statt aktuell weniger als 1 Prozent pro Jahr. Grund für den schlechten Wert heute: der Fachkräftemangel.

„Innovative Energiekonzepte in der Wohnungswirtschaft“

Auf der digitalen Fachkonferenz des EEHH-Clusters „Innovative Energiekonzepte in der Wohnungswirtschaft/Quartiersentwicklung“ am 6. Dezember 2021 haben verschiedene Vertreter*innen aus den Bereichen Planung, Wohnungswirtschaft und Contracting über ihre Erfahrungen bei der Umsetzung energetischer Konzepte berichtet. Sie sprachen auch über die energetische Sanierung im Bestand. Außerdem stellten sie Projekte aus Berlin und Hamburg vor, die beweisen, dass auch mit günstiger Holzfaserdämmung im Vergleich zur häufig standardisiert verwendeten Mineralfaser-Steinwolle eine günstigere und effizientere Wärmedämmung möglich ist. Im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien wie PV in Kombination mit Wärmepumpen oder der Nutzung oberflächennaher Erdwärme erzielten sie auch im Bestand erhebliche CO2 Senkungspotentiale.

Schlüssel: bessere Dämmung

Learning: Die geringeren Materialstärken und Kosten bei Dämmmaterialen machen geringere Zuschüsse aus Förderprogrammen erforderlich, bei vergleichbarer CO2-Minderung als mit aufwendigerer Dämmung aus nicht-nachwachsenden Rohstoffen. Auch die Mietpreise (Bruttowarmmiete) stiegen im gezeigten Beispiel durch die Bestandssanierung moderat um nur rund 4 Prozent. Zumal die Preise für die Wärmeerzeugung bei größerem Einsatz erneuerbarer Energien vor allem langfristig stabil bleiben. Natürlich lässt sich ein Best-Practice-Case nie eins zu eins auf alle Objekte übertragen – jedes Projekt muss individuell geplant und umgesetzt werden - aber es zeigt sich, dass es für die Wärmewende bereits viele Werkzeuge und Konzepte gibt, diese jedoch noch bei weitem nicht optimal eingesetzt bzw. kombiniert werden. Hier ist ein regulatorischer Rahmen nötig, der zum einen den Einsatz regenerativer Primärenergie begünstigt (und ggf. bei der Erschließung auch bezuschusst) und gleichzeitig die Verwendung der optimalen Dämmtechnik vorschreibt.

Mehr erneuerbare Energieversorgung von Quartieren

Im Hinblick auf Energiekonzepte in Wohnquartieren ergeben sich zudem weitere Potentiale und Chancen. So verfügen Quartiere häufig über Flächen, z.B. auf Dachflächen oder unter Sport-, Spiel- und Parkplätzen, die für den Einsatz erneuerbarer Energien und klimafreundliche Energieversorgungsoptionen genutzt werden können. Wohnquartiere können so beispielsweise als eigene „Prosumer“-Einheiten aufgebaut werden, in denen regenerativ erzeugter Strom auch in der Wärmeversorgung eingesetzt oder zur Betankung von E-Fahrzeugen verwendet wird. In der Summe bringt eine optimierte Sanierung eines gesamten Quartiers mit langfristigem Monitoring deutlich bessere und wirtschaftlichere Ergebnisse als maximale Dämmstärken auf jedem Gebäude. Dies erfordert grundlegend neue Konzepte und Ansätze bei den Marktakteuren und führt mitunter zu nicht unerheblichen Veränderungen der Marktrollen. Das EEHH-Cluster wird mit der Expertise und Kompetenz aus dem EEHH-Netzwerk dort, wo es möglich ist, zum Gelingen der Energiewende in der Wohnungswirtschaft/Quartiersentwicklung beitragen.

 

 

Über Constantin Lange

Profilbild zu: Constantin Lange

Beim Cluster bin ich für den Bereich Forschung und Innovation zuständig und bin damit die Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft. Meine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Wind – und Solarenergie sowie im Themenfeld Wärme. Über unsere Fachforen und verschiedene Veranstaltungsformate verantworte ich u.a. direkte Informations- und Diskussionsformate für unsere Mitgliedsunternehmen.

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