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Wind Europe Offshore, London 2017: Die Offshore-Branche zwischen Euphorie, Konsolidierung und Brexit

Wind Europe Offshore, London 2017:
Offshore-Installationsschiff vor dem ExCel in London während der Wind Europe Offshore 2017 (Wind Europe)

London ist ein Ort, der nie zur Ruhe kommt. Täglich berichten die Medien sowohl über gute als auch über schreckliche Ereignisse aus der britischen Hauptstadt, und auch während der Messe im Londoner ExCel-Messezentrum war die Spannung vor den am letzten Messetag anstehenden Unterhauswahlen in der Stadt überall zu spüren.

Der Ort war also gut gewählt, denn für die Offshore-Branche in Europa hat die Ausrichtung der zukünftigen britischen Regierung eine wesentliche Bedeutung für Planungssicherheit und die Größe des zukünftigen Offshore-Wind-Marktes. Viele Fragen verbinden sich zu einem großen: Wie weiter? Wird Großbritannien am Neubau des verschwenderisch teuren Atomkraftwerks Hinkley Point C festhalten? Welche Rolle soll die Offshore-Windenergie für die Energiezukunft der Insel spielen? Und nicht zuletzt: Wie wird der Brexit konkret aussehen?

Vom Brexit wissen wir bisher nur Eines: Insgesamt verbessern wird sich die Situation für die Offshore-Branche dadurch nicht. Wenn das Vereinigte Königreich den Europäischen Binnenmarkt wirklich verlässt, werden hohe Zölle die Lieferketten beeinträchtigen. Wenn das Pfund abgewertet wird, wird die Produktion in UK dann billiger? Aber für welchen Markt wird produziert? Ein grenzüberschreitendes Stromübertragungsnetz in der Nordsee kann nur sinnvoll geplant werden, wenn man weiß, wie es mit Großbritannien und dem Europäischen Energiebinnenmarkt insgesamt weitergeht. Hier verliert man wertvolle Zeit. Auch ein Traum in Deutschland wäre wohl schnell ausgeträumt: würden Unternehmen die Insel verlassen und sich in Deutschland ansiedeln, würden sie ihre Produkte wohl kaum im Vereinigten Königreich verkaufen können.

In all der Ungewissheit sorgte die Branche ihrerseits für gute Nachrichten. Die 0-Cent-Ergebnisse der Ausschreibungen für Offshore-Windparks in Deutschland führten zu einer großen Euphorie, denn jetzt hat sich auch das letzte Argument in Luft aufgelöst, nicht auf Offshore-Windenergie zu setzen. Der Dachverband WindEurope und alle Beteiligten wurden nicht müde, für eine signifikante Anhebung der Ausbauzahlen in ganz Europa zu werben. Das wird auch dringend nötig sein, denn auffallend: die in den Auktionen nicht erfolgreichen Bieter waren kaum oder gar nicht präsent. Mit ihnen einige Turbinenhersteller und Zulieferer, die auf vorherigen Veranstaltungen noch ausgestellt hatten. Die Konsolidierung ist unübersehbar.

Letztlich lässt sich feststellen: Die Offshore-Windbranche durchläuft nach wie vor rasante Entwicklungen. Wir werden bis zur nächsten Offshore Wind Energy in Kopenhagen in zwei Jahren noch viele Veränderungen erleben … und 2019 sollen die Brexit-Verhandlungen vor dem Abschluss stehen.

https://windeurope.org/

 

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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