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Vorgestellt: EEHH-Geschäftsführer Jan Rispens

Vorgestellt: EEHH-Geschäftsführer Jan Rispens
EEHH-Geschäftsführer Jan Rispens (links) auf dem German Renewables Award 2020

EEHH: Herr Rispens: Sie begeistern sich schon lange und intensiv für die erneuerbaren Energien – wie ist es dazu gekommen? Wie entstand diese Begeisterung?

Jan Rispens: „Ich bin in der Zeit ersten und zweiten Ölkrise aufgewachsen. Daraus entstand für mich das Bild, dass wir uns dringend unabhängig von fossilen Brennstoffen machen sollten. Das war einer der Gründe dafür, dass ich während meines Elektrotechnik-Studiums in den Niederlanden angefangen habe, mich mit Umwelt- und Energiethemen zu befassen.Später, als ich bei Greenpeace Deutschland tätig war, habe ich mich intensiv mit den Themen Klimawandel und erneuerbare Energien beschäftigt. Dadurch kam ich einerseits zu der Erkenntnis, dass das Problem mit den fossilen Energien eher nicht deren Endlichkeit ist, sondern die Tatsache, dass ein Großteil ihrer Vorräte ungenutzt bleiben sollte, wenn wir kein unkontrollierter Klimawandel wollen. Andererseits habe ich erkannt, wie groß die technische Potenziale bei Solar- und Windenergie sind und dass wir massiv an ihrer Erschließung arbeiten müssen.“

EEHH: Sie leiten seit zehn Jahren das Branchennetzwerk Erneuerbare Energien Hamburg. Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste an der Netzwerkarbeit? Was macht Ihnen besonders Spaß?

Jan Rispens: „Mir macht besonders Spaß, wenn es uns in der Clusterarbeit gelingt, Menschen, Ideen und Geld so zusammen zu bringen, dass spannende Innovationen oder neuartige Projekt entstehen. Ich habe häufig wahrgenommen, dass Clusterarbeit sowohl großen Konzerne als auch KMUs und Forschungseinrichtungen etwas bringen kann, da nur wenige Akteure ihre Projekte völlig in Eigenregie umsetzen können oder wollen.

Diese Arbeit eines Clusters läuft häufig hinter den Kulissen oder findet am Rande von Veranstaltungen statt. Wehrmutstropfen dabei: häufig erfahren wir in der Clusterarbeit erst sehr viel später davon und manchmal auch eher zufällig. Dann freue ich mich aber umso mehr darüber. Wichtig für erfolgreiche Netzwerkarbeit sind dabei meiner Meinung nach: echtes Interesse daran, Innovationen und Projekte voran zu bringen und dabei gerne mit Menschen zu arbeiten. Ich glaube auch fest daran, dass es für ein Netzwerk wichtig ist, dass große und kleine Unternehmen mit ihren natürlich stark unterschiedlichen Möglichkeiten auf Augenhöhe in die Netzwerkarbeit einbezogen werden. Eine gewisse Frusttoleranz gehört auch dazu, da natürlich nicht alle Ideen umgesetzt werden können.“

EEHH: Seit Februar 2021 beschäftigt sich EEHH verstärkt mit dem Thema der Wasserstoffwirtschaft. Worin sehen Sie die größten Chancen, aber auch Herausforderungen?

Jan Rispens: „Bisher fehlt in unserem künftig auf grünem Strom basierendem Energiesystem eine größere Speichermöglichkeit. Onshore- und Offshore-Wind und Solarenergie schwanken mit dem Wetter. Die Umwandlung von Strom in Wasserstoff bietet eine wirklich wichtige Möglichkeit, Energie auch für Tagen oder Wochen zu speichern und so das künftige Energiesystem zu stabilisieren. Gleichzeitig haben Industrie, Chemie und Ferntransport, um sich zu dekarbonisieren, einen riesigen Bedarf an grünem Wasserstoff, um fossilen Energien und Rohstoffe zu ersetzen.

Natürlich geht bei der Elektrolyse ein Teil der Energie als Abwärme verloren, aber wenn die Wärme sinnvoll verwendet wird, hätte die Verwendung von Wasserstoff in diesen Sektoren einen riesigen ökologischen Nutzen. Wenn uns dies in Deutschland und Europa gelingt, haben wir nicht nur einen entscheidenden ökologischen Gewinn, sondern könnten die entwickelten Technologien auch weltweit vermarkten. Mit dem EEHH-Cluster wollen wir daran mitarbeiten, dass Hamburg und die gesamte Metropolregion hier ganz vorne stehen. Ich sehe dabei zwei wesentliche Herausforderungen. Erstens, dass es ein Langstreckenlauf für zwei Jahrzehnte sein wird und manche Politiker nur bis zur nächsten Wahl planen. Zweitens, dass wir die gesamten Energiemärkte für Strom, Wärme, Mobilität und Gas neu und konsequent nach CO2-Ausstoss der Energieträger regulieren müssen. Dafür sollte die heutige Schubladen-Regulatorik verschwinden und von Grund auf neu gedacht werden - und zwar in den nächsten vier Jahren!“

EEHH: Jeder Geschäftsführer braucht auch Ausgleich in seiner Freizeit – was machen Sie zur Entspannung?

Jan Rispens: „Ich lese gerne und viel und höre zur Entspannung auch gerne viel und laut Musik. Allem, was ich damit noch nicht ausgleichen konnte, versuche ich in den Sommermonaten mit langen Fahrrad- oder Kanu-Touren zu begegnen. Klappt ganz gut.“

Vielen Dank für das spannende Interview und weiterhin gutes Gelingen!

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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