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Starkes Signal für den Industriestandort Deutschland Stiftung Offshore Windenergie begrüßt Vergabe des ersten 2-GW-Offshore-Konvertersystems nach Rostock-Warnemünde
Die Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE begrüßt die am 17.06. bekannt gegebene Vergabe eines milliardenschweren Großauftrags für den Bau einer Offshore-Konverterplattform der 2-Gigawatt-Klasse durch den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Den Zuschlag erhielt ein deutsch-belgisch-französisches Konsortium aus Siemens Energy, der Neptun Werft (Meyer Gruppe) und Smulders (Eiffage Gruppe). Die Vergabe wurde im Beisein von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bekannt gegeben.
Die Vergabe markiert die Rückkehr des Offshore-Konverterbaus nach Deutschland. Zuletzt wurden entsprechende Systeme bis zur 900-Megawatt-Klasse im Jahr 2018 auf deutschen Werften gefertigt. Danach verlagerte sich die Produktion ins Ausland. Aufträge gingen unter anderem nach Spanien, Singapur, Indonesien und in die Vereinigten Arabischen Emirate.
Mit dem neuen Auftrag entsteht die Perspektive, zentrale Komponenten der Energiewende wieder dauerhaft in Deutschland zu entwickeln und zu fertigen. Das Konsortium setzte sich in einem wettbewerblichen Verfahren durch und wird erstmals eine Offshore-Konverterplattform der 2-Gigawatt-Klasse in Deutschland realisieren. Ermöglicht wurde dies unter anderem durch innovative Designansätze und erhebliche Effizienzsteigerungen bei der Konstruktion der rund 20.000 Tonnen schweren Plattform. Über einen weiteren Auftrag wird bereits verhandelt.
Besonders Mecklenburg-Vorpommern und die maritime Industrie profitieren von dieser Entwicklung. Auf dem Gelände der ehemaligen Warnowwerft in Rostock-Warnemünde sollen künftig die Großkomponenten der Offshore-Konverterplattformen gefertigt werden. Damit entstehen neue industrielle Perspektiven und hunderte qualifizierte Arbeitsplätze in einer Zukunftsbranche.
„Die heutige Vergabe ist ein wichtiger Meilenstein für die beteiligten Unternehmen und die gesamte deutsche Offshore-Windenergiebranche. Nun gilt es, die entstehenden Kapazitäten langfristig zu sichern und weitere Synergien innerhalb der deutschen Werftenlandschaft zu erschließen“, so Würtz.
„Die Entscheidung stärkt zugleich resiliente europäische Lieferketten. Angesichts zunehmender geopolitischer Unsicherheiten besitzt sie damit nicht nur eine wirtschafts- und energiepolitische, sondern auch eine sicherheitspolitische Dimension.“
Gleichzeitig warnt die Stiftung davor, den aktuellen Erfolg als selbstverständlich anzusehen.
„Der heutige Zuschlag zeigt, welches Potenzial Deutschland im Offshore-Windsektor besitzt. Er verdeutlicht aber auch, wie wichtig langfristige Planungssicherheit und verlässliche Investitionsbedingungen sind“, betont Würtz.
Die Erfahrungen der vergangenen Dekade zeigen, dass industrielle Kapazitäten nur dann dauerhaft aufgebaut und erhalten werden können, wenn ein stabiler Heimatmarkt vorhanden ist. Nachdem das Ausbauziel für Offshore-Windenergie im Jahr 2014 von ursprünglich 25 Gigawatt auf 15 Gigawatt bis 2030 reduziert wurde, gingen Teile der spezialisierten Wertschöpfungskette verloren. Die Stiftung sieht die Gefahr, dass sich eine vergleichbare Entwicklung wiederholen könnte, wenn die aktuellen Herausforderungen im Marktumfeld nicht zeitnah adressiert werden.
Aus Sicht der Stiftung muss die Bundesregierung daher zeitnah die angekündigte Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes vorlegen und dabei ein Ausschreibungsdesign schaffen, das die Realisierung von Offshore-Projekten unterstützt sowie verlässliche Investitionsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet. Gleichzeitig bedarf es konstruktiver Lösungen für einen Teil der in den vergangenen drei Jahren vergebenen Offshore-Projekte mit einem Umfang von rund 17 Gigawatt, bei denen erhebliche Zweifel an der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit bestehen.
Die Auswirkungen dieser Unsicherheiten sind bereits heute sichtbar: verzögerte Investitionsentscheidungen, ausgesetzte Kapazitätserweiterungen sowie erste Stellenstreichungen in Teilen der Branche. Ohne Gegenmaßnahmen droht die Gefahr, dass Netzanschlüsse und Offshore-Windparks zeitlich auseinanderlaufen und damit erhebliche volkswirtschaftliche Kosten entstehen.
Hintergrund
Offshore-Konvertersysteme wandeln den von Offshore-Windparks erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom um und ermöglichen so den effizienteren Transport großer Energiemengen über längere Entfernungen. In Deutschland kommt die Technologie in Kombination mit leistungsstarken 525-kV-Unterwasserstromkabeln ab Ende der 2020er in der Nordsee zum Einsatz. Dort produzieren Windparks bereits heute 120 km von der Küste entfernt Strom. Die Konvertersysteme bilden zudem einen zentralen Baustein eines zukünftigen vermaschten europäischen Offshore-Stromnetzes. Die nun beauftragte 2-Gigawatt-Technologie zählt zu den leistungsstärksten ihrer Art und soll erstmals in Deutschland gebaut werden.
Die Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE setzt sich seit der Insolvenz der MV-Werften Anfang 2022 gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Gewerkschaften und Politik für die Rückkehr des Offshore-Konverterbaus nach Deutschland ein.
Bereits im März 2022 organisierte sie gemeinsam mit der IG Metall Küste ein Fachgespräch auf dem Werftgelände in Rostock-Warnemünde, um die Potenziale des Standorts für den Bau von Offshore-Konverterplattformen aufzuzeigen.
Nach der Verpachtung des Geländes an das Marinearsenal im August 2022 hat sich die Stiftung für eine Ko-Nutzungslösung eingesetzt, die im November 2023 durch eine trilaterale Absichtserklärung zwischen Investoren, Marinearsenal und Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erreicht wurde. In den Folgejahren begleitete die Stiftung gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium sowie zahlreichen weiteren Akteuren verschiedene Initiativen zur Sicherung und Weiterentwicklung des Standorts.