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Neues Hamburger Wasserstoffnetz setzt Maßstäbe Interview mit Oliver Koch, Gasnetz Hamburg

Neues Hamburger Wasserstoffnetz setzt Maßstäbe
Gasnetz Hamburg

EEHH: Gasnetz HH wird in den kommenden Jahren das Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN realisieren – was dürfen wir uns darunter genau vorstellen? Bis wann soll das Netz fertig sein? Wer wird es nutzen?

Oliver Koch: "Hamburgs energieintensive Industrien suchen nach Lösungen zur Dekarbonisierung ihrer Produktion. Die Pläne für ein 'Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz', kurz HH-WIN, zeigt eine Lösung auf: Ein Wasserstoffnetz südlich der Elbe, das mit zunächst rund 60 Kilometern Länge in Zukunft einen Großteil der Industrieunternehmen mit grünem Wasserstoff versorgen kann – eine versorgungssichere H2 Infrastruktur im bundesweiten und europäischen Verbund.

In der ersten Ausbaustufe bis 2030 können Industrieunternehmen im Netzgebiet angeschlossen werden, die heute für rund ein Drittel des gesamten Hamburger Erdgasverbrauchs stehen. Daraus ergibt sich ein enormes Potenzial beim Klimaschutz.

Gasnetz Hamburg ist Teil des Wasserstoffverbund Hamburg, der sich das Ziel gesetzt hat, bis 2030 mehr als eine Million Tonnen CO2 einzusparen. In einem gemeinsamen Antrag im Rahmen des EU-weiten Förderprogramms 'Wichtige Projekte von gemeinsamem europäischem Interesse' (Important Projects of Common European Interest – IPCEI) sind die Unternehmen Airbus, ArcelorMittal, GreenPlug, Hamburger Hafen und Logistik AG, Hamburg Port Authority, HADAG Seetouristik und Fährdienst sowie die Stadtreinigung beteiligt sowie auch der Hamburg Green Hydrogen Hub (Shell, Vattenfall, Mitsubishy Heavy Industries und Wärme Hamburg)."

Im Interview

Profilbild zu: O. Koch

Oliver Koch ist im Bereich Wasserstoff bei Gasnetz Hamburg tätig.

EEHH: Die HH-WIN Wasserstoff-Infrastruktur ist dabei das zentrale Bindeglied zwischen allen Verbundprojekten. Worin bestehen die größten (technischen) Herausforderungen bei der Errichtung eines neuen Wasserstoffnetzes in Hamburg?

Oliver Koch: "Das Vorhaben HH-WIN wird in bedarfsorientierten Stufen von 2023 bis zunächst 2030 entwickelt und umgesetzt. In den Jahren 2023 bis 2026 sind zwei Meilensteine im Fokus:

  1. Verteilung des lokal erzeugten Wasserstoffs aus einer skalierbaren Groß-Elektrolyse (zunächst bis 100 MWel) und von importiertem Wasserstoff zu Anwendern im Hafengebiet.
  2. Schaffung einer paneuropäischen Wasserstoffinfrastruktur über die Anbindung an das deutsche Wasserstoff-Netz mit durchgängiger Verbindung nach Dänemark und Niederlande zu wesentlichen Wasserstoff-Produktionszentren.

Anschließend soll HH-WIN weiter ausgebaut werden, um weitere Bedarfe aus Industrie- und Verkehrssektor zu bedienen. Die Herausforderung liegt weniger in der technischen Umsetzung, da eine Wasserstoffleitung prinzipiell keine größeren Risiken als eine Erdgasleitung birgt, sondern in der bedarfsgerechten Planung und Umsetzung für die Kunden."

EEHH: Gibt es andere (europäische) Städte, die ebenfalls ein Wasserstoffnetz realisiert haben, an denen Sie sich orientieren?

Oliver Koch: "Der Plan für ein öffentliches Wasserstoffnetz für Industrie und Gewerbe im städtischen Raum ist unseres Wissens in Deutschland der erste konkrete Schritt, um eine integrierte städtische Wasserstoffinfrastruktur in dieser Größenordnung auf Ebene eines Gasverteilnetzes aufzubauen. Wir stehen jedoch im Austausch mit vergleichbaren Projekten in Europa, welche sich allerdings derzeit ebenfalls noch in Planung bzw. im Aufbau befinden."

EEHH: Sie treten als Referent bei der diesjährigen Powerfuels Conference auf, die die dena und EEHH gemeinsam ausrichten. Wie kann ein Unternehmen wie Gasnetz Hamburg von einer Global Powerfuels Alliance profitieren?

Oliver Koch: "Die HH-WIN Wasserstoff-Infrastruktur ist zentrales Bindeglied für die Industrieunternehmen. Gleichzeitig bietet es auch für die H2-Mobilität ideale Anschlussmöglichkeiten: Tankstellen für den Schwerlastverkehr und für Fahrzeuge und Schiffe in der Hafenlogistik lassen sich direkt an die geplante Wasserstoff-Infrastruktur anschließen. Auch der seeseitige Import und Anschluss an das europäische Wasserstoffnetz bieten Potenzial für die Nutzung von weiteren Powerfuels neben Wasserstoff wie synthetische Gase oder bspw. auch synthetisches Methanol und Ammoniak."

Vielen Dank für Ihre Zeit und die interessanten Antworten!

Melden Sie sich jetzt noch an zur diesjährigen dena Powerfuels Conference am 23. Juni 2021:

https://www.powerfuels.org/newsroom/veranstaltungen/2021/annual-conference-connecting-powerfuel-hubs-23rd-june/

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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