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Mit Tempo in die Sektorenkopplung

Über dieses Ziel wird in Brüssel im Rahmen der Reformierung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie als Teil des Fit-for-55-Paketes diskutiert. Diese Vorgabe stellt Deutschland vor größere Herausforderungen, als es zunächst den Anschein hat, wurde in 2020 doch bereits ein Anteil Erneuerbarer Energien von 45,4 Prozent festgestellt und vielfach kommuniziert. Dieser Wert bezieht sich allerdings nur auf den Stromverbrauch, und seine Allgegenwärtigkeit in der öffentlichen Diskussion verschleiert oftmals den eigentlichen Handlungsbedarf, vor dem wir stehen. Wird der Anteil Erneuerbarer Energien im Wärmesektor (15,6 Prozent) und im Verkehrssektor (7,5 Prozent) mitberücksichtigt, steht Deutschland insgesamt bei lediglich 19,2 Prozent. Zur Erfüllung der EU-Richtlinie muss sich der Anteil Erneuerbarer Energien bis 2030 also mehr als verdoppeln. Zusätzlicher Druck entsteht durch die im deutschen Klimaschutzgesetz festgeschriebenen sektorspezifischen Ziele zur CO2-Reduktion.

Sektorenkopplung Lösung für erfolgreiche Energiewende

Die notwendige Antwort auf die Herausforderungen ist eine konsequente Sektorenkopplung. Ihr Ziel ist es, die getrennte Betrachtung der oben genannten Sektoren zu überwinden, übergreifende Lösungen zur Dekarbonisierung zu entwickeln sowie mögliche Synergien im Hinblick auf Energie- und Kosteneffizienz zu nutzen. Da im Wärme- und im Verkehrssektor keine Energieträger vorhanden sind, die ähnliches Skalierungspotenzial wie Strom aus Windkraft und Photovoltaik bieten, ist der Einsatz von grünem Strom die vielversprechendste Option. Wichtige Technologien sind vor allem die Wärmepumpe und die Elektromobilität. Im Weiteren wird auch aus Strom hergestellter Wasserstoff eine Rolle spielen. Die wachsende Anzahl an Stromverbrauchern kann ihren Bezug wiederum flexibilisieren und auf diese Weise die Integration von Windkraft- und Photovoltaikstrom in das Energiesystem kosteneffizient gestalten.

Erneuerbarer Strom als Fundament

Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Sektorenkopplung ist zunächst die Verfügbarkeit von Strom aus Erneuerbaren Energien. Es ist daher von zentraler Bedeutung, gerade in den Ausbau der Windkraft wieder mehr Dynamik zu bringen und die bekannten Hemmnisse zu beseitigen. Hamburg und Schleswig-Holstein haben in Sachen Erneuerbare Energien einen klaren Standortvorteil und können daher auch ein Vorreiter der Sektorenkopplung werden.

Baustelle Regulatorik

Weitere Herausforderungen liegen in der Regulatorik, die bislang wichtige Investitionen unwirtschaftlich macht. Dabei ist ein wesentlicher Punkt die Besteuerung von Energie. Hier handelt es sich um historisch gewachsene Abgaben und Umlagen, die Strom unter dem Strich stärker besteuern als Erdgas oder Diesel. Hier wäre eine Besteuerung, die sich primär an den CO2-Emissionen orientiert, besser und würde nachhaltige Investitionen begünstigen. Beispielhaft sei hier die Technologie der Wärmepumpe genannt, deren Marktanteil im Neubau im Jahr 2020 nur bei 52,8 Prozent lag. 32,3 Prozent der neuen Gebäude wurden immer noch mit fossilen Gasheizungen ausgestattet, deren zu erwartende Lebensdauer bei mindestens 20 Jahren liegt. Berücksichtigt man den gesamten Markt, d.h. inklusive Austausch alter Heizkessel, liegt der Marktanteil der Wärmepumpe gerade einmal bei 16,6 Prozent. Die jetzige Regulatorik setzt also weiterhin Fehlanreize für Investitionen, deren Wirkzeitraum bereits an 2045 heranreicht. In der Elektromobilität (13% aller Neuzulassungen in 2020) gilt es ähnliche Probleme für den Markthochlauf zu vermeiden. Eine Stellschraube ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur der jetzt forciert werden muss, um nicht zum hemmenden Faktor zu werden.

Die hier angesprochenen Problematiken sind nur kurze Anrisse für zahlreiche weitere Maßnahmen, die wir für eine erfolgreiche Sektorenkopplung angehen müssen, für die Klimaziele 2030 und die Klimaneutralität 2045. Auf geht’s!

Über Steffen Bechtel

Profilbild zu: Steffen Bechtel

Im Cluster EEHH bin ich seit Februar 2022 für die Themenbereiche Sektorenkopplung und erneuerbare Wärme zuständig. Ich bin Ingenieur mit dem Schwerpunkt Energietechnik und arbeite mit großer Freude daran, die Energiewende in Hamburg voranzubringen.

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