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Immer mehr Datenzentren werden aus Umweltgründen nach Norwegen verlagert

Immer mehr Datenzentren werden aus Umweltgründen nach Norwegen verlagert
Uwe Kunze / Pixelio

Die moderne, digitalisierte Welt produziert stetig wachsende Datenmengen, die nachhaltig verarbeitet und gespeichert werden müssen. Norwegens einzigartige Kombination aus natürlichen Ressourcen, technologischem Know-how und umfangreichen Investitionen macht das Land nicht nur aus Umweltsicht zu einem ausgezeichneten Standort für Rechenzentren.

Die Aktivitäten einer modernen Gesellschaft – und insbesondere die „smarten“ Entwicklungen wie Smart Grids, Smart Cities und Smart Mobility – generieren immer größere Datenmengen. Alle diese Daten müssen verarbeitet und gespeichert werden. Aus diesem Grund steigt die Zahl der Rechenzentren explosiv an – denjenigen Unternehmen also, die alle diese Daten verarbeiten und speichern.

Der Nachteil? Rechenzentren brauchen Energie, viel Energie. Hier kommt Norwegen ins Spiel, denn hier werden Rechenzentrum mit sauberem Strom betrieben.

Von der Natur betriebene Rechenzentren

Achtundneunzig Prozent des norwegischen Stroms werden aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft und Wind erzeugt. In einem normalen Jahr produziert Norwegen mehr Strom als es verbraucht. Darüber hinaus ermöglicht das kühle Klima eine energieeffiziente Kühlung der Datenzentren. An mehreren Standorten wird die vorhandene Infrastruktur und/oder die überschüssige Wärme, die in den Datenzentren anfällt, weiterverwendet. Im Jahr 2018 verabschiedete die norwegische Regierung die weltweit erste nationale Strategie für Rechenzentren, einschließlich Steuersenkungen und Anreizen zur Verbesserung der Konnektivität. Diese Strategie hat eine Spirale von Investitionen in Gang gesetzt: Im Jahr 2019 eröffnete Microsoft mehrere Rechenzentren in Norwegen, Volkswagen siedelte hier ein Zentrum für Hochleistungsrechnen (HPC) an, und Google kaufte ein großes Grundstück vom Energiekonzern Statkraft zum Bau eines Datenzentrums.

Darüber hinaus wurde der Bau mehrerer neuer Untersee-Glasfaserkabel angekündigt. In Kristiansand wurde kürzlich ein Anlandepunkt für das Havfrue-Kabel (Meerjungfrau) eröffnet. Dies ist die erste direkte Datenverbindung zwischen Norwegen und den USA. Inzwischen ist die Finanzierung der Kabel NO-UK.com und Skagenfiber gesichert, die den Datentransfer mit hoher Kapazität direkt von Norwegen nach Großbritannien und Dänemark ermöglichen werden. Diese drei Untersee-Glasfaserkabel stellen eine radikale Verbesserung der internationalen Konnektivität dar und markieren einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der norwegischen Rechenzentrumsbranche.

Ein klimafreundlicher Supermarkt für Daten

Natürlich können nicht alle Daten in Norwegen gelagert werden, da an Daten unterschiedliche Anforderungen gestellt werden. Manche Daten müssen in unmittelbarer Nähe des Nutzers gespeichert werden, während andere über weite Strecken transferiert werden können, ohne ihre Wertigkeit zu verändern. Man kann sich Europa als einen Supermarkt für Daten vorstellen. In diesem Supermarkt gibt es eine „Frischwarenabteilung“, in der Daten zu finden sind, die erst kürzlich erstellt wurden und die zur sofortigen Weiterverarbeitung vorgesehen sind. Diese „Frischwarenabteilung“ befindet sich in Frankfurt, London, Amsterdam und Paris (zusammen als FLAP bezeichnet). Diese Art von Daten muss nahe an ihrem Verwendungsort aufbewahrt werden, weshalb ein Großteil der europäischen Datenverarbeitungsleistung über die Datenautobahnen in Nordeuropa bereitgestellt wird.

Dann gibt es in diesem Supermarkt die „Tiefkühlabteilung“. Hier können Daten gelagert werden, bei denen eine zeitliche Verzögerung bei der Überwindung von Distanzen (bekannt als Latenz) unproblematisch ist. Dies gilt zum Beispiel für Daten für die Langzeitlagerung oder das Hochleistungsrechnen (High-Performance-Computing HPC). Die „Tiefkühlabteilung“ muss sich nicht am Knotenpunkt der internationalen Dateninfrastruktur befinden, sondern kann dort platziert werden, wo die Umweltbedingungen optimal sind – beispielsweise im Umfeld erneuerbarer Energien. Mit dem Aufkommen neuer Technologien wie 5G und Edge Computing kann man davon ausgehen, dass die bestehenden Warenabteilungen ausgebaut werden und an vielen Standorten andere, kleinere „Frischwarenabteilungen“ auftauchen werden.

Da es bei Solar- und Windkraftanlagen immer wieder Unterbrechungen bei der Stromproduktion geben wird, sollten Datenzentren nicht dort angesiedelt sein, wo die Stromversorgung nicht rund um die Uhr zuverlässig garantiert werden kann. Die Versorgungssicherheit wird insbesondere in den Wintermonaten an denjenigen Standorten zum Problem, an denen Batterien und virtuelle Kraftwerke die Nachfrage moderner Gesellschaften nach Grundlast nicht befriedigen können. Eine bessere Lösung wäre es, so viele Daten wie möglich von der „Frischwarenabteilung“ in Kontinentaleuropa in die „Tiefkühlabteilung“ in den nordischen Ländern zu verlagern, wo eine stetige Versorgung mit erneuerbaren Energien die Rechenzentren rund um die Uhr in Betrieb halten kann.

Europas grüne Batterie

Norwegen ist zwar kein Mitglied der Europäischen Union (EU), gehört jedoch zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Das EWR-Abkommen umfasst die vier Freiheiten der EU: den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital im Binnenmarkt. Die Datenschutzverordnung der EU (DSGVO) wird in Norwegen umgesetzt und gilt dort genauso wie in der EU. Daher spielt es für einen Anbieter von Datenspeicherung keine Rolle, ob personenbezogene Daten, beispielsweise eines niederländischen Kunden, in einem Rechenzentrum in Frankreich oder in Norwegen lagern. Norwegens Reichtum an Wasserkraft macht das Land zu einer umweltfreundlichen Batterie für Europa, nicht nur im Hinblick auf die Stromexporte, sondern auch im Hinblick auf eine umweltfreundlichere Speicherung und Verarbeitung von Daten aus Europa.

https://www.theexplorer.no/de/stories/energie/immer-datenzentren-werden-aus-umweltgrunden-nach-norwegen-verlagert/

Über Astrid Dose

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Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes. Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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