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Hamburger Mieterinnen und Mieter profitieren von Solarstrom vom Dach
Während die Strompreise seit Jahren tendenziell steigen, startet in Hamburg-Lokstedt ein Projekt, das lokal erzeugten Solarstrom vom Dach für Mieterinnen und Mieter zugänglich macht: Anfang Juli 2026 wird das Mieterstromprojekt in der Wohnanlage Grandweg in Betrieb genommen. Das Projekt hat Vorzeige- und Modellcharakter, auch weil hier digitale Lösungen zum Einsatz kommen, die in der Praxis beispielhaft werden können.
Die Projektbeteiligten
Möglich wird das Projekt durch die enge Zusammenarbeit von drei Unternehmen: Der Bauverein der Elbgemeinden eG (BVE) bringt das Quartier ein, die Energiegenossenschaft Green Planet Energy eG realisiert und finanziert die Dach-Photovoltaikanlage und liefert Strom, während die Hamburger Energienetze GmbH als städtischer Netzbetreiber und grundzuständiger Messstellenbetreiber die digitale messtechnische Umsetzung ermöglicht.
Das Projekt
Auf den Dächern der Wohnanlage Grandweg 67–75 und 95 wurden insgesamt 476 Photovoltaikmodule installiert. Sie erzeugen künftig rund 181.000 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr. Der gesamte Stromverbrauch der Wohnanlage liegt bei rund 337.000 Kilowattstunden jährlich. Rechnerisch kann die Solaranlage damit mehr als die Hälfte des Strombedarfs im Quartier decken.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das vor allem stabilere und günstigere Energiekosten. Der Mieterstromtarif liegt rund 23 Prozent unter der örtlichen Grundversorgung, ausgehend von einem Jahresverbrauch von 2.000 Kilowattstunden. Die gesetzliche Vorgabe, wonach der Mieterstromtarif mindestens zehn Prozent unter dem Grundversorgungstarif liegen muss, wird damit übertroffen. Die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren nicht nur von günstigeren Strompreisen; sie werden auch unabhängiger von Preisschwankungen, beispielsweise in Zeiten von Energiekrisen. Zusätzlicher Strombedarf wird mit Ökostrom von Green Planet Energy gedeckt. Für den vor Ort erzeugten Solarstrom mussten die Mietenden nicht selbst investieren; die Finanzierung übernahm eine Tochtergesellschaft von Green Planet Energy.
„Mieterstrom ist die soziale Dimension der Energiewende“, sagt Nils Müller, Vorstand von Green Planet Energy. „Die Vorteile erneuerbarer Energien dürfen nicht nur Menschen mit Eigenheim vorbehalten bleiben. Projekte wie am Grandweg zeigen, dass lokale Versorgung, Klimaschutz und stabile Energiekosten zusammen funktionieren.“
Die Quartiersentwicklung
Die Wohnanlage am Grandweg entstand ursprünglich auf dem Gelände eines ehemaligen Sportplatzes und umfasst vier drei- bis viergeschossige Gebäuderiegel mit insgesamt 143 Wohnungen. Dachbegrünung, Carsharing-Angebote und E-Mobilität waren bereits Teil des nachhaltigen Quartierskonzepts des BVE. Der nächste Schritt lag deshalb nahe: Auch die Energieversorgung sollte stärker im Quartier verankert werden.
Mit der Idee, die Bewohnerinnen und Bewohner direkt mit Solarstrom vom Dach zu versorgen, wandte sich der BVE an Green Planet Energy. So entstand das Mieterstromprojekt am Grandweg. Die Umsetzung der Photovoltaikanlage erfolgte durch helloSun!, den hauseigenen Solarteursbetrieb von Green Planet Energy.
Axel Horn, Vorstand des BVE, ergänzt: „Mieterstromprojekte sind für uns ein wichtiges Differenzierungsmerkmal, weil unsere Mitglieder unmittelbar von günstigem und klimafreundlichem Solarstrom profitieren. Gleichzeitig investieren wir damit in eine resiliente lokale Energieinfrastruktur.“
Richtungsweisende digitale Messtechnik
Ein wichtiges Element im Mieterstromprojekt am Grandweg ist das digitale Messkonzept. Zum Einsatz kommt ein sogenannter virtueller Summenzähler; eine digitale Lösung für Mieterstrom in Mehrfamilienhäusern. Durch dieses Messkonzept erübrigt sich ein separater physischer Summenzähler und damit zusätzliches Gerät im Zählerschrank. Stattdessen werden die Messwerte der einzelnen Wohnungszähler digital zusammengeführt und bilanziert.
Der virtuelle Summenzähler ist ein cloudbasiertes Rechenprogramm, das kontinuierlich die Messwerte der Smart Meter der einzelnen Haushalte auswertet. Dieses Konzept vereinfacht die Umsetzung und schafft zugleich – durch individuelle Zugänge der Haushalte – optimale Transparenz für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Insbesondere bei größeren Gebäuden oder Quartieren mit vielen dezentralen Zählpunkten bietet es klare Vorteile: Weil nur wenig zusätzliche Messtechnik verbaut werden muss, lässt sich das System vergleichsweise kostengünstig einrichten. Auch der Installationsaufwand vor Ort bleibt dank geringer technischer Eingriffe in die bestehende Verkabelung überschaubar. So lässt sich das Solardach flexibel und schnell umsetzen und liefert dank digitaler Bereitstellung der Messwerte maximale Transparenz.
Messtechnisch ermöglicht und umgesetzt wurde das Projekt von der Hamburger Energienetze GmbH. Als grundzuständiger Messstellenbetreiber stattete sie die Wohneinheiten mit intelligenten Messsystemen, landläufig als Smart Meter bekannt, aus und schuf damit die Grundlage für die digitale Bilanzierung. Hierdurch erhält das Projekt am Grandweg Vorzeige- und Modellcharakter: Digitale Messkonzepte dieser Art sind für die urbane Energiewende zentral, in der Praxis bislang aber noch wenig verbreitet.
„Mit Mieterstrom und virtuellem Summenzähler bringen wir ein dezentrales Versorgungskonzept in die praktische Umsetzung und schaffen mit digitaler Technik die Voraussetzung dafür, dass lokal erzeugter Strom direkt vor Ort genutzt werden kann“, sagt Dr. Peter Wolffram, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze. „Als grundzuständiger Messstellenbetreiber leisten wir damit einen wichtigen Beitrag, um die Energiewende im urbanen Raum skalierbar und alltagstauglich zu machen.“
Weitere Projekte in der Pipeline
Die Projektpartner planen bereits weitere Vorhaben. Beispielsweise ist ein weiteres Mieterstromprojekt im Pergolenviertel in Hamburg-Winterhude geplant. Bei den Hamburger Energienetzen soll der virtuelle Summenzähler an mehreren Orten in Hamburg zum Einsatz kommen mit insgesamt über 1.000 Haushalten. Damit setzt Hamburg ein starkes Zeichen dafür, dass dezentrale Energieversorgung auch in komplexen urbanen Quartieren technisch umsetzbar ist, wenn Wohnungswirtschaft, Energieversorger und Netzbetreiber eng zusammenarbeiten.
Projektdaten im Überblick
- Standort: Grandweg 67–75 und 95, Hamburg-Lokstedt
- Projektpartner: Green Planet Energy eG, Bauverein der Elbgemeinden eG, Hamburger Energienetze GmbH
- Inbetriebnahme: 1. Juli 2026
- Wohneinheiten: 143
- PV-Module: 476
- Jahresstromerzeugung: ca. 181.000 kWh
- Stromverbrauch Kundenanlage: ca. 336.939 kWh
- CO₂-Einsparung: ca. 62 Tonnen pro Jahr
- Messkonzept: iMSys und virtueller Summenzähler
- Strompreis: 23 % unter Grundversorgung