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Editorial Wind/Wasserstoff März
Die Nachricht aus Berlin, dass Bundeswirtschaftsministerin Reiche mit zusätzlichem Ausschreibungsrunden in den nächsten Jahren mehr Windparks bauen lassen möchte – die in den letzten Jahren nicht gebaut werden konnten, da nicht ausreichend genehmigte Windparks an den Ausschreibungsrunden teilnehmen konnten – ist erfreulich. Aber die Diskussionen über die Regulatorik für Windenergie und andere Erneuerbare Energien führt auch vor Augen, dass eine Erhöhung des Ausschreibungsvolumen als Einzelmaßnahme zu kurz greift. Wenn gleichzeitig geplant wird, die Netzanschlussbedingungen für Windparks so zu ändern, dass sie das Recht auf Einspeisung und Vergütung des Stroms verlieren in Netzengpassgebieten, führt dies in diesen Regionen dazu, dass eine Finanzierung von Windparks schwieriger und somit teurer werden wird – vielleicht sogar unmöglich. Gleichzeitig muss noch in diesem Jahr das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine grundlegend neue Methodik erhalten, da die beihilferechtliche Genehmigung des EEG durch die EU nur bis Ende 2026 gültig ist. Im Moment muss die Branche daher dringend an die Bundesregierung appellieren, diese unterschiedlichen Regulatorikebenen, Ausschreibungen, Netzanschluss- und Vergütungsregelungen vernünftig und konsistent miteinander zu verzahnen – sonst ist nichts erreicht.
Auch bei der Offshore-Windenergie besteht großer und dringender Handlungsbedarf, da in 2025 die letzte Ausschreibungsrunde ohne Gebote blieb und im Januar die geplante Ausschreibungsrunde für 2026 ausgesetzt wurde. Von Seiten der Bundesregierung wurde eine Ausschreibung mit neuem Auktionsmechanismus aber erst für 2027 angekündigt – dies kommt aber aus Sicht der Branche deutlich zu spät, da währenddessen Investitionen und Investitionsentscheidungen ausgesetzt werden. Dänemark hat übrigens in wenigen Wochen ein neuer Auktionsmechanismus entwickelt, als im letzten Jahr dort ebenfalls eine Auktion ohne Gebote blieb.
Sowohl bei der Windenergie an Land als auf See besteht also dringenden Handlungsbedarf, weil ansonsten Dutzende Gigawatt an Windleistung nicht oder nicht rechtzeitig installiert werden. Dann fehlen damit sehr große und notwendige Stromkontingente die für die weitere Dekarbonisierung, z.B. in der Wasserstoffwirtschaft oder für direkte Elektrifizierung des Mobilitätssektors, Wärmeerzeugung oder der Industrie notwendig sind. Für den Stromsektor einseitig auf Gaskraftwerke zu setzen, führt über große Abhängigkeiten, Versorgungsprobleme und Preisrisiken hier in eine gewaltige und teure Sackgasse, wie die Sperrung der Meeresenge von Hormuz aktuell zeigt. Der Ausbau der „heimischen“ Windenergie kann der wichtigste Antrieb für eine wirklich effiziente Dekarbonisierung und eine signifikant resilientere deutsche Wirtschaft sein. Windenergie kann so viel mehr, wenn klug reguliert wird!