Details
Editorial Wind/Wasserstoff Juni
Die Nachricht, dass endlich wieder eine große Stromkonverterstation für Offshore-Windenergie in Deutschland gebaut werden soll, ist sehr erfreulich! Nachdem viele Plattformen, aus dem Europäischen oder auch asiatischen Raum importiert wurden, kann mit dem Gemeinschaftsauftrag von dem Netzbetreiber 50Hertz an der Neptun Werft in Rostock als Teil der Meyer-Werftgruppe, sowie des belgischen Stahlunternehmens Smulders und der Siemens AG, ein Großteil der zwei Milliarden Euro Wertschöpfung in Deutschland und Europa gehalten werden. Wobei die Elektrotechnik von der Siemens AG kommt. Und für den Standort der Neptun-Werft in Rostock ist es ein ausgesprochen wichtiger Einstieg im Offshore-Geschäft, was für die Zukunftssicherung des Standortes mit etwa 1.000 Arbeitsplätzen ungemein bedeutend ist.
Insofern handelt es sich um einen wirklich bedeutenden Schritt für die Deutsche Offshore-Windenergie. Aber: mit diesem und der angekündigten zweiten Konverterstation, soll ja Strom aus Offshore-Windparks an Land transportiert werden. Aktuell sind aber etwa 16 GW der in den vergangenen drei Jahren bezuschlagten Windparks, noch ohne finale Investitionsentscheidung. Erste Unternehmen haben angekündigt bezuschlagte Windparks nicht bauen zu wollen, da die Wirtschaftlichkeit aktuell durch Kostensteigerungen nicht gegeben ist. Und folgende Ausschreibungen nach dem Contract-for-Differences-Modell (CfD) hat die Bundesregierung erst für 2027 angekündigt. Dies bedeutet, dass aktuell Offshore-Windparks mit einem Wert von bis zu 50 Milliarden Euro nicht gebaut werden, weil das bisherige Auktionsdesign nicht mehr funktioniert.
Die 50 Milliarden sind alleine vergleichbar mit etwa 10 Prozent der 500 Milliarden Euro Sondervermögen, womit die Bundesregierung die Infrastruktur auf Vordermann bringen will und womit auch die Wirtschaft angekurbelt werden soll. Höchste Zeit also, dass die Bundesregierung sich für die Lösung dieses drängende Problem einsetzt! Offshore Wind kann einen wichtigen Beitrag zur künftigen Versorgung mit Grünstrom leisten. Es macht keinen Sinn wenn nur die Konverterstationen realisiert werden und dann die Windparks fehlen. Genauso wenig Sinn macht es, lange unklar zu lassen, ob für die 50 Milliarden Euro mögliche Investitionen in Offshore-Windparks, Lösungen entwickelt werden, oder ob die Flächen ggf. lange blockiert bleiben. Dann würden die Konverterstationen unausgelastet bleiben und die Grünstrommengen dann für die Klimaneutralität fehlen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, so dass die Windparks gebaut werden können!