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Editorial Wind/Wasserstoff

Editorial Wind/Wasserstoff
HH Media Server/Christian Brandes

Die Ausbauzahlen für Windenergie an Land und auf See wurden vor wenigen Tagen vorgelegt. Mit einem Brutto-Zubau von 2,4 Gigawatt lag die Installation für Windenergie an Land um etwa 7% höher als in der ersten Jahreshälfte des Jahres 2025. Eigentlich eine ermutigende Entwicklung, wenn nicht das politische Ausbauziel für Windenergie an Land in Deutschland für 2026 zehn GW betragen würde. Dieses Ziel scheint in sehr weiter Ferne zu bleiben, obwohl mittlerweile durch die Länder sehr viele Flächen für Windparks an Land ausgewiesen und auch viele Windparks bereits eine Genehmigung erhalten haben. Insgesamt führt der Kostendruck durch die Ausschreibungen von Windparks bei gleichzeitig stark gestiegenen Materialpreisen in den letzten Jahren zu einer Situation, die den Ausbau gerade erheblich erschwert.

Bei der Windenergie auf See wurde im ersten Halbjahr die installierte Leistung um 1.077 Megawatt auf 10,8 GW gesteigert. Hier wurde also die wichtige 10-GW-Zielmarke geknackt  – allerdings erheblich später als avisiert und auch mit einer Ausbauperspektive bis 2030 und über 2030 hinaus, die die Zielvorstellungen nicht annähernd erreichen kann. Für mehr als 17,5 GW bezuschlagte Offshore-Windflächen aus den Ausschreibungen von 2024 und 2025 wurden bisher noch keine finalen Investitionsentscheidungen getroffen. Es ist leider davon auszugehen, dass durch die großen Preissteigerungen während der langen Vorlaufzeiten der Projekte ein Bau unwahrscheinlich geworden ist, da die Unternehmen den Strom über Kaufverträge direkt auf dem Markt absetzen müssen. Bei den derzeitigen Bedingungen auf dem Strommarkt ist das herausfordernd, wenn gleichzeitig Wechselwirkungen mit dem geplanten Industriestrompreis zu erwarten sind.   Gegenwärtig bleiben diese bezuschlagten Flächen allerdings blockiert, da für die bietenden Unternehmen keine Rückgabemöglichkeit des Zuschlages vorgesehen ist. Die Offshore-Wind-Auktionen wurden konsequenterweise zum Jahresanfang ausgesetzt, da kein Bieterinteresse mehr vorhanden war.

Für die Entwicklung der Windenergie an Land und auf See sind wir also Mitte 2026 an einem kritischen Punkt angekommen: wie kann die Windenergie als Rückgrat der bisher erfolgten Energiewende wieder an Schwung gewinnen? Die bisher auf dem Tisch liegenden Entwürfe des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, das Netzpaket und auch die Überlegungen zum Windenergie-auf-See-Gesetz haben diese Frage bisher nicht überzeugend beantworten können. Ohne den geplanten Ausbau der Windenergie an Land und auf See werden länger und mehr fossile Kraftwerke im Einsatz sein, der geplante Kohleausstieg sich möglicherweise verschieben. Dadurch ist mit insgesamt deutlich weniger CO2-Emissionsminderung zu rechnen als geplant. Dadurch müssten erheblich mehr CO2-Emissionszertifikate nachgekauft werden im ETS-Zertifikatehandelssystem der EU. Auch die Zertifikate im ETS II- Zertifikatehandelssystem, das ab 2028 für kleinere Emittenten im Wärme- und Verkehrssektor eingeführt wird, könnten für Deutschland dadurch erheblich teurer werden als geplant. Es steht also sehr viel auf dem Spiel in der Energiegesetzgebung 2026. Der Zeitdruck ist dabei enorm, da die beihilferechtliche Genehmigung der EU des aktuellen EEGs zum Jahresende ausläuft. Nicht zuletzt sollten die insgesamt etwa 180.000 Arbeitsplätze in der Onshore- und Offshore-Windenergie dabei im derzeitigen, unruhigen gesamtwirtschaftlichen Fahrwasser auch eine wichtige Orientierung bieten.

 

Über Jan Rispens

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Seit Gründung in 2011 ist Jan Rispens, als gelernter Elektrotechnik-Ingenieur, Geschäftsführer der EEHH Clusteragentur und seit 20 Jahren aktiv im Bereich nachhaltige Energieversorgung und Klimaschutz.

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von Jan Rispens