Details

Editorial Wind/H2 Oktober

Editorial Wind/H2 Oktober
EEHH/Daniel Reinhardt

Innerhalb von vier Wochen fanden in Hamburg zwei für EEHH und für die Branchen extrem wichtige Messen statt: die WindEnergy Hamburg als globale Windleitmesse und die Hydrogen Technology World Expo (HTWE) als Europas führende Wasserstoffmesse. Für uns als EEHH sind die Messen aus mehreren Perspektiven sehr wichtig: um unsere Mitaussteller bei ihrer Messepräsenz optimal zu unterstützen, um Hamburg und die Metropolregion Hamburg als Top- Branchenstandort zu präsentieren und um auf den Messen auch die aktuelle Branchenlage zu ermitteln und quasi „einzuatmen“. Für beide Messen war unser eigenes Fazit positiv – aber die Branchenlage gebietet auch große Vorsicht.

Bei der Windenergie kann in Europa und global von einer gut aufgestellten Branche gesprochen werden: gute Ausbauzahlen für das erste Halbjahr, stabile Unternehmensentwicklungen und weiterhin innovative Produkte. Trotzdem ist extreme Vorsicht angesagt, da auf den größten Europäischen Markt – Deutschland - gerade, mit novelliertem Erneuerbare-Energien-Gesetz, Windenergie-auf-See-Gesetz und restriktiven Netzanschlussregeln große Herausforderungen zukommen könnten. Die geplanten Regelungen für Windenergie an Land und der Redispatch-Vorbehalt könnten die Kosten von Windprojekten extrem verteuern, um etwa 60%, und so viele Windparks ab 2027 unwirtschaftlich machen! Bei Offshore-Wind gibt es einen absoluten Stillstand in Deutschland; das novellierte WindSeeG soll eine umstrittene zweistufige Regelung für Ausschreibungen einführen, die die Branche ablehnt und europaweit einmalig wäre. Schlimmer jedoch ist, dass bis zu 16 GW seit 2023 bezuschlagte Offshore-Windparks aktuell nicht gebaut werden können, da die Kosten stark gestiegen sind. Eine Option zur Rückgabe ist nicht vorgesehen bisher, und daher droht bis Ende 2027 eine Hängepartie. Insofern ist die aktuelle Lage bei der Windenergie insgesamt in Deutschland sehr besorgniserregend.

Bei Wasserstoff zeigte die HTWE, dass nach der anfänglichen Euphorie zum Wasserstoffhochlauf und der anschließenden Ernüchterung im „Tal der Tränen“ der Markt jetzt einen schrittweisen Hochlauf erlangen wird. Bis Ende 2027 werden etliche geförderte Großprojekten in Betrieb genommen – in Hamburg das HHWIN-Wasserstoffnetz im Hafen, der 100-Megawatt-HGHH-Elektrolyseur am Standort Moorburg und die Anbindung an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz. Auch einige Import- und Versorgungsprojekte für die Schifffahrt sollen bis 2028 umgesetzt werden - die Grundlage für ein Wasserstoff-Ökosystem ist damit gelegt. Vorsichtiger Optimismus scheint angebracht!

Aber: für einen Wasserstoff-Hochlauf brauchen wir viel grünen Strom. Wo soll dieser herkommen, wenn der Ausbau der Windenergie auf See gerade stillsteht und die Windenergie an Land gerade abgewürgt statt ausgebaut wird? Trotz positiver Messestimmung ist also wirklich Vorsicht angesagt – insbesondere bei den beiden Gesetzesvorhaben im Bundestag. Da die Strompreise gerade durch die Merit-Order im Stromhandel schön parallel zum Erdgaspreis steigen, zum Schluss eine rein rhetorische Frage – ist es wirklich so klug, die Windenergie an Land und auf See gerade jetzt abzubremsen?

Über Jan Rispens

Profilbild zu: Jan Rispens

Seit Gründung in 2011 ist Jan Rispens, als gelernter Elektrotechnik-Ingenieur, Geschäftsführer der EEHH Clusteragentur und seit 20 Jahren aktiv im Bereich nachhaltige Energieversorgung und Klimaschutz.

Diesen Beitrag weiterempfehlen
von Jan Rispens