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Editorial März

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Nachdem Vertreter der Erneuerbare Energien über viele Jahre die unzureichende Bepreisung von CO2 innerhalb des EU-Zertifikate-Handels für CO2-Emissionen kritisiert haben, scheint sich das Rad jetzt zu drehen. Auch in der Pandemie, in der die Nachfrage nach Energie und anderen Rohstoffen durchaus zurückgegangen ist, und Deutschland sogar dank diesem Rückgang auch seine Klimaschutzziele für 2020 unerwartet noch erreicht hat, haben die Preise für CO2 die bisher unerreichte Höhe von aktuell über €40 pro Tonne erreicht. Wer hätte das in der Zeit von 2010 bis 2017 gedacht, als der Preis sehr lange zwischen etwa fünf und zehn Euro pro Tonne dümpelte?

Nach der Finanzkrise Ende 2008 konnte man nur feststellen, dass die Wirtschaft so stark eingebrochen war, dass viel zu viele Zertifikate für CO2-Emissionen nach Einführung des EU- Zertifikate-Handelssystem Anfang 2008 für Energieversorger- und Industrieanlagen verfügbar waren. So bildete sich fast ein Jahrzehnt ein CO2-Preis – aber eben ein sehr, sehr niedriger. Bis die EU sein Zertifikate-System in 2018 neu aufstellte und viele Zertifikate und damit ihre Verschmutzungsrechte dauerhaft vom Markt nahm. So bildete sich seit 2018 langsam, aber stetig einen Preis für CO2-Zertifikate um die €25 pro Tonne. Seit einigen Monaten kennt der Preis nur noch eine Richtung: nach oben. Das ist auch logisch, da die EU seine Klimaschutzziele für 2030 noch einmal schärfen will, um das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad möglichst zu erreichen.

Was lernen wir daraus? Erstens: dass der Markt für CO2-Verschmutzungsrechte eben doch auch gut funktionieren kann und einen ordentlichen Preis bildet, wenn nicht zu viele Zertifikate verteilt werden. Zweitens: dass es lange dauern kann, bis ein einmal falsch eingestellter Markt wieder korrigiert werden kann. Immerhin haben wir ein ganzes Jahrzehnt erlebt, in der der CO2-Zertifikatepreis kaum Lenkungswirkung entfalten konnte. Gut, dass es in dieser Zeit zumindest ein gut recht gut funktionierendes EEG in Deutschland gab und damit die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden konnten. &60;Bleibt jetzt nur noch die Frage, wie lange die Betreiber von Kohle- und Braunkohlekraftwerken ihre Anlagen noch betreiben wollen oder können. Bis 2038 etwa?

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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