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Editorial Januar

Editorial Januar
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Wir hoffen, dass der Start ins Jahr 2023 für Sie alle entspannt und erholsam war. Vielleicht haben Sie auch die Gelegenheit genutzt, das vorangegangene extreme Jahr – mit den großen Herausforderungen der Energieversorgung – Revue passieren zu lassen. Aktuell sieht es auf den Energiemärkten nach Entspannung aus; eine Gasmangellage erscheint für diesen Winter unwahrscheinlich, die Preise für Erdgas sind an den Großhandelsbörsen auf Vorkriegsniveau gesunken, die Strompreise folgen mit Verzögerung. Das alles war nur möglich, da die Bundesregierung in der Erdgasversorgung beherzt umgesteuert hat, und gleichzeitig Gesellschaft und Industrie massiv und anhaltend Energie gespart haben. Viele im Sommer präsentierte und befürchtete Alptraumszenarien sind nicht eingetreten. Für 2023 bedeutet dies, dass wir uns jetzt mit mehr Ruhe, Hoffnung und Ausdauer zwei wichtigen Zukunftsthemen widmen können – und müssen.

Prozesse für den Bau neuer Erzeugungsanlagen für Erneuerbare Energien, Backup-Systeme und Energieleitungen müssen massiv beschleunigt werden. Wenn der Bau eines Windparks an Land oder auf See weiterhin typischerweise fünf bis zehn Jahre dauert, werden wir die Ziele für die Erneuerbaren für 2030 garantiert im großen Stil verfehlen. Zur Beschleunigung hat die Bunderegierung eine Vielzahl von Initiativen entwickelt und Gesetzesvorlagen vorgelegt, die, wenn sie alle umgesetzt werden, in einer bedeutenden Beschleunigung münden werden. Gut so! Jetzt muss alles auch konsequent entschieden und schnell umgesetzt werden.

Der zweite Themenkomplex betrifft die absolut schwierige Arbeitsmarktlage im Energiebereich. Ohne gewerblich-technische Mitarbeiter*innen, Hochschulabsolvent*innen und erfahrene Mitarbeiter*innen aus anderen Sektoren wird der ambitionierte Ausbau von Wind- und Solarenergie, Wärmepumpen, Wasserstoffinfrastruktur oder Hochspannungsleitungen nicht annähernd im Zeitplan gelingen. Eine sechsstellige Zahl Arbeitnehmer*innen im Solar- und Windbereich ist in den vergangenen zehn Jahren verloren gegangen, da einige Teile der „Politik“ in Bund und Ländern Energiepolitik und Klimaschutz ohne Konsequenzen betreiben wollten. Dies hat viele interessierte Personen für diesen Teil des Arbeitsmarktes frustriert oder sogar abwandern lassen. Ändern wird sich dies erst wieder, wenn alle Akteure in Wirtschaft, Politik und Energieversorgung gemeinsam demonstrieren, dass es sich um eine Generationenaufgabe handelt, die konsequent angegangen wird. Lippenbekenntnisse sollten sofort entlarvt und nicht mehr toleriert werden.

Für alle die sich jetzt zum Jahresanfang schon auf neue Aufgaben in der Energieversorgung freuen: schauen Sie doch in die Stellenbörse auf unsere Website. Gleich 20 interessante Stellen in der Metropolregion erwarten Sie dort. Eine Garantie kann man dabei abgeben, denke ich: langweilig wird es in der Energieversorgung nie!

Über Jan Rispens

Profilbild zu: Jan Rispens

Seit Gründung in 2011 ist Jan Rispens, als gelernter Elektrotechnik-Ingenieur, Geschäftsführer der EEHH Clusteragentur und seit 20 Jahren aktiv im Bereich nachhaltige Energieversorgung und Klimaschutz.

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