Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur

Informationen - Cluster Erneuerbare Energien Hamburg Mehr Dekarbonisierung durch Rekommunalisierung – Die Wärme Hamburg GmbH (WHH) stellt sich vor

von Janina Grimm

Einblicke in die 9. Forumssitzung „Wärme“ des EEHH am 13. November 2019 in Hamburg

Die deutsche Energiewende setzte bisher maßgeblich auf die Dekarbonisierung des heimischen Stromsektors. Wenn Deutschland aber bis 2050 klimaneutral werden will, ist ein sektorenübergreifender Ansatz notwendig. Deswegen muss auch der Wärmesektor so umgestaltet werden, dass er so wenig wie möglich Energie verbraucht und am besten auch ohne den Einsatz fossiler Energieträger auskommt. Wie das zukünftig in einem führenden Industriestandort wie Hamburg gelingen soll, stand im Mittelpunkt der 9. Forumssitzung „Wärme“, die letzten Mittwoch, am 13. November 2019, in der GLS Bank stattfand.

Genauer ging es in der Veranstaltung um das von der Stadt Hamburg jüngst erworbene Fernwärmenetz und die strategische Ausrichtung der Wärme Hamburg GmbH (WHH). Zukünftig bietet sich die Möglichkeit eine Neustrukturierung des Sektors im Sinne der Verbraucher, des Klimaschutzes und der Energiewende. Kohlefrei, klimaneutral und modular soll Hamburgs Wärmeversorgung in Zukunft sein. Was das genau bedeutet, erklärten Christian Heine, kaufmännischer Geschäftsführer der WHH und Anselm Sprandel, Leiter des Hamburger Amtes für Energie und Klima (BUE).

Bei einem Marktanteil von 22 Prozent versorgt die WHH aktuell rund 494.000 Wohneinheiten der Hansestadt mit Fernwärme. Dabei soll es aber nicht bleiben. Herrn Heine zufolge berge das Geschäft mit der Fernwärme ein erhebliches Ausbaupotential. Der anhaltende Bauboom - getriggert durch den Urbanisierungstrend, der demographische Wandel und mögliche Abwrackprämien für fossil betriebene Heizungsanlagen würden es möglich machen. Für den kontinuierlichen Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes sei ein Finanzierungsprogramm mit einem Investitionsvolumen von ca. 200 Millionen Euro geplant. Darunter fallen große Projekte zum Anschluss von Kundenanlagen, zur Modernisierung bestehender Anlagen und zur zeitweiligen Ertüchtigung des Kohlekraftwerkes in Wedel bis zu seiner endgültigen Abschaltung in 2024/25.

Energiepark Hafen: so ersetzen wir Wedel

Im weiteren Verlauf seines Vortrags betonte WHH-Geschäftsführer Heine, dass neben einem klar definierten Ausbauziel für Versorgungsdichte und Infrastruktur von Fernwärme, die neue städtische Strategie ganz entschieden auf eine konsequente Dekarbonisierung des Sektors setze. Entsprechend sollen dafür etwa 550 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Bisher sei die Fernwärmeerzeugung in Hamburg von Kohlekraft dominiert gewesen. Nach der Abschaltung des Kohlekraftwerks Wedel werde ein signifikanter Anteil der Wärme durch das Projekt „Energiepark Hafen“ ersetzt. Somit könne die bisher ungenutzte Abwärme der am Hafen angesiedelten Industrie in einem Verbundsystem gesammelt zur Beheizung von Wohnräumen und Warmwasser verwendet werden. Zusätzlich sei der Bau einer hocheffizienten und flexiblen Gas-und-Dampf-Kombikraftwerksanlage (GuD) mit integrierter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), Power-to-Heat und Wärmespeicher vorgesehen. Für den Anschluss der neuen Wärmequellen beinhalte das Gesamtkonzept auch den Bau einer Wärmeleitung unter der Elbe.

Im Ergebnis hätte die Umsetzung eine CO2-Einsparung von 360.000 Tonnen im Jahr zur Folge. Darüber hinaus soll bis 2030 ähnlich wie bei Wedel auch das Heizkraftwerk Tiefstack so umgerüstet werden, dass es den Klimaschutzzielen der Stadt gerecht werde. On Top plane die WHH die Erforschung möglicher Wärmespeichertechnologien und anderer innovativer Lösungen zur engeren Verzahnung von erneuerbaren Energien mit dem hanseatischen Wärmesektor. Die Konstruktion einer Aquifer-Demonstrationsanlage, die eine saisonale Speicherung von überschüssiger klimaneutraler Abwärme im Sommer möglich machen soll, sei ein vielversprechendes Pilotprojekt.

Wärme Hamburg GmbH – ein Kernbaustein der städtischen Energie- und Klimaschutzstrategie

Wie die Wärme Hamburg GmbH in den größeren politischen Kontext eingebettet ist, erläuterte Herr Anselm Sprandel im Detail. Gerade werde im Senat ein neues Klimakonzept diskutiert, was aller Wahrscheinlichkeit nach noch ambitioniertere Mitigationsziele als zuvor mit sich bringen werde. Ohne ernsthafte Anstrengungen im Wärmesektor seien die Ziele nicht zu erreichen. Denn mehr als 50 Prozent der ausgestoßenen Emissionen in Hamburg würden auf die Industrie- und Nutzwärme entfallen.

Politisches Ringen zwischen zwei Koordinaten

Herrn Sprandel zufolge könne der CO2-Ausstoß im Wärmebereich über die Bespielung zweier Aktionsfelder gesenkt werden. Zusätzlich zur Einbindung erneuerbarer Energien seien Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung von Gebäuden erforderlich. Allerdings könne unter Einbeziehung des Wirtschaftlichkeitsaspekts weder beliebig viel gedämmt noch die gesamte Wärmeerzeugung von einem Tag auf den anderen auf erneuerbare Energien umgesattelt werden. Daher wies Herr Sprandel auf die Notwendigkeit hin, zwischen beiden Koordinaten auszutarieren.

Wo wir keine Netze haben, brauchen wir dezentrale Lösungen

Wie auch Herr Heine, äußerte sich Herr Sprandel positiv zur Fernwärme. Sie sei wirtschaftlich, energiesparend und hätte auch das Potential überwiegend CO2-frei bereitgestellt zu werden. Aktuell mache Fernwärme knappe 25 Prozent des Nutzwärmeverbrauchs in Hamburg aus. Diesen Anteil gelte es aufgrund seiner vielen Vorteile zu steigern. Wo Netze nicht geschaffen, oder weiter ausgebaut werden könnten, seien innovative Lösungen zur Dezentralisierung des Wärmesektors, z.B. durch Quartiersansätze, gefragt.

Autorin: Janina Grimm, Studentin EEHH

Zurück