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Sitzung in der AG Wohnungswirtschaft - Mieterstromkonzepte am Beispiel von Fürth und Hamburg
Am 24. Februar 2026 fand eine Sitzung im Forum Solar in der Arbeitsgruppe Wohnungswirtschaft zum Thema Mieterstrom statt.
Wir wollten uns dabei explizit die Erfolgsstory des Mieterstrom-Rollouts in der Stadt Fürth ansehen und zudem aber auch über umgesetzte Mieterstromprojekte in Hamburg berichten.
Nach einer Begrüßung durch EEHH begannen die drei, digital aus Fürth dazugeschalteten, Referenten, Rolf Perlhofer (WBG Fürth), Klaus Hecker (Infra Fürth GmbH), Clemens Bloß (EnergieAllianz Nord GmbH, Solarpark der Fürther Wohnungsbaugenossenschaften GmbH) mit dem ersten Vortrag. Rolf Perlhofer erläuterte in seinem Beitrag das Vorgehen der WBG beim PV-Ausbau. Insgesamt übersteigt die installierte PV-Kapazität seit Ende 2024 1 MWp. Allein 2024 wurden knapp 340 kWp zugebaut. Generell beschrieb Rolf Perlhofer einen sog. Paradigmenwechsel bei der energetischen Bewertung im Gebäudesektor. Dieser umfasst die Gesamtbetrachtung der THG-Minderung, im Gegensatz zur reinen Energieeinsparung durch energetische Sanierung („CO2-Effizien vor Energie-Effizienz“). Die WBG Fürth führt bei der Sanierung von Bestandsgebäuden in der Regel eine Erneuerung der Haustechnik mit Wärmepumpen und Vollbelegung der Dachflächen mit PV durch. Zudem mietet die WBG Fürth auch Dachflächen von anderen Eigentümern an, um diese mit PV belegen zu lassen. Im Anschluss erläuterte Klaus Hecker die Rolle der Infra Fürth als städtischem Energieversorger. Derzeit umfasst das Mieterstrom-Portfolio ca. 100 Mehrfamilienhäuser mit über 700 Kunden. Die Infra setzt dabei auf das Konzept der sog. Direktstrombelieferung, bei der der erzeugte PV-Strom von den (teilnehmenden) Mietern direkt genutzt wird und die Reststrombelieferung über dezentrale BHKW erfolgt, ohne dass das öffentliche Netz beansprucht wird. Daraus ergeben sich Preisvorteile von ca. 5ct/kWh für die Mieter. Die Beteiligungsquote in den einzelnen Immobilien liegt im Durchschnitt zwischen 60 und 70 Prozent, teilweise aber auch bei 90 bis 100 Prozent. Die sich ergebenden Vorteile liegen auf Seiten der Mieter im günstigeren Strom und insbesondere auch den Stromnebenkosten sowie der Unterstützung der lokalen Energiewende vor Ort. Aus Sicht der Wohnungswirtschaft in erster Linie in der Steigerung der Immobilienwerte sowie einer zukunftsfähigen unabhängigen Energieversorgung. Clemens Bloß ergänzte zu den Vorträgen von Rolf Perlhofer und Klaus Hecker die Rolle der EnergieAllianz Nord GmbH als Umsetzerin der PV-Projekte und hob hervor, dass die Erfolgsfaktoren u.a. in der Bündelung der Kompetenzen der unterschiedlichen Akteure, Wohnungswirtschaft, Energieversorger, Stadt und Solar-Unternehmen und deren jeweiligen Stärken liegt.
Im zweiten Vortrag ging Helen Lemm-Bannister von der PVI-GmbH auf eigene Erfahrungen im Bereich Mieterstrom ein und skizzierte die potenziellen Konzepte in diesem Bereich in Form von Allgemeinstromnutzung, Gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung und Vollversorgung mit Mieterstromzuschlag. Auch sie hob das Zusammenspiel von Akteuren mit unterschiedlichen Stärken und Kompetenzen als notwendigen Erfolgsfaktor für funktionierende Mieterstromprojekte hervor. Im Hinblick auf das Fürther Modell liegt der Vorteil insbesondere Im Kontext einer sektorübergreifenden integrierten Energiewende. Zudem ging Helen Lemm Bannister dann noch explizit auf das Thema Wärme ein. Hierbei erläuterte sie die Vorzüge von PV-Thermie-Modulen, die zu einer deutlichen Steigerung der Wirtschaftlichkeit führen können.
Im dritten und letzten Vortrag stellte Thomas Leidreiter, von der Bürgerenergie Nord, die Erfahrungen aus den zahlreichen, von BEN in Hamburg/ Schleswig-Holstein umgesetzten, Mieterstromprojekten vor. Er ging dabei sowohl auf die Erfolge als auch auf die Herausforderungen ein. Letztere liegen neben der teilweise unzureichenden Resonanz und Kooperation der auf VNB-Seite auch auf der teilweise noch zurückhaltenden Bereitschaft zur Partizipation bei den Mietern.
Nach den Vorträgen bestand für die Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen an die Referierenden zu stellen und miteinander zu diskutieren. Die Veranstaltung fand ihren Ausklang beim gemeinsamen networken mit Speisen und Getränken.