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Nachbericht 4. Sitzung Forum Sektorenkopplung

Nachbericht 4. Sitzung Forum Sektorenkopplung

Endlich Demand-Side-Management

Wer rechtlich auf der sicheren Seite sein möchte, hält sich bei seiner Arbeit an die Normen. Diesen einfachen Grundsatz lernen Ingenieurinnen und Ingenieure bereits im Studium. Was aber, wenn die anzuwendende Norm wichtigen praktischen Problemstellungen nicht gerecht wird?

Mit dieser Fragestellung begann Roman Fritsches-Baguhl (Averdung und Mitglied des Forum-Lenkungskreises) die 04. Sitzung des Forums Sektorenkopplung zur „Intelligenten Einbindung von Kleinstflexibilitäten“.  Im Konkreten Fall geht es um Anschlussleistungen und Gleichzeitigkeitsfaktoren für Wärmeerzeuger und Ladeinfrastrukturen, die im Planungsprozess zu berücksichtigen sind. In den zwei gezeigten Anwendungsfällen aus Wohnungsbau mit Gewerbenutzung und Forschungsgebäude ergeben sich hohe theoretische Leistungsbedarfe, die vom Stromnetzbetreiber vorzuhalten sind. In der Praxis werden diese Bedarfe nicht erreicht, dennoch entstehen Bauherren und Netzbetreibern Kosten für diese Überdimensionierung. Gerade in einer Metropole wie Hamburg summieren sich diese Leistungen schnell auf und beeinflussen die Netzplanungen. Eine bessere Alternative stellt das Demand-Side-Management dar.

Dieses könnte nun doch endlich relevant werden, wie Prof. Hans Schäfers (HAW und Leiter des CC4E) in seinem Impuls feststellt. Die systemische Notwendigkeit für Demand-Side-Management als Beitrag zur Glättung der Residuallast wurde bereits in zahlreichen Publikationen, teilweise älter als 10 Jahre, festgestellt. Die großen theoretischen Lastpotenziale im zweistelligen Gigawattbereich befinden sich mit Elektroautos und Wärmepumpen vor allem im Bereich der Haushalte. Von diesem Potenzial sind allerdings nur weniger als 10% realisierbar, wenn technische, wirtschaftliche und praktische Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Dass Demand-Side-Management bis dato keine Rolle gespielt hat, liegt vor allem in den regulatorischen Rahmenbedingungen begründet. Mit Änderungen bei der StromNEV am Anfang diesen Jahres und der am 27.11.2023 beschlossenen „Festlegung zur Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG“ haben hier wichtige Anpassungen stattgefunden, die ein Ausgangspunkt für mehr Demand-Side-Management sein können.

Ein konkretes Beispiel, wie Geschäftsmodelle mit Demand-Side-Management funktionieren können, zeigte Dr. Tim Dethlefs (EnergieDock) im letzten Vortrag des Abends. Im Projekt „Flexhafen“ (nähere Informationen im Interview mit EEHH) wurden Ladevorgänge von 12 Pilotkunden der Green Planet Energy gesteuert und kostentechnisch optimiert. Dazu verwendete EnergieDock die eigens entwickelte Plattform NEMO.spot. Die Netzbetreiber - im Projekt war die Stromnetz Hamburg als Verteilnetzbetreiber an Bord - können ebenfalls auf der Plattform agieren und Flexibilität beschaffen. Durch die Kaskadierung von Netzschutz und Märkten entstehen Synergien und Anreize für Endkunden für mehr Demand-Side-Management. Regulatorische Herausforderungen bestehen aber weiterhin. Gleichermaßen ist der zu langsame Roll-Out der Smart-Meter nach wie vor ein Hemmnis.

Im Anschluss an die Vorträge wurde bei Essen und Getränken weiter diskutiert und genetzwerkt. EEHH dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Forums Sektorenkopplung aus 2023 und freut sich auf das kommende Jahr.

Über Steffen Bechtel

Profilbild zu: Steffen Bechtel

Im Cluster EEHH bin ich seit Februar 2022 für die Themenbereiche Sektorenkopplung und erneuerbare Wärme zuständig. Ich bin Ingenieur mit dem Schwerpunkt Energietechnik und arbeite mit großer Freude daran, die Energiewende in Hamburg voranzubringen.