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Nachbericht 2. Sitzung Forum Sektorenkopplung

Nachbericht 2. Sitzung Forum Sektorenkopplung

Anwendungsfälle der Digitalisierung in der Energiewende

Am 05. Juli traf sich das Forum Sektorenkopplung in der Speicherstadt zu seiner zweiten Sitzung. Eröffnet wurde die Sitzung von Forenleiter Dr. Steffen Bechtel und Lenkungskreismitglied Onnen Heitmann (Leiter IKT, Hamburger Energiewerke), der seine Digitalisierungs-Expertise in das Forum einbringt. Gekoppelte Sektoren müssen kommunizieren, um optimal aufeinander abgestimmt zu sein. Das gilt auch für den Bau und Betrieb von Infrastrukturen, die das Rückgrat der Energiewende bilden. Es ist daher folgerichtig sich im Forum Sektorenkopplung mit Digitalisierungsthemen zu befassen.

Malte Hentschel präsentierte im ersten Vortrag den Einsatz von „Augmented Reality“ zur Wartung von Energieinfrastrukturen der Gasnetz Hamburg. Im konkreten Fall sollen Monteure bei der Wartung von Gasdruckregelanlagen unterstützt werden. Die Nutzung der AR-Brille bietet diverse Vorteile. Techniker haben nicht nur beide Hände frei, sondern können sich bei Ausbau- und Einbauarbeiten auch das Zielmodell des Bauteils anzeigen lassen. Die digitale Akte der jeweiligen Gasdruckregelanlage ersetzt lange und unübersichtliche Excel-Tabellen und kann ggf. mit Spracherkennung ausgefüllt werden. Über einen QR-Code sind Akten und Anlagen eindeutig einander zugeordnet. Die Funktion der Brille demonstrierte Miro Engels (ebenfalls Gasnetz Hamburg), dessen „Perspektive“ mittels eines Livestreams für alle Teilnehmenden erlebbar war. Die Funktionsweise lässt sich schnell erlernen, allerdings kann die längere Benutzung einen kurzzeitig vergessen lassen, dass sich reale Objekte im Vergleich zu digitalen nicht beliebig im Blickfeld ablegen lassen. Hier gilt dann doch das Prinzip der Schwerkraft. Die AR-Brillen möchte Gasnetz Hamburg als nächstes in einem Langzeitfeldtest erproben.

Im zweiten Vortrag zeigten Dr. Claudius Noack und Sebastian Gretenkort (Lufthansa Industry Solutions) eine mögliche Anwendung von 5g-Campusnetzen. Eine exklusive 5g Frequenz kann bei der Bundesnetzagentur beantragt werden, bietet den Vorteil einer individuellen Konfiguration und hat eine bessere, überlagerungsfreie Datenübertragung. Die Lufthansa verwendet ein 5g-Campusnetz in ihrer Turbinenwartungshalle, für deren 8.000 m² Fläche bereits zwei kleine Antennen ausreichen. Ingenieure können die Flugzeugturbinen dank einer stabilen „Liveübertragung“ aus der Ferne warten. Das 5g-Netz ermöglicht eine gute Bildqualität, die für die Erkennung kleinster Schäden notwendig ist. Das Konzept wurde in der Corona-Pandemie eingeführt und hat sich bewährt, so dass weitere Teile des Firmengeländes mit einem Netz ausgestattet werden.

Der letzte Vortrag von Bendic Ritt demonstrierte die wichtige Rolle der Digitalisierung im Projekt „UW2030“ der Stromnetz Hamburg. Im Rahmen des Projektes soll ein Standard für eigene digitalisierte Umspannwerke entwickelt werden, der Prototyp wird am Standort Bramfeld stehen und soll Ende 2024 fertiggestellt sein. Anstelle von 2D oder 3D Modellen, soll das Umspannwerk als digitaler Zwilling modelliert werden. Auf diese Weise lassen sich Informationen, Dokumente und Funktionen im Modell hinterlegen. Betrieb und Wartung wird auf diese Weise signifikant vereinfacht.

In einer sehr angenehmen Atmosphäre konnten die Fragen der Teilnehmenden bereits während den Vorträgen gestellt und beantwortet werden. In der abschließenden Diskussion wurden ChatGPT in Unternehmensprozessen, Use-Cases von AI sowie der Einsatz von Robotern und Drohnen als weitere Themen identifiziert, die für die Energiebranche und das Forum Sektorenkopplung interessant sein können.

Über Steffen Bechtel

Profilbild zu: Steffen Bechtel

Im Cluster EEHH bin ich seit Februar 2022 für die Themenbereiche Sektorenkopplung und erneuerbare Wärme zuständig. Ich bin Ingenieur mit dem Schwerpunkt Energietechnik und arbeite mit großer Freude daran, die Energiewende in Hamburg voranzubringen.