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Rückblick 3. Forum „Transatlantische erneuerbare Kooperation“

Rückblick 3. Forum „Transatlantische erneuerbare Kooperation“
Podiumsdiskussion über Auswirkungen von IRA auf deutsche Investitionen in den USA

Die USA verfolgen ambitionierte Klimaziele: Reduzierung von Treibhausgasemissionen um 50 bis 52% unter das Niveau von 2005 bis 2030 und Net-Zero bis 2050. Dabei spielen erneuerbare Energien eine entscheidende Rolle. Die US-Regierung hat Potenziale und Vorteile für den Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft erkannt. Sie führte den milliardenschweren Inflation Reduction Act (IRA) ein, um gezielt Investitionen und Innovationen in der Erneuerbare-Energien-Branche zu fördern.

Unter dem Motto „Facilitating Transatlantic Renewable Energy Cooperation” fand das dritte Forum Internationales am 10. Oktober 2023 in Kooperation mit dem Hamburger US-Generalkonsulat statt. Die Veranstaltung widmete sich dem Status Quo der Offshore-Wind- und Wasserstoffindustrie in den USA. Zu Beginn hob US-Generalkonsul Jason Chue das große Potenzial transatlantischer erneuerbarer Kooperationen hervor.

John Begala, Vice President Federal & State Policy Business Network for Offshore Wind, machte deutlich, dass ein schneller Aufbau der gesamten Wertschöpfungskette vom Offshore-Wind für die Erreichung des Ausbauziels 30GW bis 2030 notwendig sei. Konkret: 2.100 Turbinen/Foundations, 6.300 Rotorblättern und 7.100 Meilen Kabeln sowie Verfügbarkeit von 12.300 - 49.000 erfahrenen Arbeitskräften. Europäische Unternehmen sind bereits in den US-Offshore-Markt eingetreten, kämpfen aber mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie hoher Inflation.

Genevieve Saur, Researcher Mechanical Engineering National Renewable Energy Laboratory, betonte die große politische Unterstützung für die Wasserstoffwirtschaft: Das Bipartisan Infrastructure Law sieht 9.5 Mrd. US-Dollar für den Ausbau der Clean Hydrogen Industry in den US vor, davon 8 Mrd. für den Aufbau von 6-10 Regional Clean Hydrogen Hubs. Der Inflation Reduction Act fördert in Form von Steuervergünstigungen beispielsweise bis zu 3€/KG die Produktion von Clean Hydrogen. Landesweit wurden zahlreiche Projekte entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette geplant und damit wären die für 2030 anvisierte Produktions- und Nutzungskapazität von 10 MMTpa realisierbar. Die Produktion vom Ammoniak und nachhaltigen Fuels und Biofuels werden als Schlüssel-Anwendungsfelder von Wasserstoff angesehen.

Im Juni 2023 hat das U.S. Department of Energy die U.S. National Clean Hydrogen Strategy and Roadmap vorgestellt. Im Vordergrund stehen die Senkung der Kosten und die Produktion von Clean Hydrogen sowie die Einrichtung von regionalen Wasserstoff-Knotenpunkten. Hauptziele: Produktion von 5 Mio. Tonnen Clean Hydrogen bis 2030 und die Kosten für die Produktion von Clean Hydrogen durch Elektrolyse sollen 2 US-Dollar/KG bis 2026 und 1 US-Dollar/KG bis 2031 betragen.

Die öffentliche Förderung, insbesondere IRA, versteht sich als ein wirksames Instrument zur Beschleunigung und Unterstützung vom Aufbau der Clean Energy Industry und wurde seit seiner Verabschiedung in der EU und Deutschland kontrovers diskutiert. Das anschließende Panel beleuchtete seine Auswirkungen auf deutsche Investitionen in den USA. An der Diskussion nahmen Bastian Stenzel (adelphi), Prof. Dr. Martin Skiba (World Forum Offshore Wind) und Christof Gränitz (Hydac New Technologies) teil. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Austausch waren:

  • Allein bei Offshore-Wind wird die theoretisch kalkulierte Leistung auf mehr als 4.000 GW geschätzt. Im Vergleich zum Potenzial in Europa: ca. 300GW bis 2030. Das gigantische erneuerbare Potenzial sorgt für beste Bedingungen für die Produktion von grünem Wasserstoff in den US.

 

  • Anders als in der EU und Deutschland, wo Wasserstoff je nach Art und Technologie der Herstellung in verschiedenen Farben kategorisiert wird und „grüner“ Wasserstoff erklärtes Ziel ist, verwendet das U.S Department of Energy den Begriff „Clean Hydrogen“. Das Kriterium Clean Hydrogen wird erfüllt, wenn die Kohlenstoffintensität des Wasserstoffs pro Kilo am Produktionsstandort höchstens 2 KG Kohlendioxide beträgt. Darunter fielen im europäischen und deutschen Kontext neben grünem Wasserstoff blauer, (Dampfreformierung von Erdgas und Carbon-Capture and Storage Technology), türkiser (Methanpyrolyse) und magentafarbener Wasserstoff (Nuklearenergie).

 

  • Der IRA ist ein auf den Auf- und Ausbau von Infrastruktur ausgerichtetes Zehn-Jahres-Wirtschaftsprogramm. Im Vergleich zu bestehenden EU-Fördermechanismen wie dem Net-Zero-Industry-Act bietet der IRA den Investoren eine bessere Transparenz und Planbarkeit bei erneuerbaren Vorhaben. Als Beispiel: 2022 können Onshore-Projektentwickler im Vorfeld der Finanzierungs-/Kostenkalkulation jede erzeugte MWh Strom 22,4 US-Dollar in Form von Tax Credits mit einberechnen. Bei der Einhaltung von „Domestic-Content-Bestimmungen und -Boni“ erhöht sich die Förderung um zusätzlich 10%.

 

  • Der IRA als ein einfach und effizient ausgestaltetes Förderprogramm wird langfristig eine positive und stabilisierende Auswirkung auf die US-Klimaschutzpolitik haben und die Investitionssicherheit für die Herstellung und den Zubau von energiewenderelevanten Technologien (z.B. Erneuerbare Energien, Wasserstoff) in den USA erhöhen. Allerdings erwarten Experten keine massive Verschiebung von Investitionsentscheidungen zugunsten des US-Marktes. Aufgrund von aktuell verbesserten Rahmenbedingungen und ambitionierten Ausbauzielen bleibt der europäische und deutsche Markt attraktiv.

 

  • Für den Wasserstoffsektor kann der IRA einen positiven und schnellen Wachstumseffekt auslösen. Dies dürfte für europäische und deutsche Unternehmen lukrativ sein. Deutsche Unternehmen sind derzeit mit 30 - 40% Marktanteil Weltmarktführer im Bereich Wasserstoff- und Elektrolyseurtechnologien. Andererseits muss Deutschland bis zu 70% seiner benötigten Wasserstoffmenge importieren. In dieser Hinsicht können sich Deutschland und die USA gegenseitig unterstützen und ergänzen.

 

  • Die heutige Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und den USA befindet sich in einer ähnlichen Entwicklungsstufe wie die deutsche Offshore-Windindustrie vor etwa 25 Jahren. Eine starke Anschubfinanzierung aus öffentlicher Hand kann dem Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft helfen und Vertrauen für Investoren schaffen.

Über Jingkai Shi

Profilbild zu: Jingkai Shi

Hamburg ist die Modellregion der Energiewende und deutsche Windhauptstadt mit Verbindungen in die ganze Welt. Die lokale Erneuerbare Energien-Branche ist damit ein zentraler Partner für die internationale Energiewirtschaft. Als Ansprechpartner für internationale Kooperation im Bereich Erneuerbare Energien betreue ich die Beziehung des EEHH-Clusters zu internationalen Branchenetzwerken, unterstütze die EEHH-Mitglieder bei ihren Auslandsaktivitäten und trage mit Social-Media-Aktivitäten zu einer stärkeren Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Hamburg auf der Weltbühne bei.