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Nachbericht 37. Sitzung Forum Finanzierung & Recht

Nachbericht 37. Sitzung Forum Finanzierung
EEHH

Unter dem Titel "Co-located Großbatteriespeicher aus rechtlicher und wirtschaftlicher Perspektive" fand am 6. Mai 2026 eine gemeinsame Sitzung des 37. Forums Finanzierung & Recht und des 2. Forums Batterie und Speichertechnologien in den Räumlichkeiten der GLS-Bank statt. Rund 50 Personen nahmen an der Veranstaltung teil.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Grah, GLS-Bank gab Herr Constantin Lange, EEHH einen kurzen Rückblick über die bei der Gründungsveranstaltung des Forums Batterie und Speichertechnologien erörterten Ziele, Rollen und Wünsche und stellte eine neue Mitarbeiterin der Clusteragentur Antonina Krüger vor. Frau Krüger übernimmt seit Mai 2026 die Projektleitung Sektorenkopplung und Erneuerbare Wärme bei EEHH.  

Im ersten Impuls-Vortrag präsentierte Prof. Thorsten Struckmann (HAW Hamburg) die aktuelle wissenschaftliche Entwicklung von tubulärer Redox-Flow-Batteriezellen (RFB). Dabei ging es um vielversprechende Anwendungspotentiale der Technologie für den wachsenden Langzeitspeicherbedarf (LDES, >8h) im Zuge der Energiewende sowie derzeitige technologische Einschränkungen, wie hohe Produktionskosten, Markverfügbarkeit von Vanadium und Nachhaltigkeitsfragen (Schwermetall-Elektrolyt, PFAS-Membranen). Das vom BMFTR geförderte Forschungsprojekt TuRoX (2023–2026) verfolgt daher einen neuartigen Ansatz: tubuläre Zellgeometrien sollen durch Extrusions-Fertigung, geringere Dichtlängen und reduzierten Materialeinsatz die Produktionskosten senken und die Skalierbarkeit verbessern – ergänzt durch die Erforschung organischer Alternativelektrolyte als nachhaltigere und kostengünstigere Option gegenüber Vanadium.

Im zweiten Vortrag erläuterte Frau Celia Renz von Anwaltskanzlei Chatham Partners die rechtlichen Aspekte bei Co-located Großbatteriespeichern (BESS) – also Batteriespeicher, die gemeinsam mit Erneuerbare-Energien-Anlagen betrieben werden. Obwohl politischer und gesetzlicher Rückenwind vorhanden ist (z.B. Privilegierung im Außenbereich nach § 35 BauGB, beschleunigter Ausbau von Energiespeicheranlagen als vorrangiger Belang nach §11c EnWG, Netzentgeltbefreiung nach § 118 EnWG, usw.), bestehen in der Praxis erhebliche Hürden: rechtliche Unsicherheiten bei der Netzentgeltbefreiung, ein stockender Netzausbau sowie widersprüchliche politische Signale. Grundlegend fehlt zudem eine gesetzlich verankerte Definition des Begriffs „co-located Batteriespeicher", was zu Auslegungsproblemen bei Genehmigung und Betrieb führt.
Besonders im Fokus stehen drei Themenbereiche:  

  1. Die baurechtliche Genehmigung im Außenbereich, wo trotz der neuen Privilegierungsnorm offene Fragen zu Betriebsweise, Kapazitätsgrenzen und räumlichem Zusammenhang verbleiben.
  2. Der Netzanschluss, bei dem das bisherige „Windhundprinzip" durch ein neues Reifegradverfahren der Übertragungsnetzbetreiber (seit April 2026) abgelöst wird und Flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCA) die bessere Auslastung vorhandener Kapazitäten ermöglichen sollen.
  3. Die Regulierung von Multi-Use-Speichern, die künftig durch die erwartete MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur (voraussichtlich Ende Juni 2026) attraktiver werden könnten. Das geplante Netzpaket soll weitere Verbesserungen bringen, wird jedoch von Teilen der Branche als noch unzureichend kritisiert.

Im dritten Teil des Forums gingen Dr. Jannic Horne und Henrik Amelung von der Firma ENERTRAG SE auf Business-Modelle und die Wirtschaftlichkeit bei Co-located Großbatteriespeichern ein. Dabei stellten sie zunächst das Enertrag-Konzept sog. Verbundkraftwerke vor, bei dem EE-Anlagen von unterschiedlichen Standorten Überschussstrom sowohl in Batteriespeichern als auch Elektrolyseanlagen zur H2 Produktion speichern bzw. nutzen und bei Bedarf Strom direkt in das Übertragungsnetz   einspeisen. Zudem kann der erzeugte Wasserstoff perspektivisch in das H2-Kernnetz eingespeist werden. Das Enertrag Verbundkraftwerk Uckermark verfügt z.B. über 800 MW aus Windenergieanlagen, 21 MW aus Solaranlagen 22 MW / 34 MWh BESS (+200 MW BESS in Entwicklung) 600 kW Elektrolyse (+ 130 MW Elektrolyse in Entwicklung), > 600 km eigener Übertragungsleitungen und 1.000 m3 Windwärmespeicher.
Zudem entwickelt Enertrag Grün- und Graustrom-BESS in Co-Location, um Verbundkraftwerke weiter zu unterstützen. Ein geplantes Grünstrom-BESS+PV-Projekt umfasst einen Batteriespeicher mit eine PV-Anlage. Eine Realisierung wird noch für Q2 2026 angestrebt. Herr Horne machte in seinem Vortrag deutlich, dass unter der gegenwärtig bestehenden Regulatorik und insbesondere dem lukrativen Arbitragegeschäft die Wirtschaftlichkeit von Graustrom-BESS noch signifikant höher liegt, als bei reinen Grünstrom-BESS. Enertrag plant derzeit mehrere Co-located-Graustrom-BESS-Projekte u.a. mit einem großen Batteriespeicher im dreistelligen MW-Bereich. Das Businessmodell basiert hier neben Stromvermarktung aus auf der Bereitstellung von Regelenergie für den Netzbetrieb. Die größten Herausforderungen liegen heute im Bereich der regulatorischen Komplexität und Unsicherheit z.B. im Hinblick auf das anstehende Netzpaket.

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen in einer von Felix Dinger, DNV, moderierten Q&A-Runde an die Referierenden zu stellen. Die Veranstaltung klang dann beim gemeinsamen Networking mit Speisen und Getränken aus.

Über Constantin Lange

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Beim Cluster bin ich für den Bereich Forschung und Innovation zuständig und bin damit die Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft. Meine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Wind – und Solarenergie sowie im Themenfeld Wärme. Über unsere Fachforen und verschiedene Veranstaltungsformate verantworte ich u.a. direkte Informations- und Diskussionsformate für unsere Mitgliedsunternehmen.