HOW 2020

Zusammenfassung 17. Hamburg Offshore Wind Conference HOW 2020

DNV GL
DNV GL

Die Corona-Krise als Chance, ein Ausblick auf die EU Politik für Offshore-Windenergie und der Durchbruch für Floating Turbines – das war die HOW 2020

Jan Rispens, EEHH-Geschäftsführer, und Mathias Steck, Managing Director Renewables Advisory Germany, DNV GL – Energy, leiteten die Beiträge zur 17. HOW mit Grußworten ein. Dabei wiesen sie auf die Meilensteine für die Offshore Industrie im Jahr 2020 hin:

  1. Offshore-Windenergie wird neben dem etablierten Europäischen Markt einen schnellen globalen Zuwachs erfahren – besonders in den USA und in einigen asiatischen Märkten
  2. Sehr große Windkraftanlagen mit 10 MW und mehr Leistung werden am Markt verfügbar
  3. Schwimmende Windkraftanlagen (Floating Offshore Wind) werden ein größeres Thema und erschliessen wichtige Märke
  4. Die Bundesregierung hat erklärt, dass die 15 Gigawatt Ausbausperre auf 20 GW angehoben wird – hierfür muss nun dringend die gesetzliche Umsetzung erreicht werden

An diesen Einstieg knüpfte Gunnar Groebler, CEO Vattenfall Wind Europe/Präsident des Verbandes WindEurope an mit seinem Beitrag zur aktuellen Lage der Offshore-Industrie in Deutschland und Europa.

Zunächst sprach der Geschäftsführer über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Branche. Er mahnte, dass Kontinuität wichtig beim Ausbau sei – auch während der Krise. Die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Probleme dürften uns nicht von der globalen Klimakrise ablenken. Der Ausbau einer in großem Umfang erneuerbaren Energieversorgung müsse weiter vorangetrieben werden, das Tempo sogar anziehen. Das EU-weite Post-Covid-19-Programm müsse die Rolle der Offshore-Windindustrie als Rückgrat einer weitgehend dekarbonisierten europäischen Wirtschaft anerkennen, fordert Groebler. So könne die aktuelle Krise eine Chance sein, die grüne Wirtschaft zu fördern und zukunftsorientierte, makroökonomische politische Entscheidungen zu treffen. Weiter ging Groebler auf die EU-Politik für Offshore-Windenergie ein: 2020 sei ein entscheidendes Jahr für die Entwicklung und das Wachstum der Branche in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts und über 2030 hinaus. Um gemäß des „European Green Deals“ die Kapazitäten im Offshore-Bereich von derzeit 20 GW auf 450 GW in europäischen Gewässern bis 2050 zu steigern, müsse die maritime Raumplanung oberste Priorität bekommen. Dazu müsse die jährliche deutsche Ausbaurate in Nord- und Ostsee auf zwei bis drei Gigawatt anwachsen, damit der deutsche Anteil die notwendigen 40–50 GW erreichen könne. Das Gelingen dieser Kapazitätsvergrößerung hänge zudem entscheidend vom Mitwachsen des Offshore-Übertragungsnetzes ab. Hier müssten die Koordination und Kooperation der nationalen Regierungen besser funktionieren. Große Erwartungen gebe es demnach hinsichtlich der „EU Offshore Wind Strategy“, die die Europäische Kommission dem Green Deals dieses Jahr folgen lassen wolle.

Auf nationaler Ebene müssten angemessene Rahmenbedingungen für den Ausbau der Offshore-Windbranche in Deutschland geschaffen werden. Dazu gehöre die Verankerung des Ausbauziels von 20 GW im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Da der Ausbau der Produktionskapazitäten von grünem Wasserstoff eine entscheidende Säule bei der Dekarbonisierung der europäischen Industrie und des Transportsektors sein werde, müsse man bei der nationalen Wasserstoff-Strategie einen stärkeren Fokus auf die Offshore-Windbranche legen.

Um Investitionssicherheit für die Entwickler von Offshore-Windenergie zu gewährleisten, solle man sich am Contract for Difference-Modell orientieren, wie es insbesondere UK seit Langem und einige Nachbarländer seit Neuestem praktizierten. Zuletzt müsse die deutsche Regierung ihre Politik zu Offshore-Windenergie nicht nur als Umwelt-, sondern auch als Wirtschafts- und Sozialpolitik verstehen. Die Wertschöpfungskette der Branche könne eine Lösung für viele Regionen im strukturellen Wandel darstellen und bietet viele Arbeitsplätze.

Den zweiten Beitrag lieferte Henrik Stiesdal, Gründer von Stiesdal A/S zum Thema „Floating Wind Turbines“. Er analysierte die Entwicklung der heute boomenden Branche, die hohes Potential besitze, Europas Strombedarf um ein Vielfaches zu decken. Mithilfe technischer Entwicklungen habe man es geschafft, die durchschnittlichen Auslastung der Parks in den vergangenen 30 Jahren auf über 4.000 Vollaststunden zu verdoppeln. Offshore-Windkraftanlagen hätten sich in den letzten Jahren zu einer wettbewerbsfähigen Energiequelle gewandelt. Als einen der Hauptgründe für den Erfolg der Branche macht Stiesdal ihre Industrialisierung aus, wobei die Komponenten heute viel effektiver produziert und montiert werden könnten.
Die Einsatzmöglichkeiten für Offshore-Windkraftanlagen seien durch die Bodenverankerungen jedoch global begrenzt. Die flache Nordsee sei eine Ausnahme; die meisten Länder haben vor ihren Küsten tiefere Gewässer, ungeeignet für feste Fundamente.

Schwimmende Windkraftanlagen seien die Lösung mit verschiedenen Vorteilen: Vorher nicht nutzbare Gewässer könnten nun für Offshore-Windkraft erschlossen werden und der potenzielle Markt wachse. Eine einzige Schwimmerkonstruktion reiche für alle Anlagen in einem Projekt/Windpark – es müssen keine individuellen Standorte oder Tiefen berücksichtigt werden. Dies begünstige die Massenproduktion. Zudem schone dies den Meeresboden und die Anlagen seien weniger anfällig für Erdbeben. Die Größe der Turbinen würde von den Schwimmern nicht beschränkt werden – dort sollen die gleichen Leistungsgrößen zum Einsatz kommen wie bei den fest verankerten. Der bisher größte Nachteil dieser Bauform seien die hohen Kosten durch die bisher mangelnde Industrialisierung der Produktion. Der Schlüssel zu günstiger Produktion sei die Fertigung in Fabriken, wie es Branchen wie die Photovoltaik bereits gezeigt hätten, wobei die Einzelteile der Schwimmerkonstruktion weitestgehend standardisiert werden und ihre Dimension sich an der Größe des größten Turmsegmentes und an der Länge des Rotorblattes orientieren.

Stiesdal schließt mit der Einschätzung, dass schwimmende Windkraftanlagen die Antwort auf die Herausforderungen bei der Energieversorgung in vielen Teilen der Erde seien. Sie vergrößerten sowohl den Markt als auch die insgesamt produzierbare Strommenge – so könnte statt des 1,5-fachen mit konventionellen Anlagen das 10-fache des weltweiten Strombedarfes auf diese Weise produziert werden. Ein Pilotprojekt mit Shell, RWE/Innogy und Siemens Gamesa laufe bereits vielversprechend. Im Sommer wird der Schwimmer konstruiert werden, und die Verschleppung zum Testbetrieb soll noch in diesem Jahr stattfinden. Die Pandemie könne diesen Zeitplan allerdings verzögern.

Maßgeblich ist das gesprochene Wort der Beiträge.

Für weitere Informationen stehen Ihnen ein Interview mit Jan Rispens in Energie & Management sowie eine Sonderausgabe des Magazins zur HOW 2020 zur Verfügung.

HOW-2020-Videos

Die beiden Videos mit Gunnar Groebler, Vattenfall, und Henrik Stiesdal finden Sie in der EEHH-Video-Datenbank.