Prof. Dr. Werner Beba (HAW Hamburg)

„Wir wollen den nächsten Schritt der Energiewende gehen“

von Astrid Dose, 
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Prof. Dr. Werner Beba im Interview über das Norddeutsche Reallabor

Das Nachfolgekonsortium von NEW 4.0 um Prof. Dr. Werner Beba, HAW Hamburg, hat den Zuschlag für das Stellen eines Vollantrages für ein Reallabor der Energiewende erhalten. Im folgenden Interview erläutert Prof. Beba Ziele und Themen des neuen Verbundprojektes.

Prof. Dr. Werner Beba (HAW Hamburg)
Prof. Dr. Werner Beba (HAW Hamburg)

EEHH: Herzlichen Glückwunsch, Prof. Beba, Sie haben mit dem „Norddeutschen Reallabor“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Aufforderung erhalten, einen Vollantrag zur Förderung zu stellen – welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Reallabor? Wie aufwändig ist das Erstellen des Vollantrages?

Prof. Dr. Werner Beba: "Vielen Dank für die Glückwünsche, wir freuen uns sehr über die guten Nachrichten. Mit dem Norddeutschen Reallabor wollen wir den nächsten Schritt bei der Energiewende gehen und bauen auf dem Verbundprojekt NEW 4.0 – Norddeutsche EnergieWende auf, das wir vor gut drei Jahren begonnen haben. Hat NEW 4.0 vor allem das Ziel, den Weg zum Energiesystem der Zukunft zu ebnen und ein stabiles Gesamtsystem zu schaffen, mit dem sich der Energieverbrauch besser an die volatile Erzeugung aus Schleswig-Holsteinischen Windstrom anpassen lässt, geht das Norddeutsche Reallabor noch einen Schritt weiter: Es soll der Weg zu einer schnellen Dekarbonisierung aller Verbrauchssektoren demonstriert werden, wobei der wasserstoffbasierten Sektorkopplung eine besondere Rolle zukommt.

Bis zum fertigen Vollantrag liegt jetzt noch eine Menge Arbeit vor unserem Konsortium. Die Teilprojekte der beteiligten Partner müssen im Detail beschrieben, Projekt- und Budgetpläne müssen erstellt werden, um die Anforderungen des BMWi zu erfüllen. Wir kennen die genaue Abgabefrist derzeit noch nicht, bereiten uns aber auf ein paar arbeitsintensive Monate vor."

EEHH: Insgesamt 18 Verwertungspartner und 30 weitere Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik werden sich am „Norddeutschen Reallabor“ beteiligen. Welche Themen behandeln die Partner in ihren Teilprojekten?

Prof. Dr. Werner Beba: "Die Arbeitsschwerpunkte des Norddeutschen Reallabors liegen in zwei Bereichen: Sektorkopplung durch Wasserstoff und energieoptimierte Quartiere. Dabei bestehen enge Verbindungen zwischen beiden Bereichen: Auch bei den Quartierlösungen kommt Wasserstoff als Energieträger zum Einsatz, zum Beispiel in verschiedenen Mobilitätsanwendungen. In der Industrie steht die stoffliche Nutzung von Wasserstoff im Vordergrund, zum Beispiel zur Synthese von Chemikalien. Perspektivisch wird es auch um den Einsatz von Wasserstoff in der Grundstoff-Industrie, beispielsweise in den Fertigungsprozessen von Aluminium, Kupfer und zur Metallherstellung gehen.

Bei der Umsetzung einer integrierten Energiewende wird ein steigender Bedarf an Flexibilität über alle Sektoren hinweg entstehen. In unserem Vorhaben sollen deshalb technische Anlagen, Infrastrukturen und Märkte aus den Sektoren Energie, Industrie, Wärme/Gebäude und Mobilität gemeinsam betrachtet und in ihren Wechselwirkungen und Schnittstellen – auch zwischen lokaler, regionaler und überregionaler Ebene – aufeinander abgestimmt werden."

EEHH: 560.000 t CO2 sollen insgesamt eingespart werden – auf welche Weise soll das gelingen?

Prof. Dr. Werner Beba: "Unsere gemeinsame Projektskizze bündelt die Projekte der Antragspartner in fünf geografischen Hubs, nämlich Brunsbüttel, Schwerin, Lübeck und zweimal Hamburg. In diesen regionalen Zentren sollen verschiedene Verbrauchsbereiche sukzessive dekarbonisiert werden. Die regionale Verteilung der Aktivitäten orientiert sich dabei an der Netztopologie des Strom‐, des Gas- und auch des Wärmenetzes: An leistungsfähigen Knotenpunkten des Stromübertragungsnetzes werden zunächst Schwerpunkte für die Wasserstoffproduktion geschaffen. Durch die Integration von Anwendungen für Industrie, Verkehr und Gebäudewärme in die Gasinfrastruktur wird dann eine direkte Dekarbonisierung der jeweiligen Verbrauchssektoren möglich. Das Norddeutsche Reallabor entwickelt damit den Transformationspfad, um die CO2‐Emissionen in der Region um 75 Prozent bis 2035 zu reduzieren."

Über den Interviewten:

Prof. Dr. Werner Beba ist Leiter des Competence Center für Erneuerbare Energien und EnergieEffizienz (CC4E) an der HAW Hamburg und NEW 4.0-Projektkoordinator. Das CC4E war für die Erstellung der Projektskizze zum Norddeutschen Reallabor für den BMWi-Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ verantwortlich und ist federführend bei der Koordination des Vorhabens.

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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