Marc Becker, CEO Offshore SGRE

"Wir dürfen nicht vergessen, dass wir bei der Energiewende eigentlich erst am Anfang stehen"

von Astrid Dose, 
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Interview mit Marc Becker, CEO Offshore Siemens Gamesa Renewable Energy

Im folgenden Gespräch erläutet Marc Becker, welche Faktoren für den Erfolg der Energiewende entscheidend sind und welche Offshore-Märkte aktuell führend sind.

Marc Becker, CEO Offshore SGRE
Marc Becker, CEO Offshore SGRE

EEHH: Sie sind seit kurzem CEO Offshore bei Siemens Gamesa Renewable Energy. Worauf wird Ihr Fokus liegen?

Marc Becker: "Viele spannende Projekte stehen in nächster Zeit an. Wir bauen in Taiwan und Frankreich neue Fabriken, werden dieses Jahr den Prototypen der 14 MW Anlage in Dänemark installieren und in Cuxhaven die Produktion von der 8 auf die 11 MW Turbine umstellen. Dazu kommen natürlich unsere laufenden Installationsprojekte in Europa und Taiwan.

Bei alledem steht für mich die Sicherheit besonders im Fokus. Wir haben in der Pandemie gelernt, wie wichtig es ist, auf uns sowie unsere Mitmenschen und Kollegen acht zu geben. Ich möchte, dass wir dieses Sicherheitsdenken beibehalten – in der Freizeit, auf der Fahrt ins Büro oder beim Arbeiten Offshore."

EEHH: Was fasziniert persönlich besonders an der Offshore-Windindustrie?

Marc Becker: "Unsere ersten Projekte waren wie Abenteuer. Ständig begegneten uns neue Herausforderungen. Das faszinierende an der Offshore-Windindustrie ist, dass es eine junge Industrie mit einer imposanten Lernkurve ist. 1991 im ersten Offshore Windpark Vindeby hatte eine Turbine 450 KW Leistung. Unsere neueste Maschine schafft 14 MW. Obwohl die Windkraftanlagen immer größer geworden sind, installieren wir heute unsere Turbinen innerhalb von 24 Stunden inklusive Inbetriebnahme. Und wir entwickeln uns immer weiter. Neue Innovationen in Fertigung, Service und Installation werden den Beitrag der Offshore-Windindustrie im Kampf gegen die Klimakrise in Zukunft noch vergrößern und dabei Millionen von Menschen günstig und sauber mit Energie versorgen."

EEHH: Wie beurteilen Sie die Potenziale der Wasserstofferzeugung in Offshore-Windparks?

Marc Becker: "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir bei der Energiewende eigentlich erst am Anfang stehen. Jenseits der Elektrizitätsversorgung im Bereich Verkehr, Industrie oder Wärme dominieren nach wie vor fossile Energieträger. Wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen wollen, müssen wir in diesen Sektoren schnellstmöglich für CO2-freie Alternativen sorgen. Grüner Wasserstoff wird da eine wichtige Rolle spielen. Jetzt geht es darum, den gesetzlichen Rahmen so zu gestalten, dass die Erneuerbaren in der Sektorenkopplung durchstarten können. Das heißt, wir müssen dafür sorgen, dass es günstiger ist auf saubere Energie zu setzen als Emissionen auszustoßen. Der Wille zur Dekarbonisierung in der Wirtschaft ist riesengroß. Mit unserer integrierten Wind-zu-Wasserstoff-Offshore-Turbine, an der wir und Siemens Energy arbeiten, sind auch die technischen Lösungen auf dem Weg. Das Potenzial ist da und wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir es auch heben."

EEHH: Welcher globale Markt hat Sie in seiner Entwicklung in den letzten Jahren am meisten beeindruckt und warum?

Marc Becker: "Wenn man bedenkt, dass Deutschland und Großbritannien ungefähr zur gleichen Zeit gestartet sind, ist es wirklich beeindruckend, wie Großbritannien die Geschwindigkeit und die Ziele erhöht hat, um Deutschland deutlich zu überholen. Vor der britischen Küste sollen 2030 bereits 40 GW Offshore-Leistung installiert sein. Wir haben in Deutschland dieses Ziel erst zehn Jahre später vorgesehen und noch keinen genauen Fahrplan für die Zeit nach 2030. Uns fehlt auch die hundertprozentige Sicherheit, dass der Netzausbau nicht wieder zum Flaschenhals wird, wenn es um die 20 GW bis zum Ende dieses Jahrzehnts geht. Der große Unterschied ist, Politik und Wirtschaft arbeiten in Großbritannien mit dem Sector Deal Hand in Hand zusammen. Zudem gibt es mit dem CfD-Modell eines der attraktivsten Vergütungssystem im Markt, das zieht natürlich Investitionen an und generiert auch unabhängig von politischen Vorgaben Wertschöpfung vor Ort. Kurz: Großbritannien nutzt die Chancen von Offshore-Wind sehr konsequent. Deutschland agiert hingegen industriepolitisch konzept- und ambitionslos."

Erleben Sie Marc Becker auf der digitalen Hamburg Offshore Wind Conference am 7. April und melden sich hier an!

https://bit.ly/3c4aSrJ

https://www.siemensgamesa.com/en-int

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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