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Welche Wärmeprojekte setzt Averdung aktuell in Hamburg um? Interview mit Philipp Lieberodt

Averdung Ingenieure & Berater sind von der strategischen Ebene auf Landesebene bis zur Sanierung des Einzelgebäudes in allen Themen der Wärmewende aktiv. Unser Tätigkeitsschwerpunkt liegt in Norddeutschland.

Herausragend in Hamburg sind die Quartierslösungen in Heimfeld-Eißendorf, Eidelstedt Süd und Niendorf Nord. Sie entstanden als lokale Initiativen nach dem Wegfall der KfW-Förderung für Quartiere und werden ohne Bundesförderung umgesetzt. Die Projekte zeichnen sich durch ein hohes Engagement der Beteiligten aus und zeigen: Die Wärmewende gelingt dort, wo Verantwortung vor Ort übernommen wird.

Vorbildlich ist auch das Engagement des Bauvereins der Elbgemeinden eG (BVE), der größten Wohnungsbaugenossenschaft Hamburgs. Als langjähriger strategischer Partner begleiten wir unter anderem die Modernisierung von Wärmenetzen in Poppenbüttel, Iserbrook und Norderstedt, die Umstellung von Erdgas auf Wärmenetze in Sülldorf sowie ein Quartier in Neugraben-Fischbek, dessen Versorgung durch Wärmepumpen realisiert werden soll.

Zudem begleiten wir Projekte für so ziemlich alle größeren Energieversorger in Hamburg.

Welche künftigen Projekte würden Sie hervorheben?

Für die Science City Hamburg Bahrenfeld haben wir ein Energiekonzept entwickelt. Das Gebiet bietet Potenziale, die den Bedarf der Neubauquartiere deutlich übersteigen. Zusammen mit dem DESY könnte die Science City Hamburg Bahrenfeld so zur Dekarbonisierung angrenzender Fernwärmenetze beitragen – ein spannender Ansatz, den wir gern weiter begleiten würden, sobald die Umsetzung beginnt.

Der neue Stadtteil Grasbrook soll ein Vorbild für Ressourceneffizienz und CO₂-Neutralität werden. Aktuell werden dort die Weichen für die zukünftige Wärme- und Kälteversorgung gestellt. Wir freuen uns, für die Hafencity GmbH an diesem Projekt mitzuwirken.

Wie schätzen Sie den aktuellen Stand der Wärmewende in Hamburg ein?

Zentrale Leuchtturmprojekte in der städtischen Fernwärme sind die Energieparks Hafen und Tiefstack und der Einsatz von Flusswasser-Großwärmepumpen in Elbe und Bille. Auch der Ausbau der Fernwärme schreitet voran. Gebremst wird die Wärmewende außerhalb des Fernwärmegebiets jedoch oftmals durch die fehlende Bereitstellung öffentlicher Flächen für lokale Wärmenetze. Hier braucht es ein überragendes öffentliches Interesse.

Ein weiterer Punkt: Rund 80 % des Gebäudebestands in Hamburg gehören Privatpersonen oder Eigentümergemeinschaften, viele zögern bei der Umsetzung. Förderangebote, etwa der IFB Hamburg, insbesondere für quartiersbezogene Wärmelösungen, sowie ausgebaute Beratungs- und Förderangebote sind wichtige Impulse.

Sicher ist: die Wärmewende bis 2040 erfordert einen gemeinsamen Kraftakt – graduelle Anpassungen reichen nicht.

Wie bewerten Sie die Situation auf Bundesebene, insbesondere mit Blick auf das Gebäudeenergiegesetz?

Das Versprechen das „Heizungsgesetz“ abzuschaffen, das es gar nicht gibt, wirkt wie ein Schildbürgerstreich. Dass trotz der deutlichen Warnungen aus Energiewirtschaft, Handwerk und Industrie über lange Zeit keine Eckpunkte für das „Gebäudemodernisierungsgesetz“ vorgelegt wurden, ist kaum nachvollziehbar und bremst wichtige Investitionen. Kürzlich wurde offenbar eine Einigung erzielt, die Inhalte sind aktuell unklar. Auch das sogenannte Netzpaket weist in die falsche Richtung, denn die Wärmewende ist in großen Teilen strombasiert. Eine langsamere Energiewende bremst auch die Wärmewende aus, das können wir uns mit Blick auf die Folgegenerationen nicht leisten.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Über Averdung Ingenieure & Berater GmbH

Die Averdung Ingenieure & Berater GmbH ist auf Projekte der Energiewende spezialisiert. Sie bietet umfassende Beratung, Planung und die Begleitung der technischen Umsetzung über alle Leistungsphasen der HOAI hinweg. Gemeinsam mit verbundenen Unternehmen an den Standorten Papenburg, Berlin und Falkenberg/Elster ist Averdung deutschlandweit tätig und eine der führenden Anbieterinnen von Energiewendedienstleistungen in Norddeutschland.

von EEHH Gastautor