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Wasserstoff-Delegationsreise von EEHH nach Schottland

Mit Schottland verbindet Hamburg eine enge Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff und erneuerbaren Energien.

Durch die hervorragenden Offshore-Windbedingungen, aber auch durch die jahrzehntelange Erfahrung im Gas-Geschäft ist Schottland ein sehr guter Partner für die Produktion von grünem Wasserstoff. Die Zusammenarbeit mit Schottland ist gut integriert in die weitere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und UK im Nordseeraum, die auch auf dem Nordsee-Gipfel Ende Januar 2026 in Hamburg betont wurde.

Zwar ist in Schottland die Produktion von grünem Wasserstoff im globalen Vergleich teurer.  Aber dafür sind perspektivisch die Transportkosten geringer, vor allem, wenn eine Einspeisung ins europäische Wasserstoffnetzwerk erfolgen kann, ohne dass der Wasserstoff zunächst energieaufwändig, z.B. aus Ammoniak, gecrackt werden muss.  Ein Preis von €3 pro kg Wasserstoff könnte erreicht werden. Knapp 90 schottische Projekte sind in der Pipeline, aber die meisten der geplanten installierten MW sind noch in der Konzeptphase (knapp 70%). Weniger als 1% sind bereits in Betrieb oder im Bau. Rund 30 Projekte sollen in den nächsten 3 Jahren umgesetzt werden.  

In den vergangenen Jahren hat das EEHH-Cluster viele Aktivitäten mit seinen schottischen Partnern durchgeführt. Mehrere schottische Delegationen sind bereits nach Hamburg gereist, zum Beispiel im Herbst 2025, als sich schottische Wasserstoffproduktionsprojekte potenziellen Abnehmern aus Hamburg vorstellten. EEHH und das dortige Cluster Hydrogen Scotland sind seit einigen Jahren über eine enge Partnerschaft miteinander verbunden.

Im April 2026 besuchte eine norddeutsche Gruppe von ca. 20 Unternehmen das Zentrum des schottischen Wasserstoffs – Aberdeen. EEHH organisierte die Reise gemeinsam mit Aquaventus e.V.  Ziel war, Projektentwickler vor Ort zu treffen sowie sich über den Planungsstand der verschiedenen Projekte und die Entwicklung von gemeinsamen Lieferketten auszutauschen. Mehrere Unternehmen aus beiden Ländern stellten ihre Projekte, Produkte und Dienstleistungen vor.

Teilnehmer aus der Hamburger Metropolregion, aber auch aus dem AquaVentus Förderverein e.V. für Offshore-Wasserstoff deckten die gesamte Lieferkette von der Offshore-Erzeugung über Transport und Speicherung bis hin zur industriellen Nutzung ab. Zur Teilnehmergruppe aus dem EEHH-Netzwerk gehörten beispielsweise Offtaker (Aurubis), Wissenschaftler (Fraunhofer IWES), Hersteller (Hanseatic Hydrogen und Enapter) sowie kleine spezialisierte Dienstleister wie control-f für die umfassende Datenanalyse in Energiesystemen.  

Sie tauschten sich aus mit Unternehmen und Partnern wie SubSea7, Cairn Risk Consulting, Veri Energy, Apollo, Hydrogen Scotland, Net Zero Technology Center, Xodus, Group Energy oder Scottish Enterprise.

Sie sprachen viel über den Wasserstoffimport-Korridor zwischen UK und dem EU-Festland. Die verschiedenen Optionen für die Pipeline-Verbindung von UK an den European Hydrogen Backbone wurden vorgestellt und diskutiert. Eine Option ist die Anbindung von der UK-EEZ (Exclusive Economic Zone) an die Aquaductus-Projekte von Gascade auf deutscher Seite. Ein Antrag wurde gestellt, diese Route in den Ten-Year Network Development Plan (TYNDP) des gesamteuropäischen Netzentwicklungsplanes für Strom und Gas von ENTSO-E und ENTSOG aufzunehmen. Ersten Analysen zufolge wäre die Anbindung über Aquaductus ca. 30% (£ 1 Milliarde) billiger als die ursprüngliche Option der Anbindung über Emden. Seit 2025 gibt es ein Memorandum of Understanding zwischen GASCADE und National Gas für die Entwicklung einer Offshore Pipeline (600-800 km, Kapazität bis zu 20GW).

Eine Pipelineverbindung ist auch für Abnehmer aus der energieintensiven Industrie wie Aurubis von großer Bedeutung, da die Transportkosten selbst sehr günstig produzierten grünen Wasserstoff zu teuer machen würden – in den Augen von Aurubis ist der Preis für (grünen) Wasserstoff beispielsweise weit entfernt davon, gegenüber fossilem Gas plus CO2 Allowances wettbewerbsfähig zu sein – allein die OPEX-Kosten von grünem Wasserstoff sind drei- bis viermal so hoch. Die durch die europäische Regulierung verursachten Preise können in dieser Branche nicht an die Kunden weitergegeben werden, da der Kupferpreis global am London Metal Exchange festgesetzt wird, d.h. EU-Unternehmen müssen alle Kosten inklusive der durch die EU-Regulatorik verursachten Kosten vom selben Umsatz wie ihre weltweiten Wettbewerber decken.

Für die weitere Entwicklung des Wasserstoffimportkorridors zwischen Schottland und Deutschland bleibt abzuwarten, welche Schritte die Regierung Großbritanniens als nächstes geht, da Schottland seine Wasserstoff-Aktivitäten nicht unabhängig von „Westminster“ entwickeln kann. Beispielsweise ist noch ungeklärt, in welchem Umfang grüner Wasserstoff aus Schottland in England zur Dekarbonisierung in der Industrie und anderen Sektoren eingesetzt werden soll; dem steht gegenüber, dass der Export von grünem Wasserstoff und erneuerbarer Energie zur UK-Handelsbilanz beitragen kann. Auch vor diesem Hintergrund warten die Akteure auf die zeitnahe Veröffentlichung der überarbeiteten nationalen Wasserstoffstrategie von 2021.

Zum Abschluss der Reise besuchte die Gruppe noch die Zero Emission Whisky Distillery in Arbikie. Hier wird mithilfe von Solar- und Windenergie grüner Wasserstoff produziert, mit dem die Destillierung von Whisky, Gin und Wodka in Kürze dekarbonisiert werden soll.  

 

Über Sibyl Scharrer

Profilbild zu: Sibyl Scharrer

Die Wasserstoffwirtschaft in der Metropolregion Hamburg kann nur durch gute internationale Zusammenarbeit ihr volles Potential entfalten, und ich bin begeistert, direkt dabei mitarbeiten zu können. Als Verantwortliche für das internationale Netzwerk im Bereich Wasserstoff unterstütze ich Unternehmen und Einrichtungen beim Auf- und Ausbau der Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern durch individuelle Betreuung, Messen und Veranstaltungen sowie Delegationsreisen – dies sowohl nach Hamburg als auch von Hamburg in die Welt. {iflng}}

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von Sibyl Scharrer