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ReFuelEU Aviation – wie MB Energy den Markt für synthetisches Kerosin ankurbelt Interview mit Adrian Herberger, Head of Hydrogen & SAF bei MB Energy

Europäische Quoten für synthetische Flugkraftstoffe (eSAF) schaffen Investitions‑ und Planungssicherheit und erste Lieferketten sind etabliert. Dadurch konnte ein Pilotflug mit fünf Prozent eSAF von Amsterdam nach Hamburg durchgeführt und die praktische Umsetzung von Blending demonstriert werden. Welche Bedeutung dieser Flug für die weitere Skalierung hat und warum Hamburg ein guter Ausgangspunkt  ist, erklärt Adrian Herberger im Interview.

ReFuelEU Aviation – wie MB Energy den Markt für synthetisches Kerosin ankurbelt

Welche Bedeutung haben die Quoten für synthetisches Kerosin (sogenanntes eSAF) gemäß ReFuelEU Aviation für Ihr Unternehmen und vor welchen Herausforderungen steht die Produktion bislang? Was kann ein Inverkehrbringer von Kraftstoffen wie MB Energy dazu beitragen, dass im Bereich eSAF Fortschritte gemacht werden können?

Adrian Herberger: ReFuelEU Aviation ist ein wichtiger Impulsgeber für den Hochlauf von eSAF, weil die Quoten Investitions- und Planungssicherheit schaffen. Die größten Herausforderungen liegen aktuell in der begrenzten Verfügbarkeit, den hohen Produktionskosten und dem Aufbau skalierbarer Lieferketten. MB Energy kann hier als Bindeglied zwischen Produktion, Logistik und Abnehmern den Markthochlauf aktiv unterstützen.

Sie haben kürzlich für einen KLM-Flug von Amsterdam nach Hamburg eSAF geblendet und zum Flughafen transportiert – können Sie erklären, was Blending bedeutet und noch einmal detaillierter auf die Rolle von MB Energy in der Lieferkette eingehen? Welcher Anteil des Gesamtbetankungsvolumens im Testflug wurde mit eSAF befüllt?

Adrian Herberger: Blending bedeutet das spezifikationsgerechte Mischen von konventionellen Treibstoffen mit einer Komponente biogenen oder erneuerbaren Ursprungs innerhalb der zugelassenen technischen Grenzen. MB Energy hat dabei eine wichtige Rolle in der Lieferkette übernommen – von der Koordination über das Blending bis zum Transport an den Flughafen. Der Flug von Amsterdam nach Hamburg wurde mit einem Treibstoffgemisch durchgeführt, das fünf Prozent synthetisches Kerosin enthielt. Die von der EU vorgeschriebene Quote liegt deutlich darunter bei zwei Prozent.

Hat eSAF spezifische betriebliche technische Vorteile gegenüber fossilem Kerosin?
Adrian Herberger: Der zentrale Vorteil von synthetischem Kerosin liegt im Dekarbonisierungspotenzial, nicht primär in völlig neuen betrieblichen Eigenschaften. Entscheidend ist, dass eSAF innerhalb der geltenden Spezifikationen in bestehende Infrastruktur und Flotten integriert werden kann. Das muss durch Engine OEM, Flugzeug OEM und Airline bestätigt werden.

Was ist das Besondere an den Projekten mit einer Airline wie KLM?
Adrian Herberger: Der Passagierflug in Zusammenarbeit mit KLM und weiteren Partnern wie Ineratec und dem Hamburger Flughafen zeigt, dass die Defossilisierung des Luftverkehrs nur gemeinsam entlang der gesamten Wertschöpfungskette gelingt. Langfristig kann synthetisches Kerosin helfen, regulatorische Risiken und steigende CO₂-Kosten besser abzufedern. Solche Projekte sind besonders wertvoll, um den Einsatz von Blendings im Regelbetrieb zu testen.

Wie positioniert sich MB Energy insgesamt im europäischen Markt für erneuerbare Kraftstoffe?
Adrian Herberger: Wir möchten den Übergang von Pilotprojekten zu belastbaren Lieferketten aktiv unterstützen. Das betrifft nicht nur die physische Versorgung, sondern auch die kommerzielle Strukturierung und die operative Umsetzbarkeit. Unser Ziel ist es, gemeinsam die Voraussetzungen für eine skalierbare, verlässliche und marktfähige Versorgung mit synthetischen Flugkraftstoffen in Europa zu schaffen. Das gilt für herkömmliche und zukunftsfähige Treibstoffe gleichermaßen.

MB Energy ist ein Hamburger Unternehmen. Welche Rolle spielt für Sie der Standort Hamburg in Zusammenhang mit den Entwicklungen in der Luftfahrt rund um das Thema eSAF?
Adrian Herberger: Hamburg ist für uns ein besonders relevanter Standort, weil hier wichtige Kompetenzen der Luftfahrt, Logistik, Industrie und Energiewirtschaft zusammenkommen. Forschung, Entwicklung, Produktion und Wartung finden an einem Ort statt. Hamburg ist das drittgrößte Luftfahrtindustrie-Cluster weltweit. Diese Nähe zu zentralen Akteuren macht Hamburg zu einem sehr geeigneten Umfeld, um neue Lösungen für die Defossilisierung des Luftverkehrs voranzubringen. Für MB Energy ist Hamburg nicht nur Unternehmensstandort, sondern auch ein strategisches Umfeld für Kooperation, Innovation und praktische Umsetzung. Die Verbindung aus Hafen- und Logistikkompetenz, industrieller Basis und Luftfahrt-Ökosystem schafft gute Voraussetzungen, um Themen wie erneuerbare Kraftstoffe, Infrastruktur und Lieferketten gemeinsam weiterzuentwickeln.

Über MB Energy

MB Energy positioniert sich im europäischen Markt als verlässlicher Partner für die Integration zukunftsorientierter Kraftstoffe in bestehende Liefer- und Versorgungssysteme. Unsere Stärke liegt insbesondere darin, Handelskompetenz, Infrastrukturverständnis, Lieferkettenmanagement und Marktzugang zusammenzubringen. Gerade in einem entstehenden Markt der zukunftsorientierten Kraftstoffe ist diese Verbindungsfunktion entscheidend.

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von Kirsten Schümer