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„Ohne deutlichen Ausbau von erneuerbaren Energien keine grüne Wasserstoffwirtschaft“ Interview mit BWE, Landesverband Hamburg

Im folgenden Interview erläutern Jens Heidorn und Dr. Axel Röpke vom BWE, Landesverband Hamburg, was sich von der Bundestagswahl im September 2021 energiepolitisch erhoffen.

„Ohne deutlichen Ausbau von erneuerbaren Energien keine grüne Wasserstoffwirtschaft“
Dr. Axel Röpke, BWE HH, beim German Renewables Award 2020 (EEHH)

EEHH: Was erhoffen Sie sich energiepolitisch von der Bundestagswahl?

BWE HH: „Wir erhoffen und erwarten einen deutlichen Implus für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Nur so kann eine erfolgreiche Sektorenkopplung gelingen. Außerdem muss das Strommarktdesign dringend überarbeitet werden. Bei negativen Börsenpreisen gibt es nach § 51 EEG keine Vergütung und damit wird die Einspeisevorrang der erneuerbaren Energien ausgehebelt. Daher sollte das Strommarktdesign an die geänderten Marktverhältnisse mit ca. 50% erneuerbarem Strom angepasst werden. Der CO2-Preis sollte ebenfalls angepasst werden.“

EEHH: In welchen Feldern sehen Sie konkret den größten Handlungsbedarf?

BWE HH: „Vor allem im Bereich der Sektorenkopplung. Hier sollten grundlegende Hemmnisse endlich aus dem Weg geräumt werden. Es müssen starke wirtschaftliche Anreize für Unternehmen entstehen, damit sie sich in diesem Feld engagieren. Die technischen Möglichkeiten existieren bereits. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass wirklich jede Kilowattstunde erneuerbaren Stroms genutzt wird. Ein abschreckendes Beispiel ist das Pumpspeicherwerk Geesthacht, das aufgrund der hohen Netzentgelte nicht genutzt wird.“

EEHH: Wie schätzen Sie das Potenzial einer Wasserstoffwirtschaft in Hamburg ein?

BWE HH: „Das Thema Wasserstoff sollte sektorübergreifend eine Rolle spielen. Am Beispiel Hamburg lässt sich gut ableiten, wie der ländliche Raum mit einer hohen Produktion von grünem Strom und der urbane Raum als Abnehmer ineinander greifen. In Hamburg sollten die Industriebetriebe im Hafen aktiv werden und ihre Produktion auf Wasserstoff basiert umstellen. Etliche Akteure entwickeln bereits entsprechende Konzepte, beispielsweise Arcelor Mittal und Shell.

Trotzdem stellen wir auch einen gewissen ‚Wasserstoff-Hype‘ fest. Ohne einen deutlichen Ausbau von erneuerbaren Energien kann keine grüne Wasserstoffwirtschaft entstehen. Wir müssen dringend die Kapazitäten der Erneuerbaren ausbauen. 2017 erlebte besonders der Onshore-Markt einen deutlichen Einbruch, von dem er sich bis heute nicht erholt hat.

Für uns zählt der Dreiklang der Ziele: besserer Ausbaupfad, klare Flächenkulisse und schnellere Genehmigungen, um auch im Bereich Wasserstoff erfolgreich sein zu können.“

EEHH: Wie könnten BWE HH und EEHH künftig weiter an einem Strang ziehen?

BWE HH: „Gemeinsam mit EEHH wollen wir eine starke Stimme für die erneuerbaren Energien in Norddeutschland bilden. Mit gemeinsamen Events wollen wir noch mehr auf die Dringlichkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energien hinweisen. Für uns im Vordergrund stehen Windthemen und das Strommarktdesign.“

Neugierig geworden? Dann schauen Sie das Digital-Event: „Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl: EEG 2021 - Erreichen wir so unsere Klimaschutzziele?“ am 20.5., 16 Uhr:
Livestream unter:
https://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/events/livestream.html

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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