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"Offshore-Wind ist europäisch geworden" Interview mit Stefan Thimm, BWO
Im folgenden Gespräch ordnet BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm noch einmal den Nordseegipfel in Hamburg ein.
EEHH: Was ist Ihr Fazit des Nordseegipfels? Sind die richtigen Weichen gestellt worden, um aus der Nordsee die Energiezentrale Europas zu machen? Ist Europa Ihrer Meinung nach enger zusammengerückt?
Stefan Thimm: „Der Nordseegipfel war ein klares Signal: Offshore-Wind ist europäisch geworden. Das ist gut und notwendig. Wenn wir die Nordsee zur effizienten Energiezentrale Europas machen wollen, dann müssen wir eng zusammenarbeiten. Nicht nur Regierungen untereinander, sondern auch mit der Offshore-Windbranche. Es ist gut, dass der Gipfel in Hamburg den Wert der Planungssicherheit erkannt hat. Zehn Jahre lang jeweils 15 Gigawatt Offshore-Wind in Europa auszuschreiben ist ein wichtiges Signal an die Wertschöpfungskette. Das wird die Kosten deutlich senken. Fortschritte bei Netzen und Interkonnektoren sind ebenfalls wichtig. Ich freue mich darüber hinaus auch über die grundsätzliche Vereinbarung zwischen Dänemark und Deutschland, im Bereich der radialen Offshore-Wind-Anbindungen zusammenarbeiten zu wollen. Hier konnten wir gemeinsam mit dem BDEW in einer Studie zeigen, dass wir bis zu 13 Prozent höhere Stromerträge bei bis zu 11 Prozent niedrigeren Systemkosten erreichen können. Der Plan: Offshore-Windparks werden in der dänischen und schwedischen AWZ realisiert und direkt an das deutsche Netz angebunden. Inklusive Netzanbindung. Das zeigt die Vorteile einer Zusammenarbeit im Vergleich zu einem rein national gedachten Ausbau.“
EEHH: Wie bewerten Sie das Aussetzen der Offshore-Ausschreibung durch die Bundesregierung?
Stefan Thimm: „Das Aussetzen der für Juni 2026 geplanten Auktion war folgerichtig. Wir haben mehrfach auf diese Verschiebung gedrängt. Es macht keinen Sinn, diese schon im August 2025 gescheiterten Flächen ohne eine Optimierung der Flächenplanung und damit der Windernte sowie ohne ein neues Auktionsdesign noch einmal anzubieten. Eine Auktion unter Bedingungen, die offensichtlich nicht mehr funktionieren, hätte nur weitere Unsicherheit erzeugt. Jetzt zählt, dass das Ausschreibungsdesign noch in diesem Jahr angepasst wird. Wir brauchen ein Auktionsdesign, das Risiken fair verteilt.“
EEHH: Also ein Auktionsdesign nach dem Vorbild von Großbritannien und Dänemark?
Stefan Thimm: „Genau, wir sollten aus dem Scheitern des letzten Jahres lernen und uns umschauen, was international bereits funktioniert. Großbritannien zeigt mit zweiseitigen Differenzverträgen, wie Investitionssicherheit hergestellt werden kann. Milliardeninvestitionen in Offshore-Wind brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Die sollten auch in Deutschland zügig geklärt werden, da geht es um viele Details. Zum Beispiel um eine vernünftige Indexierung, damit Investitionen nicht an unvorhergesehenen Kostensteigerungen in der Lieferkette scheitern.“
EEHH: Würden sie die Realisierung von Energieinseln wie Bornholm Island als zentrale Meilensteine einordnen? Wenn ja, warum?
Stefan Thimm: „Ja, eindeutig. Bornholm steht für den nächsten Entwicklungsschritt der Offshore-Wind-Branche – weg von nationaler Projektlogik, hin zu einer europäischen Energiesystemarchitektur. Eine Energieinsel bündelt Erzeugung, Netzanbindung und Interkonnektoren. Das erhöht Effizienz, stärkt die Versorgungssicherheit und kann langfristig Kosten senken. Entscheidend ist jetzt, dass Kosten, Risiken und Erlöse fair zwischen den beteiligten Staaten verteilt werden. Genau hier hat der Hamburger Gipfel wichtige Fortschritte erzielt. Wenn das gelingt, wird Bornholm zum Blaupause-Projekt für die Nordsee.“
Erleben Sie Stefan Thimm auf der Hamburg Offshore Wind Conference am 15. April 2026 - Anmeldung unter: https://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/events/details/hamburg-offshore-wind-conference-2026.html
Vielen Dank für das spannende Interview!