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Oberflächennahe Erdwärme im urbanen Raum nutzen Kalte Nahwärme

Konsequenter Klimaschutz bedeutet für den Energiesektor die Reduzierung von Treibhausgasen bei der Strom- und Wärmeproduktion.

Oberflächennahe Erdwärme im urbanen Raum nutzen
EEHH GmbH

Hamburg hat sich durch den Klimaplan und das Klimaschutzgesetz aus dem Jahr 2020 ambitionierte Ziele für CO2-Reduzierung im Wärmesektor gesetzt. Die Defossilisierung des Wärmesektors erfordert daher einen größtmöglichen und umfassenden Ausbau aller alternativen und erneuerbaren Wärmequellen.

Im Forum Wärme haben wir uns des Öfteren dem Thema „Kalte Nahwärme“ in Verbindung mit erneuerbaren Energien gewidmet. So auch in der letzten Sitzung vom 01. Juni 2021. Bei dieser Sitzung ging es explizit um die Nutzung oberflächennaher Erdwärme[1] am Beispiel der Stadtwerke SH GmbH. In der Nähe von Schleswig wurden mehrere Neubaugebiete realisiert, welche ausschließlich durch (oberflächennahe) Erdwärme versorgt werden. Das Temperaturniveau der „kalten Nahwärme“ aus dem Erdreich wird mittels dezentraler Wärmepumpen zur Raumbeheizung und Brauchwasserversorgung zusätzlich erhöht. An heißen Sommertagen dient das System zudem zur Kühlung der Wohngebäude.

Interessanterweise wurde auf den Flächen im Baugebiet, in die die Kollektorfelder zur Erdwärmegewinnung in den Boden eingebracht wurden, oberirdisch ein Spielplatz bzw. eine Grün/ Ausgleichsfläche angelegt. Es zeigt sich also, dass die Flächen problemlos mehrfach genutzt werden können. Dieser Aspekt ist für die Anwendung oberflächennaher Erdwärmesysteme in Städten wie Hamburg sehr wichtig. Denn auch in Hamburg kann die oberflächennahe Erdwärmenutzung einen wichtigen Baustein bei der dezentralen alternativen Wärmeversorgung spielen, insbesondere für Quartiere und Liegenschaften die nicht an das Fernwärmenetz angeschlossen werden können. Allerdings stehen im Stadtgebiet so gut wie nie gänzlich ungenutzte Flächen zur Verfügung, was eben eine solche Doppelnutzung erforderlich macht. Erdwärme-Kollektorfelder unter Grün-/ Parkanlagen sowie Spiel- Sport- und Parkplätzen könnten hierbei Optionen darstellen.

Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch zudem, dass eine Liste von kleinteiligen, genehmigungsrechtlichen Hemmnissen eine Projektrealisierung gegenwärtig zusätzlich erschweren. Um diese klar zu benennen und gleichzeitig Lösungsvorschläge aufzuzeigen, hat es sich eine Taskforce aus dem Forum Wärme zu Eigen gemacht, ein Positionspapier zu den Herausforderungen und Hemmnissen für den Einsatz oberflächennaher Erdwärme zu verfassen. Das Papier befindet sich gegenwärtig im Erstellungsprozess und soll nach Fertigstellung mit Vertretern aus der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) diskutiert werden.

[1] „Oberflächennahe Erdwärme“ bezieht sich hier auf eine maximale Tiefenbohrung von ca. 100 m bei Erdsonden.

Über den Autor

Profilbild zu: Constantin Lange

Beim Cluster bin ich für den Bereich Forschung und Innovation zuständig und bin damit die Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft. Meine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Wind – und Solarenergie sowie im Themenfeld Wärme. Über unsere Fachforen und verschiedene Veranstaltungsformate verantworte ich u.a. direkte Informations- und Diskussionsformate für unsere Mitgliedsunternehmen.

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