Nachhaltig von Anfang bis Ende - der Rückbau von Offshore-Windenergieanlagen

von Tom Mikus, 
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Offshore-Windenergie bietet das einzigartige Potential, treibende Kraft hinter einer sektorenübergreifenden Energiewende zu sein. Trotz oder geraden wegen des geforderten massiven Ausbaus der Offshore Windenergie müssen sich Projektentwickler stärker mit dem Rückbau beschäftigen. Dieses Thema steht im Fokus des EU-Projektes DECOM Tools.

Bild: DECOM Tools

Mit der Inbetriebnahme des Offshore-Windparks Alpha Ventus in der Nordsee im April 2010 begann genau vor zehn Jahren das kommerzielle Zeitalter der Offshore-Windenergie in Deutschland. Wenn man von einer Lebensdauer der Offshore-Windparks von 20 Jahren ausgeht, ist für Alpha Ventus jetzt Halbzeit. In naher Zukunft werden viele weitere Anlagen ihren Zenit überschreiten. Dabei stellt sich unweigerlich die Frage, was mit den Windparks und ­‑energieanlagen auf See nach ihrer planmäßigen Betriebsdauer geschieht. Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen mit dem Rückbau von Offshore Windenergieanlagen, die lediglich aus der Auf-See-Demontage einzelner und vorwiegend küstennaher Turbinen stammen. Zwar haben die Windenergieanlagen ihr Leben lang grünen Strom geliefert, um aber in Gänze als umweltfreundliche Technologie bezeichnet zu werden, muss auch der Rückbau und die Weiterverwertung oder ein Repowering nachhaltig und umweltfreundlich gestaltet werden.

 Interreg-Projekt DECOM Tools

Mit der Frage, wie der nachhaltige Rückbau geschehen könnte, beschäftigt sich das von der Europäischen Union geförderte Projekt DECOM Tools der Förderlinie Interreg-North-Sea-Region. Ziele des Projekts sind: den ökologischen Fußabdruck des Rückbaus um 25 Prozent zu reduzieren (gemessen in CO2-Äquivalenten), die Kosten dafür um 20 Prozent zu senken sowie die Rückbau-Expertise der relevanten Stakeholder innerhalb der Nordseeregion zu stärken. Durchgeführt wird DECOM Tools von einem internationalen Konsortium aus Clusterorganisationen, Gemeinden, Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Forschungsinstituten, Universitäten und Hochschulen sowie Hafenbetriebsgesellschaften:

  • De Lauwershorst Groep (Niederlande)
  • Energy Innovation Cluster (Dänemark)
  • Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (Deutschland)
  • Hochschule Emden/Leer (Deutschland)
  • Maritime Cluster Funen (Dänemark)
  • New Energy Coalition (Niederlande)
  • POM West-Vlaanderen (Belgien)
  • Port of Grenaa (Dänemark)
  • Port of Oostende (Belgien)
  • Samsø Municipality (Dänemark)
  • University of Aberdeen (Vereinigtes Königreich)
  • Virol (Niederlande)
  • Western Norway University of Applied Sciences (Norwegen)

Marktanalyse zu Rückbau von Offshore-Windparks

Ein erstes Ergebnis des Projekts ist eine im November 2019 erschienene Marktanalyse, die den Rückbau von Offshore-Windparks im Allgemeinen und auch innerhalb der einzelnen Anrainerstaaten der Nordseeregion untersucht. In Deutschland kommt der Gedankenimpuls zum Thema Rückbau von Offshore-Windanlagen größtenteils von Windparkbetreibern, da sie für die Außerbetriebnahme verantwortlich sind. Eine bisher uneindeutige Regulatorik lässt noch offen, ob die Fundamente komplett oder nur teilweise rückgebaut werden müssen. Auch die Verwertung der Rotorblätter ist noch nicht hinreichend geklärt. Die Studie zeigt aber auch, dass der nahende Rückbau erster Offshore-Windparks in der Nordseeregion einen neuen Wachstumsmarkt mit Chancen für Unternehmen, Gemeinden oder auch Hafenbetreiber bietet. Das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (Fraunhofer IWES) geht allein für Deutschland davon aus, dass bis 2040 mindestens 2.000 Offshore-Windenergieanlagen außer Betrieb genommen werden.

Rolle des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI)

Die Marktanalyse des Projekts DECOM Tools begleitete federführend Mirko Kruse, ein Wissenschaftler des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Das HWWI ist ein wirtschaftswissenschaftliches Forschungsinstitut mit Standorten in Hamburg und Bremen. Neben einem renommierten Städteranking, das in Kooperation mit der Privatbank Berenberg alle zwei Jahre erscheint, Rohstoffpreisindizes und verschiedenen Konjunkturprognosen arbeitet das HWWI auch im Bereich Energie, Klima und Umwelt. In diesem Feld untersuchen die ForscherInnen zum Beispiel die makroökonomischen Auswirkungen der Energiewendenpolitik, die mikroökonomischen Effekte der Energiemarktgestaltung und im Rahmen von DECOM Tools die Perspektiven des Rückbaus von Offshore-Windenergieanlagen.

Dieser Marktanalyse folgt eine Stakeholder-Analyse, die aus Gesprächen mit verschiedensten Interessengruppen zum Thema Rückbau von Offshore-Windparks resultiert. Für Hintergrundinformationen zur Studie oder zum Projekt DECOM Tools können Sie sich gerne an Mirko Kruse vom HWWI wenden oder die Informationen der nachfolgenden Links nutzen.

 

Kontakt: Herr Mirko Kruse | m-kruse@hwwi.org

Link zur Marktanalyse: https://northsearegion.eu/media/11753/market-analysis_decomtools.pdf

DECOM Tools: https://northsearegion.eu/decomtools/

HWWI: http://www.hwwi.org/home.html

Über den Autor

Profilbild zu: Tom Mikus

Seit 2019 arbeite ich als Projektmanager International für das Erneuerbare Energien Hamburg Cluster und widme mich dem Austausch zu erneuerbaren Energien über die Grenzen Deutschlands hinweg. Hier berichte ich über die aktuellen Entwicklungen und Aktivitäten des Clusters und Erneuerbare-Energien-Standorts Hamburg auf internationaler Ebene.

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