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Klimaschutz und Digitalisierung im Mittelpunkt Interview mit Prof. Dr. Jörg Knieling, HCU
Im folgenden Gespräch erläutert Prof. Dr. Jörg Knieling, Hafen City Universität, welche thematischen Felder seine Hochschule vor allem erforscht.
EEHH: Die Hafen City Universität hat Klima und Digitalisierung als ihre Handlungsfelder definiert. Wie schlägt sich das im Lehrplan und in den Forschungsgebieten nieder?
Prof. Knieling: "Als Strategie hat die HCU die beiden Bereiche Klimaschutz und Digitalisierung in den Mittelpunkt gerückt. In allen Studiengängen der HCU kommt dem Klimaschutz und der Digitalisierung deshalb ein hoher Stellenwert zu. In der Forschung gibt es vielfältige Projekte, die zu Klimaschutz und Klimaanpassung sowie Fragen der Digitalisierung arbeiten. Im MetroLab des Fachgebiets Stadtplanung und Regionalentwicklung der HCU arbeiten wir daran, wie nachhaltigere Großstadt- und Metropolregionen aussehen können. Gegenwärtig ist der Ostseeraum ein geographischer Schwerpunkt, vor allem die STRING-Kooperation, die sich von Hamburg über Kopenhagen und Malmö bis nach Oslo erstreckt.
Thematisch arbeiten wir insbesondere zu Klimaneutralität und Energietransformation sowie zu Ressourcenschutz, etwa Kreislaufwirtschaft und Flächensuffizienz. Im Bereich Transformativer Governance forschen wir insbesondere zu neuen Formen von Dialog und Kooperation sowie der Akteurs- und Bürgerbeteiligung. Beispielsweise konnten wir in dem EU-Forschungsprojekt Cities-4-People vor einigen Jahren im Bezirk Altona ein Reallabor zur Bürgerbeteiligung erproben. Dies gab den Anstoß für die Verkehrsberuhigung in Ottensen, die der Bezirk dieses Jahr mit dem Projekt Freiraum Ottensen umsetzt."
EEHH: Sie pflegen engen Kontakt zur Metropolregion Nürnberg. Bitte erläutern Sie, wie die Metropolregion Nürnberg das Thema Klimaschutz angeht und umsetzt. Worin sehen Sie Unterschiede zur Metropolregion Hamburg? Was wären sinnvolle Ansätze für Hamburg?
Prof. Knieling: "Das MetroLAB der HCU ist seit vielen Jahren in der Forschung mit der Metropolregion Nürnberg verbunden. Aktuell arbeiten wir an dem Projekt Klimapakt2030plus zu Fragen der Energiewende. Das Bundesforschungsministerium stellt die Finanzmittel zur Verfügung. Ähnlich wie in Hamburg hat die Metropolregion Nürnberg aus ihrer eher schwachen Institutionalisierung eine Stärke gemacht. Sie ist zu einer Netzwerkerin geworden, die Akteure zusammenführt und gemeinsam mit ihnen regionale Strategien entwickelt und Projekte umsetzt. Hamburg kann von Nürnberg bei der Netzwerkarbeit, der Einwerbung von Drittmitteln für Projekte und der erfolgreichen Umsetzung regionaler Projekte lernen.
Auch beim Thema Klimaschutz vernetzt die Metropolregion Nürnberg die Akteure in der Region, verbreitet gelungene Praxisbeispiele und unterstützt die Zusammenarbeit von Stadt und Land. Dazu hat sie das Forum Nachhaltigkeit und Klimaschutz eingerichtet. Mit dem Klimapakt hat das Forum ein Leitbild erarbeitet. Der Klimapakt ist eine Selbstverpflichtung, wie die Region bis 2040 klimaneutral werden soll.
Das Forschungsvorhaben Klimapakt2030plus ist ein weiterer Meilenstein der Metropolregion Nürnberg. Das Projekt befasst sich mit der Frage, wie Metropolregionen zur Umsetzung der Energiewende und der Klimaziele beitragen können. Die Reallabore „Transformation Energieversorgung“ und „Transformation Gebäudebestand“ bringen Akteure aus Praxis und Wissenschaft zusammen. Projekte sind One-Stop-Shops, also eine gebündelte Beratung zur Energieeffizienz von Gebäuden, die Gebäudesanierung bei Wohnungseigentümergemeinschaften und interkommunale Energiegemeinschaften."
EEHH: Die Hafen City Universität beschäftigt sich mit kommunalen Klimabudgets im Ostseeraum. Was versteht man unter einem kommunalen Klimabudget? Wo existieren diese und wie funktionieren sie? Bitte nennen erläutern Sie uns einige Beispiele.
Prof. Knieling: "In dem EU-Kooperationsprojekt Climate-4-Cast erarbeiten Städte und Regionen aus dem Ostseeraum ein praxisnahes Konzept, wie das Instrument Klimabudget zum Klimaschutz beitragen kann. Vereinfacht gesagt zeigt das Klimabudget der Politik, wieviel CO2-Ausstoß eine öffentliche Investitionsmaßnahme verursacht. Das Klimabudget ist damit ein Steuerungsinstrument, das die Klimaschutzziele direkt mit der Budgetplanung verknüpft. Vorreiter für Klimabudgets in Europa sind Oslo und Trondheim in Norwegen sowie Tampere in Finnland, aber auch Kopenhagen, London, Stockholm und Wien sowie Montreal und New York arbeiten mit dem Instrumentarium. Auch Hamburg ist Teil von Climate-4-Cast."
EEHH: In einem weiteren Ihrer Projekte stehen „Regionalwerke“ im Fokus. Gemeinden bilden kleine Stadtwerke und treten als Investoren für Freiflächen-PV und Onshore-Windparks auf. Bitte geben Sie uns praktische Einblicke dazu.
Prof. Knieling: "Regionalwerke sind öffentliche Unternehmen, die bspw. Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien betreiben, einen regionalen Stromtarif anbieten oder auch weitere kommunale Aufgaben wie Wasserversorgung und Abfallentsorgung übernehmen. Klimapakt2030plus begleitet und unterstützt verschiedene Regionalwerke in der Metropolregion Nürnberg. Vorbildfunktion haben die Zukunftsenergie Nordostbayern GmbH (ZENOB) und das Regionalwerk Haßberge. Die HCU hat Anlässe zur Kooperation, Motivation und Ziele sowie förderliche und hemmende Faktoren gegründeter und geplanter Regionalwerke untersucht. Für die Energiewende in der Metropolregion Hamburg würde es sich lohnen, die Erfahrungen der Regionalwerke auszuwerten und zu prüfen, wie Regionalwerke zur Energietransformation in Norddeutschland beitragen könnten."
Vielen Dank für das spannende Gespräch und viel Erfolg weiterhin bei Ihrer Forschungsarbeit!