Martin Oldeland, BAUM e.V., und Preisträger Dr. Eckart Jantzen (EEHH GmbH/Ingo Bölter)

Interview mit Preisträger „Projekt des Jahres“: Dr. Eckard Jantzen

von Janina Grimm, 
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German Renewables Award 2019

Am 28. November 2019 ist GALAB Laboratories in Hamburg mit dem German Renewables Award 2019 in der Kategorie „Projekt des Jahres“ ausgezeichnet worden. Herzlichen Glückwunsch!

Martin Oldeland, BAUM e.V., und Preisträger Dr. Eckart Jantzen (EEHH GmbH/Ingo Bölter)
Martin Oldeland, BAUM e.V., und Preisträger Dr. Eckart Jantzen (EEHH GmbH/Ingo Bölter)

EEHH:   „Sie haben eine innovative Eisspeichertechnik zur optimalen Klimatisierung von Gebäuden entwickelt. Sie nennen es ganz simpel, „den Eisspeicher“. Klingt nach einem hocheffizienten Kühlschrank. Das trifft es aber nicht ganz, oder?“

Dr. Eckart Jantzen: „Lassen Sie mich bitte kurz allen danken, die an diesem Projekt mitgearbeitet und es mit realisiert haben. Insbesondere sind dies mein Kompagnon Dr. Jürgen Kuballa und mein Kollege Markus Walter; nicht fehlen dürfen Ulrich Exeler, unser Architekt, und Bernd Schwarzfeld, unser Energieberater. Wir sind stolz, dass unser ganzheitliches Nah-Wärme-Kälte-Verbundsystem, Sie nennen es Kühlschrank, mit dem German Renewables Award ausgezeichnet wurde. Dieses System nutz die jeweils anfallende Kälte und Wärme konsequent und speichert den jeweiligen Überschuss bis in die nächste und übernächste Jahreszeit.“

EEHH:   „Ihr Eisspeicher gilt als besonders klimafreundlich und umweltschonend. Warum?“

Dr. Eckart Jantzen: „Unser innovatives Projekt stellt ein innovatives Kälte- und klimatechnisches Gesamtkonzept der GALAB Laboratories dar, dass es ermöglicht hat, regenerativ ca. 70% weniger CO2 zu emittieren. Das Konzept ist bisher einzigartig, weil es sowohl Wärme als auch Kälte über das Jahr speichert und wieder verfügbar macht. Nutzen, was schon da ist, etwas vor Ort entstandenes sinnvoll wiederverwenden. Es sind die naheliegenden Dinge, die eine große Wirkung auslösen. Etwas Naheliegendes tun, nicht auf Förderung warten, glauben an den Instinkt und an die Machbarkeit des scheinbar unmöglichen und Vertrauen in unsere bestehende Technik lassen uns mit etwas weniger Sorgen in die Zukunft blicken.“

EEHH:   „Das Projekt besteht nicht nur auf dem Papier. Es wurde bereits in Hamburg-Bergedorf im Rahmen eines Neubauvorhabens Ihrer Firma GALAB Laboratories umgesetzt. Wie hat sich die Umsetzung des Pilotprojekts gestaltet. Verlief alles nach Plan, und welche Ergebnisse konnten bis dato erzielt werden? Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?“

Dr. Eckart Jantzen: „Wir wussten ja, dass wir ein ganz neues Konzept verfolgten. Hätte es nicht geklappt, hätten wir immer eine Hintertür offen gehabt, nämlich Klimaanlage und Gastherme. Aber diese Tür mussten wir nie zimmern. In den letzten fünf Jahren haben wir die Anlage stetig weiterentwickelt und modernisiert. Hierbei ist es uns wichtig das Vertrauen zu den Gewerken aufzubauen. Niemand wurde in Regress genommen, wenn etwas mal nicht sofort funktionierte. Nur so können Innovationen entstehen, aufbauend auf Vertrauen. So läuft also alles nach Plan, und die Einsparungen haben die Investitionskosten bereit wieder zurückgeführt. Es war also eine richtige Entscheidung.“

EEHH:   „Was meinen Sie, wird Ihr Projekt Wellen schlagen? Könnte Ihr Laborgebäudekonzept zu wettbewerbsfähigen Preisen auch auf andere Gebäudebestände (privat oder öffentlich) übertragen werden? Was wären eventuelle Voraussetzungen dafür?“

Dr. Eckart Jantzen: „Wir sparen mit unserer Anlage jeden Tag Geld und CO2. Das ist gerade im Zeitalter des Global Warming wichtig. Als wir 2012 unser Konzept durchdachten, wollten wir einfach etwas haben, was uns aus unserer Sicht unabhängig macht von der reinen Klimaanlagentechnologie. Fällt nämlich die Klimaanlage aus, gibt es sofort keine Kälte mehr; alles muss redundant ausgelegt sein, was die Investitionskosten erhöht und immer ein Risiko für uns als Laborbetreiber bleibt. Mit einem 1.000 m³ Eisblock im Wasser braucht man nur ein paar Pumpen, und alles ist über einen langen Zeitraum gekühlt. Dieser Idee haben wir vertraut. Also wird diese Idee einmal Wellen schlagen, muss man nur bereit sein, diesen neuen Weg mitzugehen. Das Wort ‚wettbewerbsfähige Preise‘ ist oft ein K.O.-Kriterium. Wir wissen nur, dass z.B. die Entwicklung des ersten Elektroautos viel Geld gekostet hat. Unsere Investitionen haben sich dagegen schon nach fünf Jahren amortisiert. Die Anlage spart jedes Jahr 70% CO2; das ist doch prima. Ich möchte gern ein weiteres Projekt umsetzen; alles ist vorhanden - es fehlt nur der neue Besitzer. Ich freue mich auf Kontaktaufnahmen. Vielen Dank!“

https://www.galab.de/

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit September 2019 unterstütze ich als studentische Hilfskraft das gesamte Team des Clusters für Erneuerbare Energien Hamburg bei der Entwicklung, Umsetzung und Nachbereitung vielfältiger Fachveranstaltungen. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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