„Hamburg und die Emirate haben viel Potenzial für Kooperationen im Bereich Wasserstoff“

von Astrid Dose, 
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Interview mit Kirsten Staab, Hamburg-Repräsentantin in den Vereinigten Arabischen Emiraten / Dubai

Im folgenden Interview berichtet Kirsten Staab über die Auswirkungen des Klimawandels in den Vereinigten Arabischen Emiraten und die Offenheit für neue Technologien wie Wasserstoff.

EEHH: Welche Ziele verfolgen Dubai bzw. die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) im Bereich Klimaschutz?

Kirsten Staab: „Die Vereinigten Arabischen Emirate und insbesondere Dubai haben in den letzten Jahren ein extrem starkes Bevölkerungswachstum erlebt. Mittlerweile verzeichnen wir 3,38 Millionen Einwohner, davon nur ca. 10 % Einheimische. 2000 waren es noch 850.00 Einwohner. Alle diese Menschen besitzen natürlich einen enormen Energiebedarf, sodass wir quasi gezwungen sind, uns des Themas Klimaschutz stärker anzunehmen.

Den World Future Energy Summit richtet Abu Dhabi seit 2006 jährlich aus, 2021 wieder im April, möglicherweise aber dieses Mal im Hybrid-Format oder rein digital wegen der Corona-Pandemie. Das Pariser Klima-Abkommen COP 21 im Jahre 2015 haben die Vereinigten Arabischen Emirate unterzeichnet. Allerdings befindet sich aktuell das Atomkraftwerk Barākah, bestehend aus vier Reaktoren, im Bau.

Seit kurzem erfahren wir in den Emiraten aber auch unmittelbar die Folgen des Klimawandels – die Sommer werden noch heißer, die Winter interessanter Weise kühler. Aufgrund der zunehmenden Trockenheit erzeugen wir mittels chemischer Prozesse künstliche Wolken bzw. Regen. 2015 hat sich Dubai eine Clean Energy Strategy gegeben, die vorsieht, bis 2030 25 % Strom aus Solarenergie, 7 % aus Kohle, 7 % aus Atom und 61 % aus Gas zu gewinnen.“

EEHH: Welche Projekte gibt es aktuell im Bereich erneuerbare Energie?

Kirsten Staab: „Das größte Solarkraftwerk Noor Abu Dhabi hier in den Emiraten soll rund 90.000 Menschen mit Strom versorgen. Anstelle von District Heating konzentrieren wir uns in den Emiraten auf District Cooling. Viele Privathäuser sind immer noch nicht gut gedämmt. Seit 2011 gibt es dafür so genannte Green Building Regulations. Auch nachhaltige Mobilität spielt eine immer größere Rolle. In Dubai gibt es beispielsweise eine Metro; Elektrobikes finden auch immer mehr Anklang. Straßenlampen werden häufig mit Solar betrieben. Außerdem interessieren sich die Emirate sehr für autonome Fahrzeuge.“

EEHH: In wieweit könnte Hamburg stärker mit den Emiraten im Bereich erneuerbare Energien kooperieren?

Kirsten Staab: „Die Emirate sind sehr aufgeschlossen, was neue Technologien betrifft. Gerade im Bereich Wasserstoff tut sich einiges. Im EU-GCC Clean Energy Technology Network tauschen sich die Golf-Anreiner-Staaten mit europäischen Ländern zu Wasserstoffprojekten aus. Siemens arbeitet daran, in Dubai als einem von sechs Standorten weltweit, &60;den Elektrolyseur Silyzer 200 zu errichten. Die Emirate sehen in der Produktion von grünem Wasserstoff eine Chance, auch nach der Energiewende als Produzent Erneuerbarer Energien am Weltmarkt zu bleiben und künftig beispielsweise als Exporteur grünen Wasserstoffs auch Deutschland zu beliefern. Insbesondere der Hafen Hamburg könnte von dieser Strategie profitieren.“

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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