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"Hamburg hat ein enormes Potenzial für zivilgesellschaftliche Initiativen" Interview mit Annika Rittman, Fridays for Future

Im folgenden Gespräch äußert sich eine der Mitinitatorinnen des Hamburger Zukunftsentscheids zum Erfolg der Initiative: Annika Rittmann, Fridays for Future.

EEHH: Ihr habt als Fridays for Future als Bündnispartner mit zum erfolgreichen Gelingen des Zukunftsentscheids beigetragen. Wie habt ihr euch als Team gefunden? Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Annika Rittmann: "Die Idee, in Hamburg einen Volksentscheid zur Klimapolitik zu organisieren, schwirrte schon länger herum. Ende 2023 haben sich dann einige Hamburgerinnen und Hamburger aus unterschiedlichen Ecken und Organisationen zusammengetan und den „Hamburger Zukunftsentscheid” initiiert. Ausschlaggebend für die Umsetzung waren neben der bis dato unzureichenden Gesetzeslage die für 2025 geplanten Wahlen und die Chance, bestehende Mehrheiten für den Klimaschutz wieder sichtbar zu machen."

EEHH: Mit welchen Argumenten habt ihr Deiner Meinung nach die Hamburger Bevölkerung am meisten überzeugt?

Annika Rittmann: "Seit Jahren zeigen Umfragen, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung einen ambitionierten und sozialen Klimaschutz wünscht. Die deutlich größere Herausforderung bestand darin, die Möglichkeit zu schaffen, um diese Position sichtbar zu machen und die Menschen zu motivieren, ihre Stimme abzugeben. Inhaltlich bestand die maßgebliche Aufgabe darin, den realitätsfernen Angstszenarien der Gegenseite etwas entgegenzusetzen, um das Gegeneinanderausspielen von sozial gerechter Politik und Klimaschutz zu widerlegen."

EEHH: Steht ihr aktuell mit der Politik/dem Senat im Austausch über die tatsächliche Realisierung der Maßnahmen zum schnelleren Erreichen der Klimaziele?"

Annika Rittmann: "Die Abstimmung hat gezeigt, wie groß das Bedürfnis der Hamburgerinnen und Hamburger ist, sich in die Klimapolitik der Stadt einzubringen. Entsprechend arbeiten wir maßgeblich an Formaten, um den Menschen auch in Zukunft die Möglichkeit zu geben mitzubestimmen. Zusätzlich stehen wir natürlich mit dem Hamburger Senat darüber im Austausch."

EEHH: Könntet ihr euch vorstellen, dass in einer anderen deutschen Großstadt eine Initiative wie eure ähnliche erfolgreich sein könnte?

Annika Rittmann: "Hamburg hat als Stadt ein enormes Potenzial für zivilgesellschaftliche Initiativen, weil hier viele Menschen und Organisationen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv einzubringen. Auch deshalb konnte ein Volksentscheid trotz aller polarisierten Debatten erfolgreich sein. Unabhängig davon, ob ein solcher Weg in anderen Städten juristisch möglich ist, bin ich überzeugt, dass auch dort ein solcher Diskurswechsel aus der Zivilgesellschaft gelingen kann."

Vielen Dank für das spannende Gespräch!

Über Astrid Dose

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Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes. Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

von Astrid Dose