German Renewables Award 2019: Studentenarbeit des Jahres

von Janina Grimm, 
Kommentare: 0

Interview mit Svantje Schulz

Sie sind Ende November mit dem German Renewables Award in der Rubrik "Studentenarbeit des Jahres" ausgezeichnet worden. Herzlichen Glückwunsch!

EEHH:   "Bevor wir zum Thema Ihrer Masterthesis kommen, erst einmal die Frage: Wie sind Sie eigentlich auf den German Renewables Award aufmerksam geworden und was hat Sie dazu bewegt, an der Preisausschreibung teilzunehmen?"

Svantje Schulz: „Zunächst herzlichen Dank für die Glückwünsche und die tolle Veranstaltung im Opernloft in Altona! Ich habe in einer E-Mail vom Cluster Erneuerbare Energien Hamburg von der Verleihung des Awards gelesen. Aufgrund des überwiegend praxisorientierten und recht aktuellen Themas meiner Masterthesis habe ich mir gedacht, dass sie gut in die Kategorie passen könnte. Ein paar Kollegen haben mich ermutigt, mich zu bewerben - da habe ich mein Glück probiert.“

EEHH:    "Der Titel Ihrer Arbeit lautet „Bonitätsrisiko im Corporate Power Purchase Agreement - Auswirkungen sich verschlechternder wirtschaftlicher Verhältnisse eines PPA Offtakers“. Viele können sich darunter wahrscheinlich kaum etwas vorstellen. Mit anderen Worten also: Welches Problem haben Sie unter die Lupe genommen und zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen? Welche Relevanz hat das Thema mit Blick auf die Energiewende in Deutschland?"

Svantje Schulz: „Aufgrund der länderübergreifenden Entwicklung über wettbewerbliche Ausschreibungssysteme hin zum freien Stromverkauf am Strommarkt sind die Projekte den Schwankungen der Strompreise am Strommarkt ausgesetzt. Parallel besteht weiter Bedarf an Kalkulationssicherheit auf Seiten der projektfinanzierenden Banken. Auf der anderen Seite sind Unternehmen aus energieintensiven Branchen daran interessiert, große Strommengen zu fest vereinbarten Preisen über längere Zeiträume zu kaufen und langfristige PPA's abzuschließen.

Die Rückzahlung der jeweiligen Projektfinanzierungen hängt maßgeblich von den geleisteten Zahlungen aus diesen Verträgen ab, weshalb sie für die projektfinanzierende Bank von zentraler Bedeutung sind. In meiner Thesis habe ich herausgearbeitet, was Projektinitiatoren und Banken in der Vertragsgestaltung des PPA und der Bonitätsanalyse von PPA-Offtakern beachten sollten, um dieser neuen Entwicklung Rechnung zu tragen. Für die Zukunft wird das Thema in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnen, da in den kommenden Jahren immer mehr Projekte nach zwanzigjähriger EEG-Vergütung neue Vermarktungsmöglichkeiten benötigen. Für neue Projekte wird der PPA-Bedarf maßgeblich von der Strompreisentwicklung und den zukünftigen Ausschreibungsergebnissen abhängen.“

EEHH:   "Sie haben auch Handlungsempfehlungen erarbeitet. An wen sind diese gerichtet? Nennen Sie uns die Wichtigsten."

Svantje Schulz: „Die Handlungsempfehlungen richten sich im Wesentlichen an die Projektsponsoren, die in der Regel die PPA's verhandeln und die projektfinanzierenden Banken, die ihre Kreditentscheidungen zukünftig immer häufiger auf PPAs basierend treffen werden. An der Stelle fällt mir die Unterscheidung in wichtig und unwichtig sehr schwer, da man das Risikoprofil des Projekts immer im Gesamtkontext betrachten sollte. Aufgrund der regelmäßig langen Laufzeiten der Verträge sind laufende Informationsverpflichtungen des Offtakers zur Überprüfung seiner Bonität wichtig. Ebenso sollten für die Projektgesellschaft umfangreiche Kündigungsmöglichkeiten und Sicherheiten vereinbart werden. Über die konkreten Vertragsklauseln hinaus sind klassische Risikomanagementstrategien wie Diversifikation, z.B. in Form eines Offtaker-Pools mit gegenseitiger Überkreuzhaftung, zu empfehlen. Absicherungen über ECA-Deckungen, Kreditversicherungen und derivative Instrumente an der Strombörse können ebenfalls Lösungen sein.“

EEHH: "Sie waren Studentin an der International School of Management und haben Ihren Master mit Bravour bestanden. Jetzt stehen Ihnen doch mit Sicherheit viele Türen offen. Wissen Sie schon, wohin es geht? Bleiben Sie der Erneuerbaren-Energien-Branche erhalten?"

Svantje Schulz: „Die Erneuerbaren Energien begleiten mich seit 2014, und vor drei Jahren konnte ich meine Bachelorthesis in diesem Bereich schreiben. Seit Anfang Dezember bin ich im Infrastructure & Energy-Team bei Berenberg tätig und beschäftige mich mit internationalen Erneuerbaren-Energien-Projekten.“

EEHH: "Wenn Sie den nachkommenden Studenten einen Rat geben müssten, wo bestehen Ihrer Meinung nach noch Erkenntnislücken, die es zu erforschen gilt? Warum lohnt es sich für angehende Business Manager, sich intensiver mit dem Markt für erneuerbare Energien zu beschäftigen?"

Svantje Schulz: „Aus meiner Sicht sind PPAs ein wichtiger Teil der Entwicklung und stecken in Europa noch weitestgehend in den Kinderschuhen. Eine zunehmende Standardisierung und somit Handelbarkeit der Verträge können neue Möglichkeiten mit sich bringen. Im Zuge der Sektorenkopplung werden ebenfalls weitere Themen im Bereich Transport und Wärme entstehen. Insgesamt ist der Markt für Erneuerbare Energien aus wissenschaftlicher Sicht für mich spannend, da so viele Disziplinen ineinandergreifen. Betriebswirtschaft, Ingenieurswissenschaft, Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften sind nur einige der Bereiche, innerhalb derer sich Studierende mit Erneuerbaren Energien auseinandersetzen können.“

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre berufliche Zukunft.

Über die Autorin

Profilbild zu: Janina Grimm

Seit September 2019 unterstütze ich als studentische Hilfskraft das gesamte Team des Clusters für Erneuerbare Energien Hamburg bei der Entwicklung, Umsetzung und Nachbereitung vielfältiger Fachveranstaltungen. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

Fügen Sie als erster einen Kommentar hinzu

* Hierbei handelt es sich um Pflichtfelder.