German Renewables Award 2019: Dr. Wolfgang von Geldern

von Janina Grimm, 
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Interview mit Preisträger für das Lebenswerk des Jahres

Am 28. November ehrte das EEHH-Cluster Dr. Wolfgang von Geldern mit dem German Renewables Award 2019 in der Rubrik Lebenswerk. Im folgenden Interview erläutet der Würdenträger seine Begeisterung für die erneuerbaren Energien.

Dr. Wolfgang von Geldern mit Laudator Jörg Kuhbier (EEHH GmbH)

Am 28.11.2019 wurden Sie mit dem German Renewables Award in Hamburg für Ihr Lebenswerk geehrt. Herzlichen Glückwunsch!

EEHH: "Für die Kategorie Lebenswerk ist keine eigene Bewerbung möglich. Vielmehr sind Sie für diese Auszeichnung vorgeschlagen worden. Maßgeblicher Grund dafür stellt Ihr jahrelanger Einsatz  für die Windenergiebranche, sowohl in Ihrer Funktion des Vorstandsvorsitzenden der PNE Wind AG, als auch als „Chefdiplomat“ des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke e.V.. dar. Wie genau unterstützen Sie die Branche? Was sind Ihre Aufgaben? Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Dr. von Geldern: „Als Vorstandsvorsitzender der Plambeck Neue Energien AG war mir klar, dass unser wirtschaftlicher Erfolg ganz wesentlich von den Rahmenbedingungen abhängt, die die Politik uns setzt. Auch deshalb habe ich schon an der Gründung des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke e.V. mitgewirkt und war bereit, mich zum Vorsitzenden des Verbandes wählen zu lassen, ein Amt das ich seit 1996 bis heute ausübe.

Durch gutachterlich unterstützte Argumentation haben wir in ungezählten Gesprächen mit einzelnen Mitgliedern des Deutschen Bundestages, der Bundesregierungen, Ministerialbeamten, Journalisten u.a. unsere Positionen  vorgetragen, die der Fortentwicklung des gesetzlichen Rahmens vom 'Stromeinspeisungsgesetz' des Jahres 1991 bis zum heutigen  'Erneuerbare-Energien-Gesetz', 'Wind-auf-See-Gesetz' und zahlreichen weiteren einschlägigen Gesetzen im Sinne der Windkraft gedient haben. Wir haben im Laufe der Zeit mit Mitteln unseres Verbandes, manchmal auch mithilfe Dritter aus der Branche über 30 wissenschaftliche Gutachten erstellen lassen, die es uns ermöglichten sachlich fundiert zu argumentieren.

Einmal jährlich haben wir - meist mit großer Beteiligung - Parlamentarische Abende in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin durchgeführt. In jedem Jahr bat auch unsere Mitgliederversammlung in Hamburg Gelegenheit, einen oder mehrere Politiker zu Rede und Antwort zu Gast zu haben.

Um noch ein aktuelles Beispiel zu nennen, am Morgen nach der Preisverleihung in Hamburg habe ich vor der Bundespressekonferenz in Berlin gemeinsam mit dem Bundesverband Windenergie, der Firma Enercon, sowie den Firmen Energie Baden-Württemberg und Volkswagen unser 5-Punkte-Papier für Sofortmaßnahmen gegen die Windenergiekrise vorgetragen, zur Abstandsregelung und zum Netzausbau haben wir dazu wiederum Gutachten vorgelegt.“

EEHH: "Aktuell steckt die Windkraftindustrie in Deutschland tief in der Krise. Gemeinläufig wird 'die Politik' dafür verantwortlich gemacht. Sehen Sie das genauso?"

Dr. von Geldern: „Ich sehe ausschließlich politische Gründe als Ursachen der gegenwärtigen existenzbedrohenden Krise der Windenergie in Deutschland. Seit 2012 haben die jeweiligen Bundesregierungen und mit ihnen das Parlament teils durch gutgemeinte, teils durch böswillige Rechtsetzungen und teils auch aus Ignoranz Schritt für Schritt die deutsche Windenergie in die Krise geführt, und zwar durch die Einführung von schlechtgemachten Ausschreibungen, durch diverse Deckelungen und Degressionen, wildwüchsigen Artenschutz, organisierte Rechtsstreitigkeiten, starrsinnige Flugsicherung und durch die unsinnige Behauptung, pauschale Abstandsregelungen brächten u.a. mehr Akzeptanz.“

EEHH: „Sie hatten, wie Sie bereits erwähnten, das eine oder andere Mal die Gelegenheit, bei hochrangigen politischen Entscheidungsträgern für den Windenergieausbau in Deutschland zu werben. Welches sind Ihre absoluten Totschlagargumente?"

Dr. von Geldern: „Meine wichtigsten Argumente sind: Ohne einen großen und permanenten Ausbau der Windkraft an Land wie auf See ist die Energiewende – Ausstieg aus Kohle und Atom – nicht zu machen. Ohne den Windkraftausbau verfehlen wir darüber hinaus unsere klimapolitischen Ziele und Verpflichtungen. Auch belasten wir weiter in unerträglicher Weise unsere Umwelt und verschwenden die nur begrenzt vorhandenen fossilen Ressourcen statt die unendlich verfügbaren Erneuerbaren Energien zu nutzen. Damit versäumen wir es, unsere künftige Energieversorgung rechtzeitig auf die bei weitem günstigste, importunabhängige, nicht krisenanfällige einheimische Quelle (Wind) umzustellen und vergeuden so Zukunftschancen nachfolgender Generationen bei innovativen, exportfähigen Technologien und sicheren Arbeitsplätzen.“

EEHH: „Welche Gegenargumente – wenn es welche gibt – werden Ihnen gemeinhin entgegnet? Sind diese berechtigt?"

Dr. von Geldern: „Ich finde dagegen keine ehrlichen Argumente, sondern nur kurzsichtige Gründe von angeblich mangelnder Akzeptanz, Verschandelung der Landschaft und gefährdeter Vögel und Fledermäuse, die bei näherem Hinsehen alle nicht tragfähig sind.“

EEHH: „Sie sind ein Mann der Branche und kennen sich auch auf dem politischen Parkett sehr gut aus. Wird sich die deutsche Windindustrie wieder erholen? Welche politischen Maßnahmen braucht es dafür?"

Dr. von Geldern: „Ein Wiedererstarken der deutschen Windindustrie ist nur möglich, wenn der Bund, die Länder und Kommunen die Energiewende wieder wirklich wollen und entsprechend die längst bekannten und öffentlich dargestellten Hindernisse, die in den letzten Jahren aufgebaut worden sind, schnell wieder beseitigen. Ich habe bei der gegenwärtigen politischen Konstellation allerdings kaum Hoffnung. Ich fürchte, schon die nächste Generation wird uns schwere Vorwürfe machen, weil wir in Deutschland nach einem fulminanten Start und riesiger Aufbauleistung über fast 30 Jahre jetzt in Kleingeistigkeit steckenbleiben und die erarbeiteten Zukunftschancen verspielen.“

EEHH: „Wir bedanken uns bei Ihnen für dieses spannende und ausführliche Interview!"

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Seit September 2019 unterstütze ich als studentische Hilfskraft das gesamte Team des Clusters für Erneuerbare Energien Hamburg bei der Entwicklung, Umsetzung und Nachbereitung vielfältiger Fachveranstaltungen. Parallel studiere ich meinen Master in Energy Policy. Diese Kombination aus Praxis und Theorie birgt viele tolle Chancen, meine Kenntnisse im Bereich der Erneuerbaren-Energien-Branche und nachhaltiger Energiepolitik zu vertiefen. (Janina Grimm)

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