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"Frankreich wird sich als Offshore-Markt etablieren"

Im Interview schätzt Nathalie Kress, CCO Searenergy, eine Einschätzung Frankreichs Marktpotenzial und die aktuelle deutsche Situation ein.

EEHH: Liebe Frau Kress, bei SeaRenergy leiten Sie die Operations. Können Sie mehr zu Ihrer Tätigkeit und Unternehmensprofil von SeaRenergy erzählen? Natalia Kress/CCO SeaRenergy

Natalia Kress: "Als Mitglied des C-Level-Boards in der CCO-Rolle bin ich für den Bereich Revenue Assurance verantwortlich. Mein Fokus liegt auf der Sicherstellung und Optimierung aller umsatzrelevanten Prozesse sowie der Entwicklung und Umsetzung strategischer Maßnahmen zur nachhaltigen Umsatzsicherung. Gemeinsam mit den Bereichen Commercial Management und Tender Management schaffen wir die Voraussetzungen für nachhaltiges Umsatzwachstum und stellen sicher, dass kommerzielle Chancen konsequent genutzt werden.

EEHH: Wie haben sich Anforderungen an Betrieb, Wartung und maritime Logistik bei den Offshore-Windparks entwickelt?

Natalia Kress: "Die Anforderungen an Betrieb, Wartung und maritime Logistik von Offshore-Windparks haben sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Neben den technologischen Herausforderungen spielt auch die zunehmende geopolitische Unsicherheit eine wichtige Rolle. Globale Entwicklungen haben zu größeren Schwankungen und Unsicherheiten in den Lieferketten sowie bei der Verfügbarkeit von Ressourcen geführt. Dadurch gewinnt eine frühzeitige und vorausschauende Planung von benötigten Ressourcen für den Betrieb und die Wartung (O&M) zunehmend an Bedeutung. Es wird heute deutlich stärker darauf geachtet, Kapazitäten, Dienstleistungen und notwendige Materialien langfristig abzusichern, um eine hohe Verfügbarkeit der Anlagen gewährleisten zu können.

Gleichzeitig steigt der Kostendruck. Daher wird verstärkt nach Synergien gesucht – beispielsweise durch optimierte Prozesse, eine bessere Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette und eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen. Ziel ist es, die Betriebssicherheit und Verfügbarkeit der Offshore-Windparks weiter zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten nachhaltig zu optimieren."

EEHH: Netzanschluss zählt zu den zentralen Engpässen für den Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland. Wie bewerten Sie die aktuellen politischen Rahmenbedingungen und welche Erfahrung haben Sie gemacht?

Natalia Kress: "Der Netzanschluss ist zweifellos einer der zentralen Faktoren für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland. Wir sehen, dass die Bedeutung dieser Thematik inzwischen bei allen Marktteilnehmern angekommen ist und intensive Bemühungen unternommen werden, bestehende Herausforderungen zu adressieren und Lösungen voranzutreiben. Aus meiner Sicht ist eine noch effizientere Zusammenarbeit aller beteiligten Gremien und Institutionen ein wichtiger Hebel, um Prozesse zu beschleunigen und die vorhandenen Potenziale besser zu nutzen. Dabei kommt dem Staat eine wesentliche Rolle als Enabler und Beschleuniger zu – insbesondere bei der Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen, der Koordination der Beteiligten und der Unterstützung einer zügigen Umsetzung notwendiger Infrastrukturmaßnahmen. Entscheidend wird sein, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die Planungssicherheit schaffen und den Ausbau der Offshore-Windenergie langfristig unterstützen."

EEHH: Sie haben dieses Jahr "Seanergy" – die Offshore-Windmesse in Frankreich besucht. Welche Rolle möchte Ihr Unternehmen langfristig in der französischen Energiewende spielen?

Natalia Kress: "Frankreich ist für uns ein strategisch wichtiger Markt mit großem Potenzial. Ein wesentlicher Vorteil unserer Unternehmensgruppe ist, dass wir den gesamten Lebenszyklus eines Offshore-Windparks abdecken – von der Planung, über Bauphase bis hin zu Betrieb und Wartung. Dadurch können wir unseren Kunden ein breites und integriertes Leistungsspektrum aus einer Hand anbieten. Bereits heute sind wir in Frankreich aktiv und haben bei zwei Offshore-Windprojekten in der Bauphase maßgeblich mitgewirkt. Auf dieser Erfahrung möchten wir aufbauen und unsere Präsenz weiter ausbauen. Ein besonderer Fokus liegt dabei in den kommenden Jahren auf dem Bereich Operations & Maintenance. Gemeinsam mit französischen Partnern möchten wir unsere Kompetenzen weiter stärken und langfristig einen Beitrag zu einer zuverlässigen, effizienten und nachhaltigen Energieinfrastruktur in Frankreich leisten."

EEHH: Und wo liegen die größten Unterschiede zwischen Ausbau der Offshore-Windenergie in Frankreich und Deutschland? Und wie sehen Sie den französischen Offshore-Windmarkt im Jahr 2030?

Natalia Kress: "Grundsätzlich stehen beide Märkte vor ähnlichen Herausforderungen. Die geopolitische Lage, volatile Lieferketten, steigende Kosten und der zunehmende Wettbewerb um Ressourcen beeinflussen die Entwicklung der Offshore-Windenergie europaweit. Diese Rahmenbedingungen machen eine vorausschauende Planung und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten wichtiger denn je. Frankreich setzt aus meiner Sicht mit den angekündigten Ausschreibungen ein positives Signal für den Markt und schafft damit wichtige Perspektiven für Investitionen und den weiteren Ausbau. Gleichzeitig verfolgt das Land einen technologieoffenen Ansatz, indem sowohl Bottom-fixed- als auch Floating-Offshore-Windparks vorangetrieben werden. Diese Diversifizierung stärkt die Resilienz des Marktes und eröffnet zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Mit Blick auf das Jahr 2030 bin ich überzeugt, dass sich Frankreich als einer der bedeutenden Offshore-Windmärkte Europas etablieren wird. Entscheidend wird sein, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen, die Infrastruktur parallel auszubauen und die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Netzbetreibern und Politik weiter zu intensivieren."

Vielen Dank für das spannende Interview!

 

 

 

Über Jingkai Shi

Profilbild zu: Jingkai Shi

Hamburg ist die Modellregion der Energiewende und deutsche Windhauptstadt mit Verbindungen in die ganze Welt. Die lokale Erneuerbare Energien-Branche ist damit ein zentraler Partner für die internationale Energiewirtschaft. Als Ansprechpartner für internationale Kooperation im Bereich Erneuerbare Energien betreue ich die Beziehung des EEHH-Clusters zu internationalen Branchenetzwerken, unterstütze die EEHH-Mitglieder bei ihren Auslandsaktivitäten und trage mit Social-Media-Aktivitäten zu einer stärkeren Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Hamburg auf der Weltbühne bei.

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von Jingkai Shi