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Wie man einen Wasserstoffmarktplatz aufbaut (und belebt) Interview mit Oliver Arnhold, Localiser RLI GmbH

EEHH hat in Zusammenarbeit mit der Localiser GmbH Anfang 2026 den Marktplatz für die Metropolregion Hamburg gelauncht – im Interview berichtet Geschäftsführer Oliver Arnhold, wo das Projekt heute steht, welche Erfahrungen gemacht wurden und wie es weitergeht.

Wie man einen Wasserstoffmarktplatz aufbaut (und belebt)

Oliver Schenk (OS):  Wie ist der aktuelle Stand des Wasserstoff Marktplatz Hamburg? Wie viele Unternehmen beteiligen sich und wie aktiv sind sie?

Oliver Arnhold (OA): Aktuell sind rund 70 Akteure aus der Metropolregion Hamburg registriert, davon etwa 20 mit sichtbaren Einträgen („Pins“) auf der Karte. Nicht jedes angemeldete Unternehmen hat auch ein aktives Angebot oder Gesuch, aber einige Unternehmen sind wirklich aktiv und kommunizieren sogar in mehreren Chat-Kanälen. Spannend finde ich, dass auch Unternehmen ohne Gesuch oder Angebot aktiv sind und sich mit anderen Unternehmen vernetzen.


OS: Was macht den Marktplatz von Localiser besonders im Vergleich zu anderen Plattformen?

OA: Ein wesentlicher Vorteil ist, dass hinter jedem Pin tatsächlich echte Ansprechpartner der Unternehmen stehen. Man kann also direkt Kontakt aufnehmen und landet im E-Mail-Postfach der Firma. Das unterscheidet uns von anderen Plattformen, die Daten oft aus dem Internet „scrapen“ und auf ihrer Karte doppelte oder veraltete Einträge haben. Ein weiteres besonderes Merkmal bei unserem Marktplatz: Wir integrieren ausgewählte, präzise Geodaten – im Fall von Hamburg sogar spezifische Netzdaten, die Wärmekarte, Standorte von Windenergieanlagen und mehr – und können diese laufend aktualisieren.


OS: Was ist der Hintergrund eures Unternehmens? Wie seid ihr auf das Thema Wasserstoff Marktplätze gekommen?

OA: Wir sind eine Ausgründung des Reiner Lemoine Instituts (RLI) und arbeiten seit 2012 an Wasserstoffprojekten, die wir mit und für externe Partner durchgeführt haben. Wir haben dabei Elektrolyseure, Wasserstofftankstellen mit Steuerungssystemen und Metallhydridspeicher bis ins Detail analysiert. Neben dieser praktischen Arbeit haben wir für die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg 2018 den Auftrag bekommen, die Wasserstoffstrategie zu erarbeiten. Daraus ergab sich die Idee für ein einfaches, niederschwelliges Vernetzungstool für die Wasserstoffwirtschaft – eine Art „Ebay Kleinanzeigen“ für Wasserstoffprojekte. So entstand nach und nach der Marktplatz. Dabei profitieren wir sehr von der Erfahrung unseres SaaS-Tools für den Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeugen. Der H2-Marktplatz und unser Produkt für die Ladeinfrastruktur teilen sich Programm-Code, Wartung, Infrastruktur, F&E sowie Sicherheitseinrichtungen. Das macht den Betrieb beider Plattformen effizient und nachhaltig.


OS: Welche Tipps hast du für Unternehmen, damit sie die Plattform effektiv nutzen?

OA: Es gibt zwei Arten, die Plattform zu nutzen: aktiv andere Unternehmen ansprechen oder Angebote und Bedarfe einstellen und sich ansprechen lassen. Wichtig ist, einen aussagekräftigen, möglichst auch englischen Beschreibungstext zu verfassen, um Vertrauen aufzubauen. Je besser das Profil, desto eher werden andere auf das Unternehmen aufmerksam. Außerdem lohnt es sich, den Verifizierungspatch zu erlangen, indem man aktiv mit anderen Unternehmen kommuniziert.


OS: Wie sieht die überregionale Nutzung aus und wie ist es um die europaweite Anschlussfähigkeit des Marktplatzes bestellt?

OA: Grundsätzlich ist der Marktplatz europaweit zugänglich. Wir haben Nutzer aus der Schweiz, der Türkei, Israel, Island, Finnland und natürlich vielen deutschen Bundesländern. Für Hamburg, Berlin, Brandenburg und Sachsen haben wir besondere Geodaten hinterlegt. Wir arbeiten kontinuierlich daran, den regionalen Fokus weiter auszubauen und zu vereinheitlichen.


OS: Wie sieht es mit der weiteren Entwicklung des Marktplatzes aus? Werden weitere Regionen in Deutschland folgen?

OA: Wir führen viele Gespräche mit weiteren Bundesländern bezüglich eines Rollouts. Hamburg ist vorangeschritten und kann gewisserweise als Blaupause dienen. Besonders die Zusammenarbeit mit EEHH als zentralem Koordinator zwischen Verwaltung und Unternehmen war sehr hilfreich. Für den Marktplatz entwickeln wir gerade neue Funktionen, etwa einen KI-gestützten Assistenten, der bei der Suche unterstützt und Wissen vermittelt, beispielsweise bei Hamburg-spezifischen Fragen.


OS: Gibt es schon konkrete Erfolge oder Beispiele für Geschäftsabschlüsse über den Marktplatz?

OA: Ja, das Unternehmen Knauber Energie ist ein gutes Beispiel. Sie nutzten den Marktplatz schon vor dem offiziellen Hamburger Start für strategische Entscheidungen und haben daraufhin eine Vertriebsabteilung für Wasserstoff gegründet. Sie schätzen, dass es damit deutlich leichter ist, an interessante Neukontakte zu kommen. So ein Erfolg zeigt, dass unser Tool tatsächlich Mehrwert bietet.

 

Im Interview

Über Oliver Arnhold:

Der Ingenieur für Fahrzeugtechnik und Erneuerbare Energien sammelte bereits ab 2012 praktische Erfahrung in Wasserstoffprojekten und wirkte an der Wasserstoffstrategie für Berlin und Brandenburg mit, die als Grundlage für den Marktplatz diente.

Über Oliver Schenk

Profilbild zu: Oliver Schenk

Ich bin verantwortlich für den Bereich Marketing Wasserstoff und sorge dafür, dass die hiesigen Projekte und Formate in der Metropolregion Hamburg und darüber hinaus wahrgenommen werden. Um dem vielversprechenden Energieträger zum Durchbruch zu verhelfen unterstütze ich die Wasserstoffwirtschaft mit redaktionellen Beiträgen, Netzwerkveranstaltungen, Videoproduktionen und vielem mehr.

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von Oliver Schenk