Space@Sea

Eine künstliche Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer

von Tom Mikus, 
Kommentare: 0

Forscher der TUHH untersuchen im Space@Sea-Projekt schwimmende Inseln als Wartungsplattform für Offshore Windparks und weitere Anwendungsfälle

Space@Sea
Space@Sea

Auch wenn auf den modularen Inseln des Space@Sea-Projekts keine Berge stehen, schwimmen sie trotzdem im tiefen Meer und könnten deshalb u.a. für die künftige Energieversorgung zumindest im übertragenen Sinne Berge versetzen. Floating Offshore Windkraft, Offshore Wasserstoffproduktion, schwimmende Solaranlagen oder eine künstliche Energieinsel in der Nordsee – die Pläne und Ideen zur Energieversorgung der Zukunft finden immer weniger auf festem Boden statt. Umso wichtiger, dass das Horizon2020-Forschungsprojekt Space@Sea unter Beteiligung der Technischen Universität Hamburg (TUHH) die Konstruktion und vielseitige Nutzung modularer, schwimmender Inseln untersucht.

Inseln sind flexibel einsetzbar und kostensenkend

Neben der Produktion von Nahrungsmitteln mittels Aquakulturen (Farming@Sea), der Verwendung als schwimmendes Logistikzentrum (Logistics@Sea) oder der Unterbringung von Offshore-Besatzungen (Living@Sea) ist die Nutzung der zusammengesetzten Schwimmkörper zur Energieerzeugung sowie die Wartung von Offshore-Windparks (Energy@Sea) zentraler Bestandteil der Forschung. „Da die schwimmenden Plattformen aus mehreren flexibel verbundenen Stahlbeton-Modulen einer Größe von ca. 45 mal 45 Metern und Höhe von rund 11 Metern bestehen, können Sie je nach Bedarf in kurzer Zeit vor Ort installiert und am Meeresgrund mit Ketten verankert werden“, so Gerrit Olbert, Forscher an der TUHH. Die Installation einer Insel aus etwa 70 Modulen würde inklusive möglicher wetterbedingter Ausfallzeiten nur einige wenige Monate dauern. Insbesondere beim Bau und bei der Wartung weit vor der Küste liegender Floating Offshore Windparks könnten durch solche Inseln die Einsatzzeiten von teuren Spezialschiffen und Hubschraubern verringert werden.

Offshore-Wasserstofftankstelle 

Und auch die vieldiskutierte Idee, grünen Wasserstoff aus Windkraft direkt auf See zu erzeugen und anschließend auf vielfältige Weise zu nutzen, bekommt durch Space@Sea ebenfalls weiteren Auftrieb. Obwohl diese Möglichkeit im ursprünglichen Konzept des Forschungsprojekts nicht

vorgesehen war, sieht Gerrit Olbert hier einen idealen Anwendungsfall für die künstlichen Inseln. Vor Ort könnte der erzeugte Wasserstoff verflüssigt und mit Tankschiffen zur weiteren Verwendung an Land abtransportiert werden. Da einige Module einer künstlichen Insel mit Solaranlagen, kleineren Windturbinen oder Wellenkraftwerken sowie Energiespeichern ausgestattet werden könnten, wäre zudem ein energieautarker Betrieb der Plattformen möglich.

Internationales Projektkonsortium

Neben der TUHH sind insgesamt 16 weitere europäische Forschungsinstitute, Universitäten und Unternehmen aus Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Rumänien und Deutschland an dem Space@Sea-Projekt beteiligt, das durch das Horizon 2020 Programm der EU mit 7,63 Millionen Euro von Ende 2017 bis Ende 2020 unterstützt wird.

Weitere Informationen zum Space@Sea-Projekt finden Sie hier:

https://spaceatsea-project.eu/

Über den Autor

Profilbild zu: Tom Mikus

Seit 2019 arbeite ich als Projektmanager International für das Erneuerbare Energien Hamburg Cluster und widme mich dem Austausch zu erneuerbaren Energien über die Grenzen Deutschlands hinweg. Hier berichte ich über die aktuellen Entwicklungen und Aktivitäten des Clusters und Erneuerbare-Energien-Standorts Hamburg auf internationaler Ebene.

Fügen Sie als erster einen Kommentar hinzu

* Hierbei handelt es sich um Pflichtfelder.