Rainer Sturm/pixelio

Aktueller Trend der PPAs unumkehrbar

von EEHH Gastautor, 
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Finanzierung von EE-Projekten in Corona-Zeiten

Wie gestaltet sich unter den aktuellen Bedingungen das Finanzierungsgeschäft für EE-Projekte? Wir haben verschiedene Partner aus dem Finanzierungsektor gebeten die aktuelle Situation für unseren Blog zu beschreiben. Den Anfang macht heute Nils Driemeyer (Global Head Renewable Energy Project Finance) von der Hamburg Commercial Bank.

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Die Corona Pandemie ist für alle Teile unserer Gesellschaft eine große Herausforderung. Dies macht auch vor der Branche der Erneuerbaren Energien nicht halt.

Aus Sicht der Finanzierer waren vor allem Projekte im Bau in den vergangenen Wochen großen Unsicherheiten ausgesetzt. Hersteller konnten aufgrund von Lieferengpässen der Zulieferer nicht wie geplant liefern, oder Bautrupps standen nicht wie geplant zur Verfügung. Bei engen Bauzeitfenstern und strengen Vorgaben bezüglich der Fertigstellung im Rahmen der Ausschreibung, können bereits geringfügige Verzögerungen zu einem immensen wirtschaftlichen Schaden führen. Hier hat aber die Bundesnetzagentur weitsichtig reagiert und großzügige Verlängerungen der Fristen in Aussicht gestellt, sodass dieses Problem gelöst scheint.

Bezüglich der Verfügbarkeit von Finanzierungen strahlt die gesamtwirtschaftliche Situation auch auf die Branche der Erneuerbaren Energien aus. Selbst für Neuprojekte mit festem Einspeisetarif, wie in Deutschland überwiegend der Fall, kann sich eine Finanzierung erschweren, oder verteuern, da die zu erwartenden Belastungen aus der Krise in den Bilanzen der Banken die Kreditvergabefähigkeit dieser einschränken, bzw diese sich zunächst im Neugeschäft zurückhalten, bis Auswirkungen besser einzuschätzen sind. Grundsätzlich ist aber zu erwarten, dass Banken Finanzierungen im Bereich EE weiterhin bevorzugen, da diese als qualifizierte Infrastruktur klassifiziert sind und so Erleichterungen bei der Kapitalunterlegung mit sich bringen.

Größere Herausforderungen sehen wir aktuell bei Finanzierungen von EE Projekten außerhalb eines festen Einspeisetarifs, da bedingt durch die Corona induzierte Reduzierung der Nachfrageseite auf den Strommärkten die Strompreise teilweise kollabiert sind. Daher halten sich auch Anbieter von langfristen Stromabnahmeverträgen (sog. PPAs) derzeit sehr mit Neuabschlüssen zurück, sodass ein Abschluss einer Finanzierung auf Basis eines solchen Vertrages aktuell deutlich erschwert wird, bzw. für die Sponsoren aufgrund von Preisabschlägen unwirtschaftlich ist. Hier erwarten wir aber eine Verbesserung im Rahmen der wirtschaftlichen Erholung.

Zusammenfassend erwarten wir nicht, dass sich der aktuelle Trend hin zu PPAs und weg von festen Einspeisetarifen durch die Corona Krise umkehren lässt. Dies zeigen auch die vielen Projekte die trotz Corona derzeit in Deutschland, Europa und weltweit auch ohne staatliche Förderung vorangetrieben werden. Aus unserer Sicht ist es also keine Frage des „ob“, sondern nur eine Frage des „wie“. Hier helfen intelligente Finanzierungslösungen, die den Kunden ausreichend Freiraum für die Vermarktung lassen, aber gleichzeitig die notwendige Finanzierungssicherheit herstellen. Hier werden wir als HCOB unseren Beitrag leisten.

Für Deutschland kann man aus unserer Sicht zusammenfassen, dass aktuell Genehmigungen in der Regel noch immer zu lange dauern und nach wie vor an vielen Stellen Einspruchsmöglichkeiten bestehen, die Projekte immer wieder ausbremsen. Hier wäre eine klare Rechtslage für alle Beteiligten wünschenswert. Aus unserer Sicht besteht aktuell weder ein Flächen- noch ein Kapazitätsproblem. Die Branche ist stark genug auch ohne Förderung den Ausbau in Deutschland zu gewährleisten. Die vielen PV Projekte die aktuell auf Basis von PPAs entwickelt werden zeigen dies eindrucksvoll.

https://www.hcob-bank.de/de/startseite/

1 Kommentar zu "Aktueller Trend der PPAs unumkehrbar"

Lars Quandel

Der aktuell in einigen Marktbereichen niedrige Strompreis bietet für Stromabnehmer sehr gute Möglichkeiten sich mittel- bis langfristig günstig mit Strom einzudecken. Aus Investorensicht ist hierbei sicherzustellen, dass die Einnahmen des Projektes weiterhin über den Grenzkosten liegen und der Mix im Stromverkauf möglichst flexibel ist, um von später ggf steigenden Strompreisen zu profitieren. Sofern die Gestehungskosten als auch die laufenden Kosten des Projektes günstig sind, können auch in der jetzigen herausfordernden Marktphase Projekte erfolgreich umgesetzt werden.

* Hierbei handelt es sich um Pflichtfelder.