Torsten Klemm/Pixelio

Aktuelle Lage der EE-Finanzierer vor dem Hintergrund von Covid 19

von Astrid Dose, 
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Interview mit Experten der Commerzbank

Im folgenden Interview gehen die Experten des Energy Teams der Commerzbank auf den Einfluss von Covid 19 auf den Finanzierungsbereich der Erneuerbaren Energien ein.

Torsten Klemm/Pixelio
Torsten Klemm/Pixelio

EEHH: "Auch das Projektgeschäft der Erneuerbaren Energien ist von den Auswirkungen der Corona Pandemie betroffen. Wie spürbar sind die Einschnitte aus Ihrer Sicht?"

Commerzbank: "Die Auswirkungen der Corona Pandemie können unseres Erachtens aus zwei Perspektiven heraus wahrgenommen werden. Zum einen aus den Projekten selbst heraus, aus denen wir bereits sehr früh Rückmeldungen bekommen haben. Diese bezogen sich im Wesentlichen auf Verzögerungen im Bauablauf, da Zulieferer in der Wertschöpfungskette durch die lock-downs betroffen waren. Eine erneute Prüfung und Anpassung der Projektplanung war zum Teil die Folge, ohne dass dies jedoch bisher zu größeren Problemen geführt hat. Zudem werden/wurden einzelne Projekte zeitlich verzögert in Angriff genommen. Die zweite Perspektive ist die der Bank(en). Gerade international ist eine Refokussierung bei der Kreditvergabe zu erkennen, was unter anderem durch gestiegene Refinanzierungskosten der Banken auch zu einem erhöhten Kredit-Preisniveau geführt hat. Dabei sind wir zu jeder Zeit in der Lage gewesen, weiterhin Projekte im In- und Ausland zu finanzieren."

EEHH: "Welche Maßnahmen müssten Ihrer Meinung nach die Politik einleiten um den Sektor der erneuerbaren Energien aufgrund der aktuellen Situation akut zu stützen?"

Commerzbank: "Viele Regierungen haben bereits die aus Auktions-/Förderregularien oder ggf. aus Baugenehmigungen heraus resultierenden Inbetriebnahmefristen verlängert oder angekündigt, dies zu tun. Es sollten zudem Anreize geschaffen werden, sodass die für die Wirtschaftsstabilisierung bereitgestellten Finanzmittel zukunftsorientiert eingesetzt werden.  

EEHH: "Wo liegen gegenwärtig unabhängig von der Corona-Krise die größten Herausforderungen und was bedeuten diese für die Projektfinanzierung?"

Commerzbank: "Hier ist sicherlich für Deutschland die geringe Anzahl an genehmigten Projekten im Markt zu benennen, mit dem einhergehenden Wettbewerbsdruck auf die Projektfinanzierungen. Eine ausgewogene Balance zwischen dem Ertrags-/ und Risikoprofil einer langfristigen Projektfinanzierung, die zudem spezielle regulatorische Vorgaben erfüllen muss, und den Anforderungen der Initiatoren der Projekte wäre aus unserer Sicht wünschenswert. Zudem bedroht insbesondere in einigen internationalen Projektfinanzierungsmärkten das Corona-bedingt zumindest kurzfristig  geringere Angebot von langfristigen Stromabnahmeverträgen (PPAs) bei sinkendem Preisniveau die Umsetzung von EE-Projekten.

EEHH: "Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf seitens Politik und im Hinblick auf die Regulatorik?"

Commerzbank: "Die Genehmigungsprozesse für EE-Projekte in Deutschland müssen massiv beschleunigt werden. Zudem sollten keine kontraproduktiven Abstandsregelungen festgelegt werden, die den Ausbau der Windenergie weiter einschränken würden. Projektfinanzierungen für Erneuerbare Energien bringen für Banken besondere regulatorische Herausforderungen mit sich. Durch ihre Langfristigkeit binden sie in hohem Maße Kapital, was die Finanzierungskosten beeinflusst. Die regulatorische Umsetzung von Basel IV sollte dies idealerweise berücksichtigen und insofern im Einklang mit den weltweit angestrebten Klimazielen stehen."

https://www.commerzbank.de/

Über die Autorin

Profilbild zu: Astrid Dose

Reden, schreiben und organisieren – und das mit viel Spaß! So sehen meine Tage beim EEHH-Cluster aus. Seit 2011 verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing des Hamburger Branchennetzwerkes.

Von Haus aus bin ich Historikerin und Anglistin, mit einem großen Faible für technische Themen.

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