Erneuerbare Energien Hamburg Clusteragentur

German Renewables Award 2015 Rückblick

Zukunftsweisende Speichertechnologien, effektivere Produktionsprozesse – die Preisträger des German Renewables Awards 2015 setzen sich in ihren Siegerprojekten für eine erfolgreiche Energiewende in Deutschland ein. Zum vierten Mal vergab das Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH) den German Renewables Award für Innovationen und Pioniere im Bereich Erneuerbare Energien. Eine unabhängige Jury wählte für die Kategorien „Lebenswerk“ „Produktinnovation des Jahres“, „Projekt des Jahres“ und „Studentenarbeit des Jahres“ aus 43 Bewerbungen und Nominierungen vier Gewinner bzw. Projekte aus. Gleichzeitig feierte EEHH sein fünfjähriges Jubiläum. Das Industrienetzwerk ist in dieser Zeit auf knapp 200 Mitglieder gewachsen.

„Aktuell verhandelt die Weltpolitik in Paris auf der UN-Klimakonferenz COP 21 über die Zukunft unseres Weltklimas, um nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Erde zu hinterlassen. Wir sind stolz, hier in Hamburg mit der Verleihung des German Renewables Awards 2015 an kreative und engagierte Köpfe der Erneuerbare-Energien-Branche ebenfalls einen Beitrag zur Verbesserung des Klimas leisten zu können“, so Hamburgs Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation Frank Horch.

„Die diesjährigen Preisträger des German Renewables Awards und ihre Arbeiten beweisen den ungebrochenen Erfindungsreichtum in der Erneuerbare-Energien-Branche. Ihre Projekte decken eine enorme Bandbreite ab – von intelligenten Netzen bis hin zu gesetzlicher Weichenstellung für die Erneuerbare-Energien-Branche. Wir gratulieren allen Preisträger herzlich und wünschen uns, dass sie unsere Branche weiterhin mit vielen zukunftsweisenden Ideen erfolgreich weiter entwickeln werden“, zeigt sich EEHH-Geschäftsführer Jan Rispens beeindruckt.

Lebenswerk

Die Auszeichnung in der Kategorie „Lebenswerk“ geht an einen Wegbereiter des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), den Ministerialrat a.D. Dr. Wolfhart Dürrschmidt. Mit Fachkenntnis, Überzeugungskraft und Fingerspitzengefühl erwarb sich der promovierte Physiker unschätzbare Verdienste. Dr. Dürrschmidt engagierte sich mehr als 30 Jahre für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und aktiven Klimaschutz. Im Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestags betreute er von 1988 bis 1990 in der Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“ das Thema Klima und Energie,  1991 wechselte er in das Bundesumweltministerium (BMU). U.a. wirkte er aktiv mit beim Entstehen und der Weiterentwicklung des Stromeinspeisegesetzes und bis 2004 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Bis 2012 leitete er im BMU das Kopf- und Strategiereferat für Erneuerbare Energien. In der Rubrik „Lebenswerk“ wählten die Juroren von insgesamt zwölf Vorgeschlagenen einen Preisträger aus.

„Meine Quintessenz nach über drei Jahrzehnten beruflichem Engagement für aktiven Klimaschutz, Erneuerbare Energien und nachhaltige Energieversorgung: Die Klimaverhandlungen in Paris werden dann ein Erfolg, wenn sich zum einen die Staatengemeinschaft auf eine verbindliche Klimaschutz-Strategie einigt und wenn zusätzlich einzelne Staaten wie Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen. Alle Welt schaut auf die Energiewende bei uns: Gelingt die Transformation zum nachhaltigen Energiesystem mit 100% Erneuerbare Energien? Dazu muss die eine Hälfte der konsequente Ausbau der Erneuerbaren Energien leisten, die andere Hälfte Energieeinsparung und Energieeffizienz“, so blickt Dr. Wolfhart Dürrschmidt, Ministerialrat a.D., auf die aktuelle Situation.

Produktinnovation des Jahres

Das größte am Markt verfügbare und standardisierte PEM-Elektrolyse-System – der SILYZER – brachte der Siemens AG den German Renewables Award 2015 in der Kategorie „Produktinnovation des Jahres“ ein. Mit Hilfe von Elektrolyse lässt sich überschüssiger erneuerbarer Strom in  Wasserstoff umwandeln, der bei Bedarf gespeichert werden kann. Wasserstoff ist für die Industrie und im Mobilitätssektor  in Verbindung mit der Brennstoffzelle für eine spätere Rückverstromung wertvoll und vielseitig einsetzbar. Der Elektrolyseur besteht aus mindestens einem Zellstapel mit 1,25 MW, ist modular und kann modular zu einem Elektrolyse-Verbund von 20 MW und mehr kombiniert werden. Mit einer Betriebsdauer von mehr als 80.000 Stunden ist der SILYZER eines der ersten industriell einsetzbaren PEM Systeme. Insgesamt bewarben sich 14 Unternehmen in dieser Rubrik.

 „Wenn die Reduktionsziele an Treibhausgasen nicht nur Lippenbekenntnisse sind, müssen Politik, Gesellschaft, Industrie und Energiewirtschaft konsequent auf regenerative Energien setzen. Die elektrolytische Umwandlung von Energie in Wasserstoff stellt dabei eine großartige Möglichkeit dar, ‚grünen Strom‘ großtechnisch speicherbar zu machen, eine CO2-freie Mobilität zu schaffen sowie den CO2-Emitter Erdgas teilweise zu substituieren“, so das Team Hydrogen Solutions der Siemens AG.

Projekt des Jahres

Die Bedeutung intelligenter Speicher in der lokalen Energieversorgung unterstreicht das Projekt SmartRegion Pellworm, Sieger in der Rubrik „Projekt des Jahres“. Die Hansewerk AG und die Schleswig-Holstein Netz GmbH haben über Jahrzehnte auf der Nordseeinsel ein Versorgungssystem geschaffen, das sich durch einen hohen Einsatz Erneuerbarer Energien auszeichnet. In der Jahresbilanz wird die rund dreifache Menge an Elektrizität aus Erneuerbaren Energien erzeugt wie verbraucht, auch durch den Einsatz mehrere innovative Speichersysteme und eine intelligente Leittechnik. Die 37 km² große Insel ist mit zwei Seekabeln an das Festland angebunden. In der Kategorie „Projekt des Jahres“ gab es insgesamt sechs Bewerbungen.

„Was heute auf Pellworm bereits in kleinem Maßstab realisiert wird, trägt dazu bei, die alten Abhängigkeiten der neuen Energiewelt zu reduzieren und durch Kopplung von Energieerzeugung und -verbrauch die Erneuerbaren Energien besser zu nutzen. Wir freuen uns daher sehr über diese Auszeichnung, die für uns Bestätigung und Ansporn zugleich ist“, so Dieter Haack, Projektleiter Schleswig-Holstein Netz AG.

Studentenarbeit des Jahres

Um besonders hohe Türme für Schwachwindanlagen fertigen zu können, programmierte Florian Roscheck, Diplom-Absolvent der FH Flensburg, einen Roboter für neue Schweißtechniken. Der Sieger in der Rubrik „Studentenarbeit des Jahres“ entwickelte für das US-amerikanische Unternehmen Keystone Tower Systems einen Prototypen für Spiralschweißprozesse, womit Türme für Windenergieanlagen aus Stahlplatten auf der Baustelle gefertigt werden können. Mit dem neuen Verfahren wurde ein erster Turm in 2015 in Massachusetts, USA, realisiert. Insgesamt bewarben sich elf Absolventen in dieser Rubrik. Der German Renewables Award für die beste „Studentenarbeit des Jahres“ ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert.

„Für die Auszeichnung mit dem German Renewables Award für meine Masterarbeit bin ich sehr dankbar, darüber freue ich mich riesig. Diese besondere Auszeichnung ist für mich eine klare Aufforderung aktiv zur Weiterentwicklung der erneuerbarer Energien nicht nur in Deutschland, sondern auch international beizutragen“, sagt Florian Roscheck, Keystone Tower Systems.

Der German Renewables Award steht unter der Schirmherrschaft von Senator Frank Horch, Präses der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg. Das EEHH-Cluster vergibt die Auszeichnungen seit 2012 jährlich. Im kommenden Jahr wird der fünfte German Renewables Award im Rahmen der internationalen Leitmesse Wind Energy Hamburg 2016 vergeben. Als Hauptsponsor unterstützt freundlicherweise die Siemens AG die Verleihung des vierten German Renewables Awards.